Anweisung an Ministerien Frankreich verbietet vertrauliche Gespräche mit Smartphones

Das amerikanisch-französische Verhältnis ist angespannt: Nach den Spähattacken auf die Botschaft in den USA ermahnt der Premierminister nun die Ministerien, Sicherheitsregeln einzuhalten - und untersagt vertrauliche Gespräche mit Smartphones.

Kabinettschef Chantepy: Aufruf an die Mitarbeiter
AFP

Kabinettschef Chantepy: Aufruf an die Mitarbeiter


Die französische Regierung reagiert auf die Spähattacken des US-amerikanischen Geheimdiensts, die der Whistleblower Edward Snowden aufgedeckt hat. In einem internen Schreiben werden die Mitarbeiter der Ministerien dazu aufgerufen, keine eigenen Smartphones und Tablets zu verwenden, um vertrauliche Informationen auszutauschen.

Der dreiseitige Brief, den die Wochenzeitung "L'Express" veröffentlicht hat, ist unterschrieben von Kabinettschef Christophe Chantepy, dem engsten Mitarbeiter des französischen Premierministers Jean-Marc Ayrault. Die Gefährdung der Sicherheit in den vergangenen Monaten sei ein guter Anlass, so schreibt Chantepy, "noch einmal an die grundsätzlichen Regeln zu erinnern, die innerhalb der Verwaltung eingehalten werden müssen". Der Bürochef des Premierministers spielt damit auf die Spähangriffe der National Security Agency (NSA) an, deren Ziel unter anderem auch französische Diplomaten waren.

Chantepy weist die Angestellten darauf hin, dass "SMS vermieden werden sollten" und alle Smartphones von der IT-Sicherheitsbehörde überprüft werden müssen. Dort werde dafür gesorgt, dass jede Übertragung verschlüsselt abläuft. Die Passwörter sollen eine Länge von mindestens zwölf Zeichen aufweisen und sich von den privaten Passwörtern unterscheiden.

Abhörsichere Kabel-Telefone

Smartphones seien generell eine schlechte Idee, um vertrauliche Informationen auszutauschen, heißt es in dem Dokument. Für Gespräche, die die innere Sicherheit des Landes betreffen, dürfen die Mitarbeiter keine Handys benutzen. Stattdessen müssen sogenannte Teorem-Kabeltelefone benutzt werden, die extra für die französische Regierung entwickelt worden waren. "L'Express" zufolge sind bereits mehr als 2000 dieser als abhörsicher geltenden Telefone in den wichtigsten Ministerien angeschlossen.

Offenbar werden die Apparate aber nicht gut angenommen bei den Angestellten. Unter anderem beklagte sich der frühere Präsident Nicolas Sarkozy darüber, dass es eine halbe Minute dauere, bis die Verbindung hergestellt sei. Seiner Meinung nach zu lange.

Frankreich verschärft die Sicherheitsvorkehrungen nicht ohne Grund. Denn mittlerweile gilt als sicher, dass Frankreich auf der Liste der NSA-Ziele steht. Anfang des Monats war bekannt geworden, dass der amerikanische Geheimdienst wohl gezielt das französische Außenministerium ausgespäht hat. Demnach hat sich die NSA besonders für die Computer der Diplomaten interessiert. Denn die Rechner der Botschaft sind über ein virtuelles privates Netzwerk unter anderem mit der Zentrale in Paris verbunden. Derartige Spionageaktivitäten belasten das amerikanisch-französische Verhältnis. Frankreichs Präsident François Hollande drohte im Juli, die Verhandlungen über ein transatlantisches Freihandelsabkommen auszusetzen.

jbr



© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.