Gamers Corner Geduld ist eine Tugend

Terminverschiebungen sind bei Computerspielen keine Seltenheit. Besonders gut beherrscht "Diablo 2"-Hersteller Blizzard diese Kunst. Dessen nächstes Projekt "Warcraft 3" verschiebt sich natürlich ebenfalls, und zwar von diesem Sommer auf das nächste Frühjahr.

Von Martin Schnelle


Die "Warcraft"-Serie begründete Blizzards Ruf als 1A-Spieleentwickler, lange, bevor das sehr erfolgreiche Rollenspiel "Diablo" in die Geschäfte kam. Als Mitte der neunziger Jahre das Genre der Echtzeit-Strategie seinen Durchbruch feierte, traten zwei Firmen in den Vordergrund: Westwood mit der populären "Command & Conquer"-Reihe und Blizzard mit "Warcraft 2" - der ein Jahr zuvor erschienene Vorgänger zeigte zwar schon viel versprechende Ansätze, der große Erfolg blieb ihm jedoch verwehrt.

Das Kampfgeschehen stellt sich nun aus einer dreidimensionalen Ansicht mit festem Blickwinkel dar

Das Kampfgeschehen stellt sich nun aus einer dreidimensionalen Ansicht mit festem Blickwinkel dar

Lange Zeit diskutierten Anhänger beider Spiele, welches das bessere sei. "Command & Conquer" hatte noch einen Bezug zur realen Welt, denn es ist in der nahen Zukunft angesiedelt. "Warcraft 2" hingegen benutzt ein klassisches Fantasy-Szenario mit Orks, Elfen und was sonst noch dazu gehört. Seitdem ist kein Spiel mehr herausgekommen, welches den Bekanntheitsgrad der Serie genutzt hätte. Geplant war ein Grafik-Adventure, in dem ein Ork die Hauptrolle spielen sollte, doch dieses wurde wegen mangelnder Qualität verworfen. 1998 machte Blizzard einen weiteren Ausflug ins Strategie-Genre mit "Starcraft", das aber auf einer Science-Fiction-Grundidee basierte.

Was ist so besonders an Warcraft 3?

Die Stärken der Blizzard-Programmierer liegen sicherlich in zwei Gebieten: Strategie und Rollenspiele. Was liegt also näher, als beides zu verbinden? Wobei die Kombination mehrerer Genres immer das Risiko eines finanziellen Misserfolgs birgt: Ende der neunziger Jahre versuchten mehrere namhafte Programmierteams, die beiden populären Genres 3D-Action und Echtzeit-Strategie miteinander zu koppeln. Bei der Käuferschaft wurden diese Titel wie "Uprising" von 3DO und Activisions "Battlezone" fast völlig ignoriert, während sie in den Fachmagazinen fast durchweg gute bis sehr gute Noten bekamen.

Das soll hier nun anders werden, denn im Gegensatz zu bisherigen Echtzeit-Strategietiteln liegt hier die Betonung auf wenigen, dafür spezialisierten Einheiten. Deren Befehlshaber verfügen über mehrere Eigenschaften, die sich wie bei einem Rollenspiel mit der Zeit verbessern. Die Idee dahinter ist die, den Spieler zu bewegen, auf seine Truppen besser Acht zu geben, anstelle einfach jede Menge Kanonenfutter auszuheben und dieses bedenkenlos zu opfern.

Grafisch wollen die Designer bei Blizzard unter anderem mit Lichteffekten beeindrucken

Grafisch wollen die Designer bei Blizzard unter anderem mit Lichteffekten beeindrucken

Der zweite Punkt ist die komplett dreidimensionale Darstellung. Mittlerweile zeigen zwar eine Reihe Strategiespiele das Geschehen in 3D-Grafik. Ihnen war jedoch bisher selten Erfolg beschieden, denn die Kunden kommen offensichtlich mit einer völlig freien Ansicht nicht zurecht. Die Orientierung leidet darunter, wenn der Spieler mehrfach den Blickwinkel dreht, zudem verpasst er wichtige Ereignisse, die gerade nicht sichtbar sind. Daher entschieden sich die Programmierer für eine feste Perspektive von schräg oben, wobei auch hier zunächst eine Darstellung geplant war, die sich drehen und in der Höhe verändern lässt. Auf Grund der Probleme der Produkte anderer Hersteller lassen die Blizzard-Designer von diesem Vorhaben ab.

Warum dauert das so lange?

Ursprünglich sollte "Warcraft 3" schon Ende letzten Jahres in den Geschäften stehen. Allerdings stieg der Projektleiter kurz vorher aus, die Konzeption wurde geändert, Insider vermuten interne Querelen. Blizzard ist jedoch dafür bekannt, Termine häufig nach hinten zu verschieben. "Diablo 2" erschien eineinhalb Jahre später als zunächst geplant, "Starcraft" gut ein Jahr. Blizzard behauptet natürlich, dies diene der Qualitätskontrolle. Die letzten Spiele taten sich in der Tat nicht durch High-End-Programmierung hervor, sondern durch eine hohe Spielbarkeit - wobei "Diablo 2" viele Patches benötigte, die Fehler und Bugs bereinigten.

Dem Spieler bleibt indes nichts anderes übrig, als weiter zu warten und zu hoffen, dass die Terminplanung diesmal stimmt. Zumindest sollen amerikanische wie deutsche Versionen gleichzeitig in den Regalen der Händler stehen, auch Macintosh-Besitzer werden die Kämpfe zwischen Menschen und Orks austragen dürfen. Für zusätzlichen Umsatz ist ebenfalls schon gesorgt: Wie zu "Diablo 2" kommt eine Sonder-Edition in die Geschäfte, die zu einem erheblichen Mehrpreis einen Merchandising-Artikel bietet.

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