Fragwürdiger Erfolg Deutsche programmieren Viren auf Weltniveau

Spätestens mit den zwei Festnahmen am Freitag steht fest, dass deutsche Programmierer in der Liga der Viren- und Würmer-Verfasser ganz oben mitspielen. "Phatbot" entstand sogar in Teamarbeit von Hamburgern, Bayern und Niedersachsen.


Microsoft-Betriebssystem: Sasser nutzt Lücken in Windows 2000 und XP
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An peinliche Niederlagen haben sich die Deutschen in den letzter Zeit gewöhnen müssen: Beim Pisa-Test ganz weit hinten, Schlusslicht beim Wirtschaftswachstum und die Fußball-Europameisterschaft kommt erst noch. Da erfüllt es die geschundene Volksseele vielleicht mit etwas Stolz, wenn die Deutschen zumindest bei Computerviren und -Würmern zu den weltbesten Programmierern zählen.

Immerhin weiß man seit vergangenem Wochenende, dass zwei der schlimmsten Schädlinge der letzten Wochen, Sasser und Phatbot, sich mit dem Siegel "Made in Germany" schmücken dürfen. Sie kann es also doch noch, die Jugend von heute, auch wenn es nicht das ist, was die Nation von ihr erwartet. Dass die beiden Ermittlungserfolge zeitgleich erfolgten, nährt Spekulationen, dass in der Szene jemand ausgepackt hat oder aber sich Beschuldigte gegenseitig verpfiffen haben.

Der mutmaßliche Programmierer von Phatbot sitzt nach wie vor in Untersuchungshaft. Gegen den 21jährigen aus dem Landkreis Lörrach wurde Haftbefehl erlassen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Waldshut-Tiengen besteht Flucht- und Verdunklungsgefahr. Der Mann soll inzwischen zugegeben haben, den Trojaner "Agobot", der später in Phatbot umbenannt wurde, gemeinsam mit anderen Hackern aus Niedersachsen, Hamburg und Bayern programmiert zu haben. Die Hinweise zu seiner Festnahme kamen nach Angaben der Ermittler von US-Behörden.

Auch wenn Phatbot offenbar von einem Team deutscher Programmierer entwickelt wurde, gibt es bislang keine Hinweise auf eine Verbindung der Phatbot-Autoren mit dem 18jährigen Urheber von Sasser aus Niedersachsen. Der Baden-Würtemberger soll den Wurm Sasser nach Angaben von Nachrichtenagenturen jedoch dazu benutzt haben, seine eigene Kreation Phatbot zu verbreiten.

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DDP

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Der Sasser-Programmierer hat nach Angaben von Microsoft noch vor seiner Entdeckung eine bisher unbekannte fünfte Variante des PC-Schädlings im Internet verteilt. Bei dieser Form erscheint ein Hinweis auf die Schutzprogramme von Microsoft gegen "Sasser", wie Unternehmenssprecher Sascha Hanke am Montag mitteilte. "Das war guter Wille, hatte aber die gleichen schädlichen Auswirkungen", sagte Hanke. So komme es auch bei "Sasser E" dazu, dass der PC sich ausschalte.

Nach Angaben des Sprechers des niedersächsischen Landeskriminalamtes, Detlef Ehrike, hat der junge Programmierer "möglicherweise noch unmittelbar vor seiner Entdeckung" die geänderte Variante verbreitet. Der 18-Jährige aus Niedersachsen war am Freitag festgenommen worden. Er hatte ein Geständnis abgelegt und befindet sich jetzt wieder auf freiem Fuß. In den letzten Tagen hatten sich weltweit millionenfach Computer mit dem Wurm infiziert und waren dann abgestürzt.

Laut Microsoft sind alle Computer vor "Sasser E" geschützt, auf die das kostenlose Schutzprogramm von der Homepage des Softwareriesen geladen wurde, oder eine Firewall installiert haben. Microsoft war auf die neue Variante durch betroffene PC-Benutzer aufmerksam geworden und durch eine Firma, die Virenschutzprogramme anbietet.

Laut Hanke geht die schädliche Auswirkung des "Sasser"-Wurms - das ständige eigenmächtige Ausschalten des PC - möglicherweise auf einen Programmierfehler des 18-Jährigen zurück. "Die Ursache ist eine fehlerhafte Programmierung des Virus", sagte er. Es müsse aber noch ermittelt werden, ob es sich dabei um Absicht oder Unvermögen handele. Dass die Variante "Sasser E" auch von dem 18-Jährigen stamme, sei aber sicher: "Das haben forensische Untersuchungen gezeigt", meinte er.

Die Polizei setzte am Montag die Auswertung des Rechners fort, der bei dem jungen Programmierer beschlagnahmt worden war. "Das wird längere Zeit dauern", sagte Ehrike in Hannover. Zunächst müssten "mehrere hundert Seiten" aus dem PC ausgelesen und in einen Zustand gebracht werden, der sie verwertbar vor Gericht mache.

Laut Ehrike arbeitet eine Spezialgruppe der Polizei an dem Computer, auf dem sich alle Versionen des "Sasser"-Wurms sowie des Virus' "Netsky" befinden sollen. Diese Fachgruppe sei auch schon bei der Durchsuchung dabei gewesen.

Auf die Spur des Programmierers aus dem Kreis Rotenburg führten Hinweise von Informanten an Microsoft. Dessen Vizepräsident Brad Smith versprach den Informanten 250.000 Dollar, sobald der Urheber der Computerwürmer verurteilt sei. Dem 18-Jährigen drohen wegen Computersabotage bis zu 5 Jahre Haft.

Der Autor und auch seine Mutter äußerten sich bislang nicht gegenüber Journalisten. Sein Vater berichtete in einem Interview mit RTL, der Schüler habe ihm gegenüber vor vier Monaten damit geprahlt, dass er einen Computerwurm verbreitet habe. Auf seine besorgte Nachfrage erklärte sein Sohn, er wollte einen Antivirus entwickeln, der keinen Schaden anrichtet.

Microsoft macht den 18jährigen Schüler neben Sasser auch für 28 Varianten des Netsky-Virus verantwortlich. Sein Informatiklehrer Jürgen Ahlden attestierte den Sasser-Autor gute Fähigkeiten: "Er kannte sich in vielen Bereichen sehr gut aus."

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