Geschlossener Online-Speicherdienst: Staranwalt verteidigt Megaupload-Beschuldigte
Früher verteidigte er Bill Clinton und Enron, jetzt kümmert sich Staranwalt Robert Bennett um die Interessen des Online-Speicherdienstes Megaupload. Offenbar aus Rache für dessen Schließung hat die Hackergruppe Anonymous vorübergehend die Website des französischen Präsidialamts gekapert.
Paris/Alexandria - Die Hackergruppe Anonymous hat am Freitag die Website des französischen Präsidialamts angegriffen. Am Ende der Adresszeile auf der Internetseite des Elysée-Palastes waren vorübergehend Sprüche wie der Anonymous-Slogan "We are Legion" ("Wir sind Legion") oder "Die lächerlichste Präsidentschaft der Geschichte" zu lesen. Am Abend war die Website wieder in ihrer normalen Fassung zu sehen. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hatte in der Nacht zum Freitag die Schließung von Megaupload.com, eines der weltgrößten Online-Speicherdienste, durch die US-Behörden begrüßt. Das Vorgehen gegen Megaupload ist Teil des Kampfs gegen die Internetpiraterie.
Anonymous hatte bereits kurz nach Bekanntwerden der Sperrung von Megaupload am Donnerstag in den USA Rache geübt: Die Hacker legten die Internetauftritte des US-Justizministeriums, des Konzerns Universal Music sowie des Verbandes der US-Musikindustrie für mehrere Stunden lahm.
Die US-Behörden haben im Zusammenhang mit Megaupload den deutschen Internetunternehmer Kim Schmitz sowie zwei weitere Deutsche und einen Niederländer in Neuseeland verhaften lassen. Drei weitere Verdächtige, darunter ein weiterer Deutscher, sind flüchtig. Die sieben Angeklagten sollen im Netz Umschlagplätze für Raubkopien betrieben haben, wodurch nach US-Behördenangaben ein Schaden von über einer halben Milliarde Dollar entstand.
Staranwalt übernimmt Verteidigung von Megaupload
Der von der US-Justiz geschlossene Online-Speicherdienst wird vor Gericht von einem der prominentesten Anwälte der USA verteidigt. Robert Bennett teilte am Freitag mit, dass er das wegen Urheberrechtsverletzungen angeklagte Unternehmen Megaupload vertrete. Er versprach eine engagierte Verteidigung, lehnte es aber ab, auf Einzelheiten des Falls einzugehen.
Bennett wurde nicht zuletzt durch seine Verteidigung des ehemaligen Präsidenten Bill Clinton bekannt. Diesem war von einer Frau sexuelle Belästigung vorgeworfen worden. Bennett war auch Verteidiger des US-Energiekonzerns Enron, der nach massiven Bilanzfälschungen 2001 Insolvenz anmelden musste.
Wann der Fall in den USA vor Gericht kommt, ist noch unklar. Allein eine Auslieferung der Beschuldigten von Neuseeland an die USA kann ein Jahr oder länger dauern, wenn sie dagegen vorgehen.
cai/AFP/dapd
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