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Frauenzeitschrift "Frida": Gegenentwurf im Web

Die Journalistin Gabriele Bärtels schrieb jahrelang für Frauenmagazine, ohne damit richtig glücklich zu werden: Themen, Stil und Aufbereitung schienen ihr zu weit entfernt vom wahren Frauenleben. Mit "Frida" wagt sie ein eigenes Web-Magazin - und glaubt fest daran, dass es einen Markt geben muss für intelligente Frauentitel.

Gabriele Bärtels: "Die Frau von heute hat viel mehr Gesichter, als ein in Trendfarben geschminktes"

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SPIEGEL ONLINE:

Frau Bärtels, was treiben Sie da im Web? Was ist "Frida"?

Gabriele Bärtels: Ein richtiges Frauenmagazin im Internet. Ich habe die erste Ausgabe im Juni dieses Jahres aus einem Frust heraus produziert. Ich habe ja früher sehr viel für Frauenmagazine geschrieben und dabei festgestellt, dass ich viele Themen nicht loswerden konnte. Die gesellschaftliche und alltägliche Realität von Frauen heutzutage wird dort nicht widergespiegelt. Weil ich das einmal anders machen wollte und das Geld nicht habe, ein gedrucktes Magazin herauszubringen, habe ich es einfach im Internet versucht.

SPIEGEL ONLINE: Woran haben Sie sich denn gestoßen, was würden Sie sich anders wünschen in der Frauenpresse?

Bärtels: Ich habe öfter Themen eingereicht, die nicht bestellt waren, die ich aber gerne einmal gedruckt gesehen hätte. Da habe ich dann immer wieder von Redakteurinnen gehört, dass sie das gut und witzig fänden und das alle das ganz genau so sähen, den Text aber nicht bringen könnten, weil... - und dann zitieren die irgendwelche Marktforschungserkenntnisse darüber, wie die durchschnittliche Leserin aussehen soll. Die gibt es als reale Person aber natürlich gar nicht und hat auch mit ihnen selbst nichts zu tun.

SPIEGEL ONLINE: Wie erklären Sie sich das?

Bärtels: Vieles ist einfach Gewohnheit, dazu kommt mangelnder Wagemut. Wenn man sich die Frauentitel auf dem Markt ansieht, da schert doch praktisch niemand aus. Vielleicht mit Ausnahme der "Brigitte" scheint auch gar keiner darauf zu kommen, dass man auch einmal Themen auf eine andere Art und Weise behandeln könnte. Auch die Frauen haben sich offenbar daran gewöhnt, dass Frauenmagazine so sind, wie sie sind. Die stimmen dann entweder mit den Füßen ab, kaufen sie oder lassen sie liegen, oder sie nehmen sie in die Hand, wenn sie nicht denken wollen und blättern sie nur durch.

SPIEGEL ONLINE: Und was ist so anders an ihrer "Frida"?

"Frida"-Inhalte: Artikel über friesische Bauchtänzerinnen, Eifersucht unter Freundinnen, berühmte, einsame, alte, schöne, erfolgreiche und -lose Frauen

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Bärtels: Zunächst einmal geht es nicht darum, den Frauen irgendetwas zu verkaufen. Sprich: die neueste Mode vorzustellen, die neueste Kosmetik zu loben. Es geht nicht darum, die Frauen aufzufordern: Ihr sollt alle gleich rumlaufen in diesem Jahr. Wenn man das Thema Mode aufnimmt, kann man sich ja auch anders damit auseinander setzen. Es geht schon gar nicht darum, ständig Schönheit und Toughheit zu proklamieren, sondern auch mal selbstironisch Fehler und Alltag zu beschreiben und von diesen ganzen Minderwertigkeitskomplexen wegzukommen, die die Frauenmagazine ja mit erzeugen. Denn am Ende steht da immer irgendeine Superfrau, die keine von uns ist.

SPIEGEL ONLINE: "Frida" ist eine Ein-Frau-Produktion, Sie bringen aber auch Texte von anderen, teils bekannten Autoren. Kann man als freier Journalist jetzt richtig reich werden bei Ihnen?

Bärtels: (lacht) Nein, sicherlich nicht. Bezahlen kann ich gar nichts, und die Autoren, die jetzt in der zweiten Ausgabe Texte veröffentlicht haben, habe ich gezielt danach gefragt. Bisher bringt "Frida" niemandem etwas ein. Die meisten Texte sind von mir, die meisten Fotos, das Design. Langfristig wird das so mit "Frida" natürlich nicht weitergehen können, das ist klar.

SPIEGEL ONLINE: ...weil auch Sie eine Miete zu zahlen haben. Wie hoffen Sie, aus "Frida" ein Geschäft zu machen?

Bärtels: Zunächst hoffe ich darauf, dass "Frida" ganz viel Aufmerksamkeit erntet und bei den Leserinnen ankommt. Wenn das gelingt, hoffe ich, dass man dann auch Geldgeber für solch ein Projekt finden kann. Ein Verlag wäre mir natürlich am liebsten, aber ich könnte mir auch vorstellen, "Frida" selbstständig fortzuführen und sie über Anzeigen zu finanzieren.

SPIEGEL ONLINE: Und dann im Print? Das Web war ja nur eine Notlösung? Sehen Sie denn eine Marktnische für einen Frauentitel, der sich so stark von anderen absetzt?

Bärtels: Ja, aber ich bin inzwischen davon weg zu denken, dass es unbedingt Print sein muss. Anfänglich habe ich schon gedacht, das Internet sei zweite Wahl: Ich kann mir kaum etwas Schöneres vorstellen, als eine schön gestaltete Zeitung aufzuschlagen und die zu lesen. Eigentlich ist das "sexyier", wenn man das so sagen darf. Aber ich sehe inzwischen auch, dass das Internet Möglichkeiten bietet, die es im Print nicht gibt. Ich bekomme wunderschönes Feedback auf die Webseite.

SPIEGEL ONLINE: Wie sieht das aus?

Bärtels: In Form von Leserbriefen, aber auch in der Form, dass zum Beispiel die Redaktion des "Tagesspiegel" sich einen Text aus der ersten "Frida"-Ausgabe gegriffen und den gedruckt hat. Das war ein Thema, das ich Frauenmagazinen über Jahre wie Sauerbier angeboten habe und dann irgendwann in die Schublade gelegt habe, weil ich schon selber dachte, ich sei bescheuert. Dann erscheint er bei "Frida", der "Tagesspiegel" druckt ihn und alle schreien plötzlich "Was für ein klasse Text!".

Interview: Frank Patalong

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