Geldwäsche-Angebote Spammer lieben den Abschwung

Geht's der Wirtschaft schlecht, geht's den Spammern gut. Das legen neue Spam-Statistiken nahe. Immer öfter gehen unbescholtene Surfer den Massen-Mailern auf den Leim, beteiligen sich bewusst oder unbewusst an illegaler Geldwäsche.


San Jose - Die sich weltweit verschlechternde Wirtschaftslage kommt Cyber-Kriminellen sehr entgegen. Sie hilft ihnen nämlich bei einer der schwierigsten Aufgaben, Leute zu finden, die bereit sind, gestohlenes Geld oder auch Waren zu waschen. Derartige Angebote sind keineswegs neu. Die Suche nach Helfershelfern findet über Spam-Mails statt, in denen Angebote für eine lukrative "Heimarbeit" verbreitet werden. Geboten werden "Führungspositionen" zur Abwicklung internationaler Geldgeschäfte. In Wirklichkeit sollen sie als Geldwäscher fungieren.

Geldwäsche: Spammer nutzen die Wirtschaftslage, um immer mehr Menschen als kriminelle Helfer zu rekrutieren
DDP

Geldwäsche: Spammer nutzen die Wirtschaftslage, um immer mehr Menschen als kriminelle Helfer zu rekrutieren

Die Angesprochenen sollen angeblich Firmen dabei helfen, Kunden in anderen Ländern zu bezahlen. Dafür sollen sie in ihrem Namen Bankkonten eröffnen und anonymen Zahlungen auf diese Konten zustimmen. Das Geld soll dann per Überweisung weitergeleitet werden, zumeist in Länder in Osteuropa. Den Helfern winkt ein Anteil an den Transaktionen. Es handelt sich um klassische Geldwäsche, nur eben unter Einsatz des Internets als Werbemedium.

Das Geld ist real, seine Herkunft aber illegal. Der Mittelsmann hilft Kriminellen und er ist derjenigen, der das größte Risiko hat, ins Gefängnis zu kommen. Der geübte Computernutzer erkennt solche Spam-Mails sofort.

Geldwäsche mit seriösem Anstrich

Nach Angaben von Sicherheitsexperten gibt es aber in jüngster Zeit immer mehr Menschen, die bereit sind, das Risiko einzugehen. Zumal auch die Zahl derartiger Geldwäsche-Mails steigt. "Wenn die Menschen Angst um ihren Job haben oder sich Sorgen machen, weil sie Rechnungen bezahlen müssen, dann sehen sie so etwas in einem ganz anderen Licht, als wenn die Zeiten rosig und toll sind", sagt David Marcus von der IT-Sicherheitsfirma McAfee.

Die Spam-Anzeigen werden zwar auch immer professioneller, aber ein Teil ihres Reizes liegt gewiss darin, dass sie gerade genug Details enthalten, so dass sich der Leser mit etwas gutem Willen auch einreden kann, dass es wohl etwas Seriöses sei. Dafür gibt es dann auch den Titel eines "International Sales Representatives" (Internationalen Handelsvertreters) oder "Shipping Managers" (Versandmanagers).

Die Spammer haben immer mehr Erfolg

Laut dem jährlichen " Virtual Criminology Report" von McAfee wurden in der ersten Jahreshälfte in Großbritannien 873 Internet-Seite entdeckt, auf denen Geldwäscher geworben werden sollen. Das war ein Anstieg um 33 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2007.

Einen weiteren Hinweis auf wachsende Aktivitäten im kriminellen Bereich liefert eine Studie der spanischen Firma Panda Security.

Demnach stieg der Anteil von Job-Werbung in Spam-Mails im Oktober auf 0,31 Prozent. Das waren fast dreimal so viel wie im August. Die Erfolgsquote der Geldwäscher-Mails stieg demnach im Oktober auf 1,8 Prozent nach 0,5 Prozent im August. Die Zahlen kamen den Angaben zufolge durch die Beobachtung von Geldwäsche-Netzen in Nordamerika zustande.

2,5 Milliarden Angriffe

Der Computerkonzern IBM meldete, dass die Zahl der versuchten täglichen Angriffe auf Web-Server und Computernetze in den vergangenen vier Monaten um 30 Prozent zugenommen habe auf mehr als 2,5 Milliarden weltweit. "Das sind beängstigende Zahlen", sagt Gunter Ollmann von IBMs X-Force Sicherheitsteam.

Angesichts der Wirtschaftskrise sei die Aufmerksamkeit der Politik für das Thema Online-Sicherheit weiter gesunken, beklagt McAfee. Es werde zu wenig gegen Cyber-Kriminelle getan. Die personellen und finanziellen Ressourcen im Kampf gegen kriminelle Machenschaften im Internet müssten substantiell aufgestockt und die internationale Zusammenarbeit auf diesem Gebiet erheblich verbessert werden.

Jordan Robertson/AP



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