Genervt vom Geklicke: Powerpoint-Gegner wollen Politik machen

Zur Nationalratswahl zugelassen ist sie schon mal: Eine Schweizer Kleinpartei will die Menschheit vor Powerpoint und miesen Präsentationen retten. Doch die Software hat nicht nur Gegner - in Kneipen wird sie für Karaoke-Aktionen benutzt.

Parteiseite im Web: 805 Unterstützer ermöglichten die Wahlzulassung Zur Großansicht

Parteiseite im Web: 805 Unterstützer ermöglichten die Wahlzulassung

Günstig ist es nicht, die Grundsätze der Anti-Powerpoint-Partei (APPP) zu studieren. Offizielles Parteiprogramm ist nämlich das Buch "Der Irrtum Powerpoint", das der Präsident bereits sechs Monate vor der Parteigründung veröffentlicht hat. 27 Euro kostet es, APPP-Mitglieder zahlen zehn Euro weniger.

Für Matthias Pöhm - Parteipräsident, Rhetoriklehrer und Autor - ist es also auch ein PR-Coup, dass die APPP am Freitag zur Wahl des Schweizer Nationalrates zugelassen wurde. Am 23. Oktober haben die Bürger des Kantons Zürich die Möglichkeit, für Pöhms Partei zu stimmen - und damit angeblich gegen dröge Vorträge. "Wir wollen, dass die Anzahl der langweiligen Powerpoint-Präsentationen auf der Erde abnimmt und der Durchschnitt der Präsentationen spannender und interessanter wird", schreibt die APPP auf ihrer Website.

1683 Mitglieder hat die Partei nach eigenen Angaben bereits, für die Wahlzulassung sammelte sie 805 Unterstützer-Unterschriften. Powerpoint polarisiert. Auch im Internet sind viele Nutzer genervt von überladenen Folien und Klickorgien. Kommentare und Blogeinträge erscheinen mit Titeln wie "Die Powerpoint-Sabbler - Fünf Typologien des Schreckens" und "I hate Powerpoint". Der Yale-Professor Edward Tufte schrieb 2003 in "Wired": "Powerpoint is evil".

In den vergangenen Jahren stieg allerdings auch die Zahl derer, die Microsofts Präsentationsprogramm zum Spaß nutzen. Das Powerpoint-Karaoke zum Beispiel ist längst zum Kneipenkult geworden. Bei diesem Wettbewerb bekommt jeder Teilnehmer einen fremden Foliensatz und muss diesen spontan möglichst unterhaltsam präsentieren. In einer anderen Disziplin, dem Pecha Kucha, geht es darum, ein Thema in besonders kurzer Zeit vorzustellen.

Die APPP glaubt trotz dieser Trends an ihre Chance, die Wähler zu mobilisieren. "Wir sind eine internationale Bewegung", sagt Präsident Matthias Pöhm, der bei seinen Vorträgen auf Flipcharts setzt.

Als nächstes will Pöhm Wahlkampf in Fußgängerzonen machen - mit Powerpoint-Kotztüten. Auch die verkauft er per Internet.

mbö

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insgesamt 19 Beiträge
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1. Powerpoint Opfer
stal_m 19.08.2011
Ich würde mich bereit erklären, die deutsche Sektion zu leiten :-)
2. ...
brain_in_a_tank 19.08.2011
Wird hier eigentlich PowerPoint als Synonym fuer jede Praesentationssoftware verwendet? Scheint ja fast so, insbesondere wenn als Alternative Flip-Charts ins Spiel gebracht werden. Nun stelle ich mir eine Konferenz vor, in der mehrere hundert Zuhoerer versuchen dem Vortragenden zu folgen, der auf einem Flip-Chart seinen Talk entwickelt. Dass dies zur allgemeineren Erheiterung beitraegt und somit die Langeweile mindert, kann ich durchaus nachvollziehen, aber ob es effektiv ist? Das alles wird immer zu indifferent betrachtet, denn in manchen Situationen ist die Verwendung von Praesentationssoftware durchaus angebracht und sinnvoll. Das Problem ist nicht das Programm, sondern dessen Anwender. Und wenn man dies beruecksichtigt, worauf ist die Partei dann eigentlich aus?
3. Verschiedene Software
hksm 19.08.2011
Zitat von brain_in_a_tankWird hier eigentlich PowerPoint als Synonym fuer jede Praesentationssoftware verwendet? Scheint ja fast so, insbesondere wenn als Alternative Flip-Charts ins Spiel gebracht werden. Nun stelle ich mir eine Konferenz vor, in der mehrere hundert Zuhoerer versuchen dem Vortragenden zu folgen, der auf einem Flip-Chart seinen Talk entwickelt. Dass dies zur allgemeineren Erheiterung beitraegt und somit die Langeweile mindert, kann ich durchaus nachvollziehen, aber ob es effektiv ist? Das alles wird immer zu indifferent betrachtet, denn in manchen Situationen ist die Verwendung von Praesentationssoftware durchaus angebracht und sinnvoll. Das Problem ist nicht das Programm, sondern dessen Anwender. Und wenn man dies beruecksichtigt, worauf ist die Partei dann eigentlich aus?
Den meisten ist beamer.tex eben "zu hoch", was aber nicht heißt, dass man mit dessen Nutzung einen Freibrief erhielte. So mancher Uniprofessor der Richtung Informatik/Mathematik (also die ersten, die latex verwenden würden) fällt dem Muster "der Erzähler" zu Grunde. Es liegt also, wie schon festgestellt, letztendlich am Schaffer der Präsentation.
4.
ralfmahr 19.08.2011
Zitat von brain_in_a_tankWird hier eigentlich PowerPoint als Synonym fuer jede Praesentationssoftware verwendet? Scheint ja fast so, insbesondere wenn als Alternative Flip-Charts ins Spiel gebracht werden. Nun stelle ich mir eine Konferenz vor, in der mehrere hundert Zuhoerer versuchen dem Vortragenden zu folgen, der auf einem Flip-Chart seinen Talk entwickelt. Dass dies zur allgemeineren Erheiterung beitraegt und somit die Langeweile mindert, kann ich durchaus nachvollziehen, aber ob es effektiv ist? Das alles wird immer zu indifferent betrachtet, denn in manchen Situationen ist die Verwendung von Praesentationssoftware durchaus angebracht und sinnvoll. Das Problem ist nicht das Programm, sondern dessen Anwender. Und wenn man dies beruecksichtigt, worauf ist die Partei dann eigentlich aus?
Absolut meine Meinung. Anscheinend haben die Aktivisten schon vergessen, wie es vor PowerPoint&co. war ...
5. Oh Mann
gluon2 19.08.2011
Das ist ja mal eine clevere Partei. Wenn sich ein Partei der Bartträger gründet bin ich dabei....
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