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Gegen Google und Amazon: Internet Archive bastelt Digital-Bibliothek

Das gemeinnützige Archive.org will Digitalbücher sammeln, verkaufen, verleihen. Statt vieler geschlossener Plattformen plant Web-Visionär Brewster Kahle ein unabhängiges Zentralarchiv für E-Books. Das Projekt wird scheitern, wenn die Verlage ihre Blockadehaltung gegen das Web nicht aufgeben.

E-Books: Lesehilfen für Nerds Fotos

Brewster Kahle hat ein klares Ziel: Er will alles Digitale archivieren, damit man in Jahrzehnten noch im Web von 1997, 1998 oder 2001 recherchieren kann, auch wenn die damals aktuellen Seiten längst gelöscht sind. Der Informatiker Brewster Kahle hat zum Glück auch Geld, um seine Vision mit immer neuen Projekten voranzutreiben. Kahle hat 1995 das WAIS-Datenbanksystem an AOL verkauft, 1999 verkaufte Kahle dann seinen Web-Statistikdienst Alexa an Amazon (für angeblich 250 Millionen US-Dollar).

Mit diesem Startkapital finanziert Kahle eine stetig wachsende Sammlung aller erdenklichen Digitalien: Momentaufnahmen von Web-Angeboten, Mitschnitte von Konzerten und Filme.

Nun will Kahle Digitalbücher archivieren - und über eine offene, mit allen Lesegeräten nutzbare Plattform verkaufen und verleihen. Kahle beschreibt die Vorteile seines Bookservers so: "Bookserver ist ein offenes System, um Bücher zu finden, zu kaufen oder zu leihen - so offen wie die heutigen Systeme zum Finden von Web-Seiten." Anders als das heute in den Vereinigten Staaten führende Digitalbuch-Angebot des Web-Händlers Amazon soll der Bookserver nicht an ein bestimmtes Endgerät gebunden sein. Amazons Kindle zum Beispiel kann nur Inhalte aus dem Amazon-Shop abrufen. Titel im weit verbreiteten Epub-Format beherrscht der Kindle von Haus aus nicht. Mit den Lesegeräten von Sony wiederum kann man nicht im Amazon-Shop einkaufen und so weiter.

Die Bookserver-Plattform setzt auf die Formate PDF und Epub. Kahles Bookserver-Initiative beschreibt die Vorteile einer geräteunabhängigen Plattform so:

  • Autoren können ein größeres Publikum erreichen.
  • Kleine und große Verlage können ihre Bücher direkt an Leser verkaufen.
  • Buchhändler finden neue Kunden.
  • Gerätehersteller können einen Zugang zu Millionen Werken anbieten.
  • Bibliotheken können Digitalbücher so verleihen, wie es ihre Kunden von Papierversionen gewöhnt sind.
  • Leser erhalten einen universell nutzbaren Zugang zum verfügbaren Wissen.

Die Ziele erinnern an Googles Digitalbuch-Projekt "Google Edition", mit dem wesentlichen Unterschied, dass die Bookserver-Plattform nicht von einem gewinnorientierten Anbieter betrieben wird.

Ob Kahles Bookserver-Plattform Erfolg haben wird, hängt nun vor allem von den Verlagen ab. Die zögern bislang, ihre Titel als E-Books anzubieten. Die aktuellen Bestseller findet man kaum als legale Digitalbuch-Version. Und wenn, dann sind die wenigen interessanten Titel per Kopierschutz-Verschlüsselung auf vielen Lesegeräten unbenutzbar.

Deshalb finden sich im aktuellen Angebot von Bookserver (gut 1,5 Millionen Titel) vor allem Titel mit abgelaufenen Copyright (Verne, Dickens, Flaubert).

lis

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Übersicht: E-Book-Reader
Sony: Lesegerät für deutsche Titel
Sonys Lesegeräte, zum Beispiel das PRS-505, können das EPUB-Format lesen. In diesem Format mit digitaler Rechteverwaltung bietet der Buchhandel hierzulande rund 14.000 deutschsprachige Titel zum kostenpflichtigen Download an. Das Angebot ist klein, die Texte genauso teuer wie in Papierform - dafür können Titel auch virtuell aus öffentlichen Bibliotheken entliehen werden. Das 250 Gramm schwere Gerät mit Schwarzweiß-Display kostet in Deutschland um 200 Euro.
Amazon: Lesegerät mit Shop-Anbindung
Das Online-Versandhaus Amazon hat seinen eigenen E-Book Reader entwickelt. Der Kindle ist bereits in zweiter Version erhältlich und verbindet sich drahtlos über UMTS zum eigenen Angebot. Zu kaufen gibts nicht nur rund 200.000 englischsprachige Bücher, sondern auch Abonnements von Zeitschriften und Zeitungen. So lässt sich zum Beispiel die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" online abonnieren. Die aktuelle Ausgabe wird dann einfach aufs Gerät gefunkt. Das in Deutschland verbreitete EPUB-Format beherrscht der Kindle von Haus aus nicht. Das knapp 300 Gramm schwere Gerät, dessen Display 16 Graustufen anzeigen kann, kostet in Deutschland mit Versand- und Importgebühren rund 250 Euro.
Apple: Shop (noch) ohne Lesegerät
Schon jetzt gibts in Apples iTunes-Store nicht nur Musik, Video und Software, sondern auch Bücher zum kostenpflichtigen Download. Auf dem kleinen Display des iPhones macht das Lesen der über W-Lan oder Mobilfunknetz heruntergeladenen Dateien zwar keinen großen Spaß, doch hartnäckig hält sich das Gerücht, dass der Konzern spätestens im nächsten Jahr einen eigenen Tablet-PC vorstellt. Mit großem Farbdisplay und Touchscreen wäre das Riesen-iPhone wie gemacht dafür, auch aufwendig illustrierte Bücher digital zu konsumieren.
Txtr, Wisereader und Co.
In Deutschland sind eine Reihe weiterer E-Book-Reader erhältlich. Sie verstehen sich ebenso wie das Sony-Gerät auf das EPUB-Format, in dem der deutsche Buchhandel eine kleine Auswahl an Titeln bereit hält. Die Berliner Firma Txtr bietet einen eigenen Shop an, mit dem sich das Lesegerät direkt verbinden lässt - gegen eine monatliche Gebühr. Eine Übersicht haben wir für Sie in diesem Artikel zusammengestellt.


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