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Gemeinsam einsam: Fisch trifft Fahrrad

Von Lars Gaede

Die Deutschen geben für Internet-Kontaktbörsen mehr Geld aus als für Musikdownloads - und hoffen, online den passenden Partner zu finden. Doch eine Studie zeigt: Es sind gering gebildete Männer und gut gebildete Frauen, die überdurchschnittlich häufig im Netz ihr Glück suchen.

Mühsam war die Partnersuche, als es noch kein Internet gab: Verstohlen standen Singles auf Fisch-sucht-Fahrrad-Partys, steckten sich verschämt Nummern in der U-Bahn zu oder wühlten sich durch Kleinanzeigen, die in wenigen Zeilen viel versprachen - und dann doch nichts hielten.

Ach, muss Liebe schön sein: Singles suchen online die große Romanze - und treffen auf Partner, die sie offline nie treffen würden
DDP

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Heute klickt sich der moderne Single bequem durch den Beziehungsmarkt. Nach Angaben des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) besuchen derzeit 6,3 Millionen Deutsche pro Monat eine Partner-Börse im Netz. 2700 solcher Portale zählt eine Studie allein im deutschsprachigen Raum. Die Einsamkeit der Singles ist für sie lohnendes Geschäft: 85 Millionen Euro gaben die Deutschen 2007 für die Partnervermittlung im Internet aus - mehr als für Musikdownloads.

Jetzt haben Sozialwissenschaftler der Uni Bamberg untersucht, wer die Nutzer der Kontaktbörsen im Netz sind. Es zeigte sich: In den Singlebörsen tummeln sich vor allem junge Partnersuchende Anfang 30, zwei Drittel von ihnen sind Männer.

Was die Forscher überraschte: Verglichen mit den übrigen Internet-Nutzern sind die "Online-Dater" weniger gebildet, Männer mit Hauptschulabschluss überrepräsentiert. Bei den Frauen ist es andersherum. Zwar klicken sich auch Single-Damen mit niedriger Bildung häufig durch die Profile möglicher Partner, doch gerade Frauen mit Abitur suchen ihr Beziehungsglück überdurchschnittlich oft im Netz.

Passt online, was offline nicht passt?

Was treibt ausgerechnet Männer mit Hauptschulabschluss und Frauen mit Abitur verstärkt zur Partnersuche ins Netz? Die Wissenschaftler erklären sich das Phänomen mit den jeweiligen Problemen auf dem traditionellen Heiratsmarkt: "Das Bildungsniveau der Frauen ist in den vergangenen Jahrzehnten enorm gestiegen", erklärt der Bamberger Wissenschaftler Jan Skopek, damit habe sich der Marktwert von Männern mit geringer Bildung verschlechtert.

Frauen mit höherer Bildung wiederum hätten es schwer, jemanden zu finden, der ihren gestiegenen "bildungsspezifischen Partneransprüchen" genüge. Denn höhere Bildung erhöht für Frauen zwar die Chancen auf dem Arbeits-, nicht jedoch auf dem Beziehungsmarkt. Nach wie vor heiratet zwar der Bank-Manager gern die Sekretärin, die Oberärztin jedoch selten den Krankenpfleger.

Es ist paradox: Fänden Männer mit Hauptschulabschluss und Frauen mit Abitur im Alltag leichter zueinander, müssten sie sich nicht in Online-Partnerbörsen gegenüberstehen. Vielleicht hilft der Umweg über das Internet, traditionelle Beziehungsbarrieren aufzuweichen. "Atomphysikerin heiratet Automechaniker" - die Revolution auf dem Beziehungsmarkt ist eigentlich nur wenige Klicks entfernt.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 38 Beiträge
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1. Wie überraschend...
schlaubert, 08.07.2008
Zitat von sysopDie Deutschen geben für Internetkontaktbörsen mehr Geld aus als für Musikdownloads - und hoffen, online den passenden Partner zu finden. Doch eine Studie zeigt: Es sind gering gebildete Männer und gut gebildete Frauen, die überdurchschnittlich häufig im Netz ihr Glück suchen. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,564512,00.html
Die armen Männer kriegen nix mehr und den schlauen Frauen ist nix gut genug. Braucht man für diese Erkenntnis schon Wissenschaftler? Zum Schlapplachen...
2. Frage
ErnestoM, 08.07.2008
Ein häufiger Vorwurf von Frauenrechtlerin war und ist ja, daß Männer u.a. deshalb sexistisch seien, weil sie Frauen nach deren Äußerem einschätzen und oft eine selbstbewußte, beruflich erfolgreichere Frau als Partnerin ablehnen würden. Sind nun auch Frauen sexistisch, wenn sie einen Mann nur nach dessen Einkommen oder Schulabschluß beurteilen?
3. Traue keiner Studie, die Du nicht selbst gefälscht hast...
niemayer, 08.07.2008
Wo ist die Studie, auf die sich der Artikel bezieht, im Original nachzulesen? Welche Datenquellen standen dafür zur Verfügung? Was hier berichtet wird widerspricht fundamental vielen Beobachtungen, die jeder selbst schon durch einfaches data-mining machen kann. Ein Frauenanteil von 1/3? Vielleicht an den inaktiven Karteileichen - wer einfach mal eine x-beliebige Postleitzahl als einziges Suchkriterium bei den einschlägigen Börsen eingibt, und alles ausfiltert, was länger als 10 Tage inaktiv war, wird schnell feststellen, dass der reale Frauenanteil eher bei 1/10 liegt. Betrachtet man die angegebenen Berufe der aktiven Nutzerinnen kann man sich nur wundern, wo all die vielen hochgebildeten Frauen geblieben sind - es sei denn natürlich, es ist der Traum einer jeden Akademikerin, nach dem Studium als Tippse, Sachbearbeiterin oder "irgendwas mit Werbung" zu arbeiten. Klar ist: Partnervermittlung im InterNet ist ein Bombengeschäft, obwohl es doch den Bekundungen der Suchenden nach immer nur um die reine, unschuldige Liebe geht, zu der man auch ganz ohne Beteiligung kommerzieller Anbieter und ohne monatliche Gebühr zusammenfinden könnte. Nicht-kommerzielle Alternativen (z.B. irclove) existieren schon viele Jahre, werden aber wenig frequentiert. Warum? Ganz einfach: Weil dort die Illusion vom vermeintlich hohen Frauenanteil nicht durch unlautere Tricksereien geschürt wird.
4. Wo sind sie denn??
85er 08.07.2008
Mal ganz ehrlich... Es wäre doch mal ein persönlicher Genuss, wenn sich endlich mal gebildete Frauen im Netz tummeln würden, denn das, was sich in bekannten Communities abgibt, ist mehr als traurig. Entweder handelt es sich um sich selbstüberschätzende Frauen, die glauben ein Geschenk Gottes an die Männerwelt zu sein oder sie verlieren sich in den Belanglosigkeiten ihres Profilaufbaus. (Hobbys: Parties, Freunde, Mode,......sowas liest man zu oft) Und wenn man versucht ein vernünftiges Gespräch zu führen, sind die meisten Damen überfordert und es kommen nur noch Halbsätze zurück oder sie fragen nach, weil sie nicht alles verstanden haben. Bin ich zu klug für die Frauenwelt? Nein, nur das, was sich in den besagten Communities aufhält entspricht definitiv nicht der Auffassung höherer Bildung.
5. Die Börsen wirken eher wie Rudis Resterampe
gsm900, 08.07.2008
und hochgebildet? Manche sehen zwar intelligent aus (lies unhübsch), aber die Profile zeigen es nicht.
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