Gesche Joost Nicht länger "Digital Champion"

Gesche Joost war Deutschlands erste Internetbotschafterin. Nun verzichtet die Regierung nach SPIEGEL-Informationen auf ihre Dienste. Wer Joost nachfolgt, ist noch offen.

Gesche Joost
imago/ Mike Schmidt

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Die Große Koalition verzichtet auf die Dienste der Internetbotschafterin Gesche Joost. "Das Bundeswirtschaftsministerium hat entschieden, dass Frau Professor Doktor Gesche Joost ihr Ehrenamt als 'Digital Champion' der Bundesrepublik Deutschland nicht fortsetzen wird", erklärte eine Ministeriumssprecherin. Diese Entscheidung entspreche auch Joosts Wunsch.

Joost wurde nach der Bundestagswahl 2013 zur ersten Internetbotschafterin des Landes ernannt. Die EU-Kommission hatte die Initiative "Digital Champions" ausgerufen. Jedes Mitgliedsland sollte einen Experten benennen, der die Digitalisierung vorantreibt.

In ihrer Amtszeit war die Designprofessorin häufig medial präsent und machte auf die Chancen des digitalen Wandels aufmerksam. Allerdings fiel sie auch durch negative Schlagzeilen auf. Im Januar berichteten der SPIEGEL und das ARD-Magazin "Report Mainz", dass Joost eine "Aufwandsentschädigung" von 50.000 Euro jährlich für ihr Ehrenamt erhielt. Zudem war sie in den Aufsichtsrat von SAP eingezogen, obwohl sie laut Vertrag keine Beratertätigkeiten aufnehmen sollte, die ihre Unabhängigkeit gefährden. Joost wies Interessenkonflikte zurück.

Ministerin Zypries wollte Entschädigung neu regeln

Als ihr Vertrag im Herbst 2017 auslief, entwickelte sich ein Dissens mit der damaligen Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD), die nur noch Kosten für Reisen und Büromaterial erstatten wollte. Joost beharrte auf der alten Regelung, die sie noch unter Zypries' Vorgänger Sigmar Gabriel (SPD) ausgehandelt hatte. Zypries und Joost einigten sich darauf, die neue Regierung entscheiden zu lassen.

"Mal schauen, was die nächste Bundesregierung mit der Rolle des Digital Champions anfängt, dann können wir uns dazu austauschen", schrieb Joost im November an einen Beamten.

Wen der neue Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) zu Joosts Nachfolger berufen wird, steht noch nicht fest: "Derzeit laufen hierzu die Abstimmungen", sagte die Ministeriumssprecherin.



insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
mr.zoui 08.06.2018
1.
Während Joost 2016 bei 100 Prozent aller Aufsichtsratstreffen von SAP anwesend war, fehlte sie in den vergangenen Jahren bei vier von neun Sitzungen mit den anderen europäischen "Digital Champions". ...laut Vertrag keine Beratertätigkeiten aufnehmen sollte, die ihre Unabhängigkeit gefährden. Joost wies Interessenkonflikte zurück. Und die Aussage der Joost ist hier genug oder gibt es da Untersuchungen hinsichtlich Korruption, Betrug, Vorteilsnahme? Wen interessiert der Nachfolger, wenn das Scheitern des Vorgängers nicht aufgearbeitet wird!
gruenerwaldgeist 09.06.2018
2. Ich höre zum ersten Mal von der Dame,
nun, da sie ihren Posten abgibt. Und ich komme viel in der Startupszene herum. Einmal mehr zeigt sich, dass Deutschland ein digitales Entwicklungsland ist.
qoderrat 09.06.2018
3.
Zitat von mr.zouiWährend Joost 2016 bei 100 Prozent aller Aufsichtsratstreffen von SAP anwesend war, fehlte sie in den vergangenen Jahren bei vier von neun Sitzungen mit den anderen europäischen "Digital Champions". ...laut Vertrag keine Beratertätigkeiten aufnehmen sollte, die ihre Unabhängigkeit gefährden. Joost wies Interessenkonflikte zurück. Und die Aussage der Joost ist hier genug oder gibt es da Untersuchungen hinsichtlich Korruption, Betrug, Vorteilsnahme? Wen interessiert der Nachfolger, wenn das Scheitern des Vorgängers nicht aufgearbeitet wird!
Wieso gescheitert? Einen Aufsichtsratsposten bei SAP hätte ich auch gerne. Davon abgesehen, scheint mir die häufige mediale Präsenz auf einem anderen Planeten stattgefunden zu haben, denn ich lese regelmässig sowohl politische als auch IT-Nachrichten, und sie war mir trotz den ungewöhnlichen Namens überhaupt kein Begriff. Eine kurze Suche nach dem Namen hat jede Menge Artikel über Fr. Joost ergeben, aber sehr wenige von ihr für 4 Jahre Schaffenszeit. Aber vielleicht ist ja der Twitter Kanal gemeint? Da kann sich dann auch jeder sein Bild machen.
2cv 09.06.2018
4. Ich habe mal Frau Joost getroffen...
...und mich am Rande des "IT-Gipfel", dem heutigen "Digital Gipfel" der Bundesregierung zu diversen Themen unterhalten, und festgestellt, dass sie weder wirklich in der Materie selbst keine Anwendungs-Kompetenz hat (IoT Kits, Arduino Shields oder Narrowband-Funktechnik schien sie gar nicht zu kennen) und auch innovative, disruptive Ideen nicht wirklich nachvollziehen kann. Ich war enttäuscht, weil ich eine Person mit Charisma und Strahlkraft erwartet hatte, die nun wirklich hat wissen müssen, was hinter Merkels (richtig formuliertem) "Neuland" nun kommen musste. Aber wie die meisten war ihr "Industrie 4.0" wohl nur als Schlagwort aber nicht auch echte Praxis-Erfahrung geläufig. Ich fühlte mich hier weder durch einen "Champion" vertreten noch abgeholt. Schade eigentlich, das war weder Formel1 oder Turbo, sondern nur mehr Seifenkisten-Champion...
flaschengaist 09.06.2018
5. Design ist Schein
Absolute Fehlbesetzung als Digital Champion. Welche digitale einschlägige Championkompetenz hat sie denn? In der Start-Up Szene ist sie ein unbeschriebenes Blatt...schade...bei soviel Strahlkraft...aber im Design keine Seltenheit
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