Geschäftsmodelle im Journalismus Danke für die Spende, Leser!

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2. Teil: Der Mediennutzer als Mäzen - Schwarm-Spenden statt Big Spender?


Er sieht allerdings auch noch andere Möglichkeiten: Anstelle großer Mäzene könnten viele kleine zum Bestand beitragen. Dass dies funktioniert, zeigt etwa die unabhängige TV- und Web-TV-Produktion "Democracy Now", die seit 1996 fast ausschließlich durch Spenden von Zuschauern finanziert wird. Andere Beispiele sind die Nonprofit-Newsfirmen Texas Tribune, Voice of San Diego oder MinnPost - alle haben sich der Aufgabe verschrieben, kritischen Journalismus in die Regionalberichterstattung zurück zu bringen.

Ohne Stiftungen aber funktioniert das bisher nicht. Alle genannten News-Outlets haben Spendengelder im Rücken. Auch das Projekt Spot.us, wo Journalisten direkt um Leserspenden für ihre Recherchen werben, wird in Wahrheit von zwei Stiftungen finanziert. Eine davon, die Knight Foundation, gehört auch zu den Finanziers von ProPublica, Texas Herald und MinnPost.

Ist das Modell Mikro-Mäzenatentum also zum Scheitern verurteilt, geht es nicht ohne Groß-Geber? Nein, meint Peter Sunde, Mitbegründer des BitTorrent-Verzeichnisses Pirate Bay. Viele Ansätze seien bisher nur daran gescheitert, dass es kein Abrechnungssystem für Micropayments gibt, an dem der Adressat der Überweisung verdient und nicht der Dienstleister.

Zahlung als Belohnung für erbrachte Leistung

Sundes neuestes Projekt Flattr soll das ändern: Wie bei Facebook mit dem "I like"-Button soll der Flattr-Nutzer den Anbieter eines Inhaltes, der Gefallen fand, per Klick belohnen. Der Nutzer zahlt eine monatliche Pauschale ab zwei Euro, die am Monatsende dann gleichmäßig auf alle von ihm "geflattrten" Seiten aufgeteilt wird. So kämen die Urheber zu Kleinsummen, die sich zu anständigen Beträgen summierten.

Was es jetzt noch brauche, um daraus eventuell ein neues Refinanzierungsmodell für Inhalte zu generieren, ist vor allem eines, machte Sunde im Interview mit dctp klar: Millionen zahlende Nutzer. Sunde glaubt fest, dass viele Netznutzer prinzipiell bereit dazu wären, "ihre" Webseiten, "ihre" Medien zu unterstützen. Das Beste an seinem Modell sei zudem, dass jeder Nutzer so viele Flattr-Überweisungen tätigen könne, wie er wolle, ohne dass dies die Kosten für ihn erhöhe. Der Flattr-Kuchen des Nutzers wird dann einfach in kleinere Stücke geschnitten und verteilt.

Für journalistische Großprojekte wie das von Sheri Fink begännen da schon wieder die Probleme: Wirklich aufwendiger Journalismus ist so teuer, dass er mit kleinen Spenden finanziert wohl unbezahlbar bliebe. Schwarm-Payments belohnen bereits erbrachte Leistungen, sie ermöglichen sie aber nicht.

Denkbar wäre Sundes Modell dagegen als ergänzendes Refinanzierungsmodell für Online-Medien: Der Leser würde zum Mäzen seines Mediums, das sich dessen Zuwendung erarbeiten und verdienen müsste. Singuläre Ansätze, meint John Thornton, Chef des Texas Tribune, funktionierten eh nicht mehr, die alten Rezepte hätten ausgedient. Wer integeren Journalismus weiterhin finanzieren wolle, müsse Geld "überall und oft" kassieren, ohne Scheu aus allen denkbaren Quellen. Der Nonprofit-Verleger hat diese Erkenntnis auf einem Kongress am Dienstag in eine höchst griffige Formel gegossen:

Was Medienmacher heute brauchten, so Thornton, sei "Umsatz-Promiskuität".

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VorwaertsImmer, 26.04.2010
1. Trend: Klein-Verlage....
Zitat von sysopÜberall wird gekürzt und gestrichen, entlassen und zusammengelegt - Qualitätsjournalismus ist für viele Verlage kaum noch zu bezahlen. Eine stiftungsfinanzierte Online-Reportage hat aber einen Pulitzerpreis ergattert - ist Mäzenatentum durch große und kleine Spender ein Weg, Medien zu retten? http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,690127,00.html
Einer der großen Trends sind doch die vielen kleinen, hochwertigen Spezial-Blätter, die jetzt im kommen sind. Diese Blätter erscheinen wesentlich weniger oft und haben weniger Seiten - dafür muss man nicht mehr den Einheitsbrei lesen, der eine breite Leserschaft bedienen muss. Dafür zahle ich gerne auch ein wenig mehr pro Ausgabe! Den Einheitsbrei kriegt man doch heute übers Internet.
alanderex 26.04.2010
2. Modell mit Zukunft
Ich meine es ist die vernünftigste, nachhaltigste Lösung. Ein unabhängiger Journalismus ist essentiell. Ich würde ja gerne Medien, die ich online lese auch unterstützen, aber abonnieren ist nicht mein Fall (was soll ich mit dem ganzen Altpapier?) .
johndoe2 26.04.2010
3. Auf Thema antworten
Zitat von sysopÜberall wird gekürzt und gestrichen, entlassen und zusammengelegt - Qualitätsjournalismus ist für viele Verlage kaum noch zu bezahlen. Eine stiftungsfinanzierte Online-Reportage hat aber einen Pulitzerpreis ergattert - ist Mäzenatentum durch große und kleine Spender ein Weg, Medien zu retten? http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,690127,00.html
Das erklärt die Ergebenheit der Journaille gegenüber dem neofeudalistischen Zeitgeist.
ingo werner 26.04.2010
4. auch nicht mehr für den spiegel
Zitat von johndoe2Das erklärt die Ergebenheit der Journaille gegenüber dem neofeudalistischen Zeitgeist.
digidigi 26.04.2010
5. Qualitätsjournalismus ist für viele Verlage kaum noch zu bezahlen.
Das Problem ist nicht das Bezahlen - das Problem ist der Qualitätsjournalismus. Wäre das Geschreibe, das uns mittlerweile um die Ohren geworfen wird, wirklich Qualität, dann würde der Leser gerne was dafür zahlen. Für das zusammengegoogelte Geschreibe will keiner zahlen, weil er denselben Text identisch an verschiedenen Stellen im Netz wiederfindet. Liebe schreibende Zunft, tut endlich wieder das, was ihr gelernt habt, berichtet objektiv und mit gut recherchiertem Hintergrund, und ihr werdet sehen, dass Leser gerne dafür zahlen - und das sogar freiwillig. Und lasst bitte endlich die unterschwellige Meinungsmache, wenn ein Artikel informieren soll, dann bitte objektiv, Eure Meinungen könnt ihr an anderer Stelle als solche markieren (M.P. und Y.M. sind für mich Beispiele von nicht objektiver Berichterstattung).
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