Gamers Corner Sex sells

Erotik und Computerspiele scheinen auf den ersten Blick ein Widerspruch in sich zu sein. Tatsächlich ging beides nicht nur in jüngster Vergangenheit Hand in Hand.


Sex sells - dieses altbewährte Prinzip machen sich auch Softwarehersteller zunutze. Gerade kommt vom deutschen Hersteller CDV das in Comic-Grafik gehaltene "Ibiza Babewatch" auf den Markt, das gar keinen Hehl aus seinem voyeuristischen Sujet macht: Der Spieler verkörpert hier einen Paparazzi, der möglichst unbekleidete Damen mit der Kamera ablichten muss, um diese Bilder für Geld ins Internet zu stellen. Entwickler Redfire Software bietet auf seiner Webseite auch gleich einen passenden "über 18"-Bereich an. Doch das Thema Sex am Computer reicht viel weiter in die Vergangenheit zurück.

Klassiker: Beim tatsächlich witzigen Schmutzfink "Larry" konnte man richtig was lernen. Zum Beispiel, dass man nach dem Sex ohne "quergestreiftes Kondom mit Pferfferminzgeschmack" tot umfällt
"Wet": Lernsoftware für voyeuristische Börsenneulinge
Larry, angeblich 7. Generation: Grafisch besser, inhaltlich müde
Damals: So fing das einmal an - mit Textadventures wie "Softporn"
"Wet Attack": Der "Wet"-Nachfolger war noch nackter - und noch erfolgreicher: 70.000 verkaufte Exemplare sind ein Knaller
"Ibiza Babewatch": Comic-Spannerei mit Alibi-"Handlung"
Trashig: Die ehemalige Oberweiten-Queen Samatha Fox ließ beim Poker die Hüllen fallen



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Der Sündenfall am Heimrechner

Schon recht frühzeitig fanden pixelige Digi-Damen von zweifelhafter Schönheit den Weg zum damaligen Volkscomputer Commodore C64. In Artworx' "Strip Poker" dilettierten 1984 mehrere junge Damen beim Pokern und ließen bei entsprechendem Pech im Spiel die Hüllen fallen - mehr als blanke Busen bekam der Spieler nicht zu sehen. Gleiches galt auch zwei Jahre später für Martechs "Samantha Fox Strip Poker", bei dem schlecht digitalisierte Bildchen des ehemaligen Seite-3-Girls der englischen Boulevard-Zeitung "The Sun" dargeboten wurden.

Parallel dazu entwickelte Branchen-Veteran Sierra "Softporn", eine recht flache Angelegenheit aus dem Genre des Textadventures. In diesen Spielen gab der Benutzer alle Eingaben per Tastatur ein, Mäuse gab es noch nicht, ebenso wenig Grafik. Firmenchefin Roberta Williams war sich übrigens nicht zu schade, für das Cover der Schachtel im Whirlpool zu posieren.

Auf den ersten Apple Macintosh-Computern erschien 1989 ein Hardcore-Titel, den nach Herstellerangaben jeder dritte damalige Mac-User gekauft haben soll. "Virtual Valerie" war eine recht detailliert gezeichnete Schwarz-Weiß-Schönheit, der man mit Vibrator und anderen Geräten auf den Leib rückte. Ein Nachfolger Mitte der Neunziger blieb recht erfolglos.

Aus Softporn entwickelte Al Lowe dann die "Larry"-Reihe, in welcher der Alptraum jeder Frau namens Larry Laffer auf der Suche nach ebensolcher ist und dabei eine Menge schräger Abenteuer erlebt. Sechs Titel wurden in den Neunzigern veröffentlicht - auch wenn die Nummerierung von Teil Eins bis Sieben für ein wenig Verwirrung sorgte: Episode Vier übersprangen die Designer einfach.

Die erotische PC-Neuzeit

Mit der zunehmenden Massentauglichkeit der PC-Software kamen neue Konzepte auf. So verkaufte Eidos vom Action-Adventure "Tomb Raider" Millionen Exemplare allein für IBM-kompatible, dazu noch eine noch größere Zahl für die Playstation-Konsole. Weniger die Produktqualität (die beim ersten Teil noch sehr gut war, aber dann mangels Innovationen abnahm) als mehr die gigantische Marketing-Kampagne von Eidos rund um Hauptfigur Lara Croft inklusive Duschgel und offizieller Models führte zum Erfolg - so soll noch dieses Jahr ein Kinofilm herauskommen. Die männliche Klientel schaute bei der genre-üblichen Perspektive aus der dritten Person eben lieber auf einen hübsch gerundeten Damenpo.

Martin Schnelle ist leitender Redakteur bei "PC Player"
PC Player

Martin Schnelle ist leitender Redakteur bei "PC Player"

Derartige maskuline Schwächen trieben bisweilen bizarre Blüten, etwa beim Action-Adventure "Dark Earth" von Kalisto. Die erste Schachtel zierte das Konterfei der Hauptperson, ein Mann - ein Verkaufserfolg blieb aus. Die zweite Auflage hatte hingegen eine fast nackte Tänzerin als Motiv, die ganze fünf Minuten im Spiel vorkommt. Diese Maßnahme bescherte Publisher Microprose zwar immer noch keine imposanten Umsätze, steigerte die Zahlen aber um über hundert Prozent.

Die Comic-Umsetzung "Heavy Metal FAKK 2" versuchte sich mit einer ähnlichen Formel wie Tomb Raider in Form der kurvenreichen Hauptaktrice Julie, wobei sich Ex-Pornodarstellerin Julie Strain als Model hergab. Ob es an der DVD-Hülle lag, die Publisher Take 2 mit diesem Programm einführte - ein Umsatzrekord blieb aus. Davon blieb CDV wiederum verschont, ihre Wirtschaftssimulation "Wet" erzielte sechsstellige Verkaufszahlen, und das, obwohl die Qualität absolut unterdurchschnittlich war. Thema des Spiels: Als Produzent von Sexfilmen muss der Spieler möglichst hohen Umsatz machen.



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