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Gefragt wird nicht: Facebook macht Mitglieder zu Werbefiguren

Testimonial nennt man das, wenn Menschen in Werbe-Spots als Zeuge dafür auftreten, dass Produkt XYZ noch viel weißer wäscht: Eine notorisch doofe, aber effektive Form der Werbung. So etwas will künftig auch Facebook anbieten - mit Facebook-Mitgliedern als ungefragte Werbefiguren.

Werbung mit freundlicher Unterstützung: Jeder Nutzer eine Werbefigur Zur Großansicht

Werbung mit freundlicher Unterstützung: Jeder Nutzer eine Werbefigur

New York/Hamburg - Wer bei Facebook ein Produkt oder ein Unternehmen erwähnt, kann sich künftig in der Rolle eines unbezahlten Werbebotschafters wiederfinden. Das weltgrößte Online-Netzwerk stellte am Dienstag den Dienst "Sponsored Stories" vor, bei dem Werbe-Kunden Facebook-Einträge von Nutzern im Rahmen ihrer eigenen Werbung hervorheben können.

Das Prinzip: Facebook will Äußerungen, "I like"-Statements und Check-In-Anmeldungen bei Places von Facebook-Nutzern in einem Anzeigenformat gebündelt verpacken und präsentieren. Für Facebook-Nutzer wäre es also so, dass sie auf ihrer Profilseite mit Werbung konfrontiert würden, die ihre eigenen Kontaktpersonen als Werbefiguren einsetzt - im Sinne klassischer Testimonials ("Ich mag Marke XYZ", Ich war heute bei Kaffee-Brüher Soundso" etc.). Um selbst zur Werbefigur zu werden, genügt es dann schon, auf den "I like"-Button unter einer solchen Botschaft zu klicken - ein Einverständnis dafür holt Facebook nicht ein.

Facebook erläutert in einem PR-Video, die Nutzer bekämen auf den betreffenden Shopseiten eigentlich ja nur Informationen gezeigt, die sie so oder im Rahmen des ganz normalen Informations-Flusses zwischen Facebook-Freunden bekommen hätten. Es sei nur so, dass solche Marken-bezogenen Mini-Botschaften aus dem einlaufenden Nachrichtenfluss herausgenommen und in die Werbespalte am rechten Seitenrand herausgezogen würden.

Richtig ist, dass Facebook seine Nutzer über jede Lebensäußerung ihrer Freunde in Kenntnis setzt. Wenn da jemand etwas mag, erfährt es Sekunden später das ganze Heer der mit dieser Person verbundenen Menschen. Gerade diese Routine-Statusmeldungen aber dürften im Facebook-Alltag oft untergehen, weniger beachtet werden.

Im Video verkauft Facebook das Werbeformat als regelrechten Dienst am Kunden, weil es ja gerade die Empfehlungen unserer Freunde seien, auf die wir höchsten Wert legten - außer, man besucht den Shop eines Anbieters von Inkontinenz-Windeln oder Sado-Maso-Spielzeug? Es sind etliche Kontexte denkbar, in denen ein Facebook-Nutzer es durchaus nicht gern sehen könnte, für Werbung instrumentalisiert zu werden - vielleicht sogar prinzipiell.

Für zahlende Werbekunden, die sich bei Testimonials sonst auf fiktive Figuren oder die wie auch immer geartete Popularität von Promis stützen, ist die Sache dagegen fraglos attraktiv - glaubwürdiger als die vermeintliche Empfehlung durch einen Freund oder Bekannten kann man sich Testimonial-Werbung kaum vorstellen.

Facebook hat sich als Ziel gesetzt, das Leben seiner Nutzer in möglichst allen Bereichen zu vernetzen - und nutzt das oft detaillierte Wissen über diese kommunizierende Nutzerschaft, um sich durch Werbung zu refinanzieren. Die dafür gewählten Mittel und Methoden stoßen immer wieder auf Kritik von Datenschützern, die dem Netzwerk mit inzwischen mehr als 550 Millionen Mitgliedern einen zu freizügigen Umgang mit Informationen der Nutzer vorwerfen.

pat/dpa

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insgesamt 27 Beiträge
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1. Selber schuld!
Emmi 26.01.2011
Wer 1. FB nutzt und 2. beim Besuch eines Pornoshops noch den "Gefällt mir"-Button anklickt, hat es nicht anders verdient...
2. Ich bin zwar auch kein facebook Fan
angst+money 26.01.2011
Zitat von sysopTestimonial nennt man das, wenn Menschen in Werbe-Spots als Zeuge dafür auftreten, dass Produkt XYZ noch viel weißer wäscht: Eine notorisch doofe, aber effektive Form der Werbung.*So etwas will künftig auch Facebook anbieten - mit Facebook-Mitgliedern als ungefragten Werbefiguren. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,741658,00.html
Aber wer im Inkontinenz-Shop auf 'I like' klickt, der ist jetzt aber wirklich selber schuld.
3. eben
sverris 26.01.2011
Zitat von sysopTestimonial nennt man das, wenn Menschen in Werbe-Spots als Zeuge dafür auftreten, dass Produkt XYZ noch viel weißer wäscht: Eine notorisch doofe, aber effektive Form der Werbung.*So etwas will künftig auch Facebook anbieten - mit Facebook-Mitgliedern als ungefragten Werbefiguren. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,741658,00.html
"notorisch doof"?, eben. Das trifft auf FB vollends zu. Die muessen ja nunmehr Gewinne generieren und derart die digitale Umwelt a) missbrauchen bzw. b) verschmutzen...
4. Zombieland
StJames 26.01.2011
Wie heisst es dort so schön: "Das schönste an Zombieland ist, dass es keine Facebook Status Updates mehr gibt..."
5. Auwachen aus der Facebook Matrix
Dunedin, 26.01.2011
Zitat von EmmiWer 1. FB nutzt und 2. beim Besuch eines Pornoshops noch den "Gefällt mir"-Button anklickt, hat es nicht anders verdient...
So sieht es aus, wer so dumm ist und in sog. sozialen Netzwerken wie FB oder Xing und wie sie alle Fotos und Realnamen einstellt, darf sich nicht wundern wenn er sich eines Tages auf einer Pronoseite o. sonstigen Seite wiederfindet Achja, und dann bitte nicht wundern wenn es mit dem heißersehnten Job nicht klappt-
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Soziale Netzwerke
Facebook
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Facebook ging Anfang 2004 als soziales Netzwerk für Harvard-Studenten online. Zunächst konnten nur Menschen mit E-Mail-Adressen ausgewählter US-Hochschulen Mitglieder werden, seit 2006 ist die Seite für alle Über-13-Jährigen offen. Nach eigenen Angaben hat Facebook 845 Millionen aktive Mitglieder weltweit (Dezember 2011). Mehr zu Facebook auf der Themenseite.
Google+
Google+ ist der Versuch, den sozialen Funktionen von Facebook und Twitter etwas entgegenzusetzen. Das soziale Netzwerk wurde im Juni 2011 gestartet und hat nach Firmenangaben rund 170 Millionen Nutzer (April 2012). Der Funktionsumfang ist rein aus Nutzersicht vergleichbar mit Facebook, Schnittstellen für externe Entwickler sind allerdings eingeschränkt. Google animiert seine Nutzer, das Netzwerk als zentralen Hub für seine Dienste zu nutzen. Mehr zu Google+ auf der Themenseite.
Twitter
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Der auf kurze Textnachrichten spezilalisierte Dienst Twitter wurde im Juli 2006 gegründet. Populär wurde der Dienst als Verteilnetzwerk für Links, Fotos und Videos. Twitter zählt nach eigenen Angaben mehr als 140 Millionen Nutzer (März 2012). Mehr zu Twitter auf der Themenseite.
Xing
Xing (früher OpenBC) wurde 2003 von Lars Hinrichs gegründet. Nach eigenen Angaben hat Xing über 11,7 Millionen Mitglieder (Stand: Dezember 2011), etwa acht Prozent haben einen kostenpflichtigen Premium Account. Bei Xing geht es vor allem um berufliche Kontaktaufnahme. Mehr zu Xing auf der Themenseite...
StudiVZ
Ehssan Dariani hat die Studenten-Community StudiVZ 2005 gegründet. Zuerst investierten Lukasz Gadowski und Matthias Spiess in StudiVZ, später finanzierten es vor allem die Gebrüder Samwer - bekannt für die Klingeltonfirma Jamba - und der Venture-Capital-Arm des Holtzbrinck-Verlags ("Die Zeit", "Handelsblatt"). Im Januar 2007 übernahm Holtzbrinck StudiVZ. Derzeit haben die Plattformen studiVZ.net, schuelerVZ.net und meinVZ.net nach eigenen Angaben rund 17,4 Millionen Nutzer (Stand: Januar 2011). Mehr zu StudiVZ auf der Themenseite...
Lokalisten
Im Mai 2005 gegründet, hat das Netzwerk Lokalisten nach eigenen Angaben (Stand Juli 2010) inzwischen 3,6 Millionen Nutzer. Mehr zu Lokalisten bei Wikipedia...
Spin.de
Das 1996 in Regensburg gegründete Unternehmen Spin betreibt ein eigenes soziales Netzwerk, aber auch integrierte Unter-Communitys mit regionalem Fokus, die mit Partnern vor Ort (Lokalradios vor allem) betrieben werden. Nach eigenen Angaben (Stand Februar 2011) hat Spin.de eine Million aktive Mitglieder. Mehr zu Spin.de bei Wikipedia...
Wer kennt wen
Wer-kennt-wen wurde von den beiden Studenten Fabian Jager und Patrick Ohler gegründet. Seit Februar 2009 gehört das Netzwerk vollständig RTL Interactiv, die Gründer schieden Ende August 2010 aus. Das Netzwerk hat laut Betreiber über 9,5 Millionen Nutzer (Stand: Januar 2012). Mehr zu Wer-kennt-wen bei Wikipedia...
MySpace
MySpace war 2006 das populärste soziale Netzwerk in den USA. Ein Jahr zuvor war es von Rupert Murdochs News Corporation gekauft worden. Bekannt wurde es durch die Möglichkeit, Musik einzubinden. Künstler und Bands nutzten die Plattform als Marketingplattform. Zeitweise hatte MySpace mehr als 220 Millionen Nutzer, nach Berechnungen von Google rund 30 Millionen Nutzer (Dezember 2011). Mehr zu MySpace auf der Themenseite...

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