Von Matthias Kremp
Hamburg - Schon in zwei Wochen soll es angeblich so weit sein: Dann könnte Facebook-Nutzern ein neues Symbol entgegenleuchten, wenn sie sich bei dem Netzwerk einloggen: das Logo des Musikdienstes Spotify. Ein Klick darauf würde einen Player auf dem Rechner installieren, über den die Facebook-User auf das mehrere Millionen Songs umfassende Spotify-Angebot zugreifen könnten.
Über entsprechende Pläne berichtet das US-Wirtschaftsmagazin " Forbes" in seiner Online-Ausgabe unter Verweis auf Quellen, die mit der Vereinbarung der beiden Unternehmen zu tun gehabt hätten. Zwar haben weder Facebook noch Spotify die "Forbes"-Geschichte bisher bestätigt. Doch scheint sie plausibel und wäre aus Sicht der beteiligten Unternehmen ein gewaltiger Schritt nach vorn, auch wenn zwischen den Partnerfirmen dem Bericht zufolge kein Geld fließen soll.
Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat bereits öffentlich (via Facebook versteht sich) seine Begeisterung für Spotify kundgetan. Einer der Spotify-Investoren und Berater ist Sean Parker, der Zuckerberg einst dabei half, aus Facebook ein gut finanziertes Unternehmen zu machen. Dass es eine hohe Affinität zwischen den beiden Unternehmen gibt, ist daher kaum zu bestreiten.
Schon jetzt kann man Spotify bei Facebook finden und mit einem Klick auf seinem Rechner installieren. Die neue Kooperation soll dem Bericht zufolge deutlich weiter gehen.
Bei dem Streaming-Angebot Spotify kann man für zehn Euro im Monat, einen Euro am Tag oder kostenfrei mit Werbeeinblendungen den gesamten Musikkatalog via Internet nutzen - auf beliebig vielen Computern, auf Handys wie dem iPhone, ohne Einschränkung. Das ist in dieser Kombination einzigartig. Es gibt allerdings eine wichtige Einschränkung: Spotify hat in vielen Ländern noch keine Verträge mit den großen Musiklabels abgeschlossen. In Deutschland etwa ist der Dienst nur über komplizierte Umwege verfügbar, ähnlich sieht es in den USA aus.
Die Tiefe dieser Integration von Spotify in Facebook geht weit über das hinaus, was bisher mit den beiden Angeboten möglich ist. Zwar kann Spotify bereits via Facebook Connect mit dem Netzwerk verbunden werden. Die Verknüpfung geht aber nicht sehr weit. So kann man sich beispielsweise nur anzeigen lassen, welche Musik via Facebook verbundene Freunde gerade hören.
Eine Frage der Lizenzen
In der von "Forbes" skizzierten Version würde das Streaming-Angebot von Spotify dagegen zu einem festen Bestandteil des Facebook-Angebots, die Facebook-Website würde in Verbindung mit dem Spotify-Client so quasi zu einem fast unerschöpflichen Musikfundus. Das würde laut "Forbes" zu einer früheren Ankündigung des Filmstudios Warner Brothers passen, das Pläne offenbart hatte, über Facebook einen digitalen Filmverleih anbieten zu wollen.
Ungeklärt ist offenbar auch noch der Name des neuen Musik-Dienstes. Sowohl "Spotify on Facebook" als auch "Facebook Music" seien im Gespräch. Klar ist dagegen, dass Spotify in seiner aktuellen Form nur einen marginalen Effekt für Facebook hat. Denn derzeit hat der Service sich nur für wenige Länder die Musikrechte der Plattenfirmen sichern können: Finnland, Frankreich, die Niederlande, Norwegen, Spanien und Großbritannien. Gespräche mit Plattenfirmen in anderen Ländern, vor allem in den USA, laufen bereits seit Jahren, sind bislang aber zu keinem Anschluss gekommen.
Abo statt Kauf
Der Deal mit Facebook könnte diese Gespräche erheblich beschleunigen - mit dem Argument: Die Aussicht auf den Zugang zu 600 Millionen Anwendern in der größten geschlossenen Kundengemeinschaft der Welt dürfte auch den schwerfälligsten Plattenboss zum Einlenken bewegen. Schließlich hätten die Konzerne via Facebook und Spotify bald Zugriff auf Hunderte Millionen meist junger Musikhörer in aller Welt.
Bei
Amazon
, Google
und
Apple
jedenfalls sollten jetzt die Alarmglocken schrillen: Ihnen würde mit einem Facebook-Musik-Streaming-Angebot eine gefährliche Konkurrenz erwachsen. Denn ein kostenloser Streaming-Dienst nach dem von "Forbes" geschilderten Muster kommt modernen Hörgewohnheiten entgegen. Wer schon einmal Jugendliche gesehen hat, die sich in der U-Bahn einen iPod-Kopfhörer teilen, um dem neuen Lady-Gaga-Song zu lauschen, kann sich leicht ausrechnen, dass dieselben Teenager den Song auch gemeinsam via Facebook anhören und dabei chatten, wenn sie zu Hause sind. Gegenüber
Googles und
Amazons Diensten hat Spotify einen weiteren entscheidenden Vorteil: Man muss seine Musiksammlung nicht zuerst hochladen, um sich dann Songs anhören zu können. Ja, man muss die Songs nicht einmal besitzen.
Auch für Spotify würde sich der Deal lohnen. Der Service könnte dank Facebook seinen potentiellen Kundenstamm vervielfachen. Das Unternehmen verdient sein Geld nicht nur mit Werbung, sondern auch mit Bezahlangeboten, die den Anwendern erweiterte Möglichkeiten bieten. So gibt es beispielsweise eine Spotify-App für das iPhone, in die man nach Wunsch Musik zum offline Anhören laden und mitnehmen kann. Ein solches Angebot ließe sich auch in die Facebook-App für iPhone und Android integrieren. Wer bitte braucht dann noch Kaufmusik von Apple und Amazon?
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