Gesperrte Videoclips: Musikriese räumt Geheimvertrag mit YouTube ein

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YouTube erlaubt dem Musikgiganten Universal, per Zugriff auf die Video-Website Clips zu sperren - nicht nur bei Urheberrechtsfällen. Das stellte sich bei einem Gerichtsverfahren heraus, in das eine der schillerndsten Figuren der New Economy verwickelt ist: Kim Dotcom, früher bekannt als Kim Schmitz.

Online-Speicher: So wirbt MegaUpload Fotos

Die Sängerin Alicia Keys ist begeistert, die Rapper Snoop Dogg, P. Diddy und Kanye West lieben es, Tennis-Wunder Serena Williams ist ein ganz großer Fan. Sie und andere Prominente schwärmen in höchsten Tönen von der Firma MegaUpload und deren digitalen Dienstleistungen.

MegaUpload bietet Online-Speicherplatz für Videos, Musik, Fotos und alle andere Dateien, die für den E-Mail-Versand zu groß sind. Jeder kann bei MegaUpload Dateien umsonst hoch- und herunterladen.

Aus dem Lob der Stars hat MegaUpload ein professionelles Musikvideo schneiden lassen, von einem Produzenten der Black Eyed Peas. Der "Mega Song" verbreitete sich in Windeseile über das Netz und schaffte es in die internationalen Charts der meisterwähnten Themen bei Twitter.

Normalerweise könnten sich jetzt alle Beteiligten über einen der gelungensten PR-Stunts der jüngeren Internetgeschichte freuen. Stattdessen gibt es Stress: Der Konzern Universal Music Group (UMG) sorgte in den USA dafür, dass der "Mega Song" von Googles Videoportal YouTube verschwand. Einige der angeblichen Stars hätten der Verwendung nicht zugestimmt, erklärte der Musikkonzern.

MegaUpload klagte in den Vereinigten Staaten gegen die Sperrung des Werbeclips, man sei von allen auftretenden Künstlern autorisiert, deren Zitate zu nutzen, heißt es in einer Erklärung. Als Beleg präsentierte die Firma eine Vereinbarung mit dem Rapper Will.i.am. Nun ist das Werbevideo auf einmal wieder online bei YouTube.

UMG: YouTube lässt uns direkt löschen

Plötzlich scheint der mächtige Musikkonzern Universal in der Defensive: Es sei alles ganz anders, man habe gar nicht die Sperrung des Clips bei YouTube beantragt, erläutert UMG in einer neuen Eingabe bei Gericht (PDF-Dokument). Man habe einen Vertrag mit YouTube, der es UMG erlaube, Videoclips direkt über ein YouTube-Redaktionssystem zu sperren, in vielen vertraglich festgehaltenen Fällen, nicht nur bei Urheberrechtsverletzungen.

Erlaubt Google bestimmten Rechteinhabern also direkte Eingriffe in das Angebot auf seiner Videoplattform? In welchen Fällen noch, wenn es nicht "nur um Urheberrechtsverletzungen" geht, wie UMG darlegt? Bis zur Veröffentlichung dieses Artikels hat Universal Music nicht auf Anfragen in dieser Sache geantwortet. Google antwortete sehr knapp: "Unsere Partner haben nicht weitreichende Rechte, alles aus unserem Angebot zu entfernen, was ihnen nicht gefällt." In bestimmten Fällen könnten "Partner" basierend auf exklusiven Verträgen mit Künstlern Live-Aufnahmen entfernen. Wer die Partner sind, ob es mit allen Verträge gibt, ob es in diesen Verträgen nur um Live-Aufnahmen geht - all das ist unklar. Bekannt ist nur, dass YouTube solche Verträge hat.

Diese Enthüllung hat ein Mann provoziert, der schon früher gern für Wirbel sorgte: Kim Schmitz. Mit dem MegaUpload-Werbeclip kehrt eine der schillernden Gestalten der New Economy in die Öffentlichkeit zurück. Mit einer Vorliebe für bunte Sonnenbrillen, schnelle Autos, sogenannte Teppich-Luder und grenzwertige Geschäftsideen hatte Schmitz bereits um die Jahrtausendwende eher im Boulevardbereich als in der seriösen Wirtschaft reüssiert.

"Die Abenteuer von Tim und Struppi" - gratis und illegal

Nun katapultiert er sich ins Zentrum eines weltweiten Streits um Urheberrechte, um Raubkopien von Filmen oder Musikstücken. 50 Millionen Menschen nutzen laut Eigenwerbung täglich MegaUpload.

Es ist ein unkompliziertes Geschäft, solange es um legale Inhalte geht. Schwierig wird es, wenn urheberrechtlich geschützte Werke ins Spiel kommen. Kostenlos, sofort und illegal konnten Nutzer am Freitag bei MegaUpload etwa aktuelle Kinofilme wie "Der gestiefelte Kater" oder "Die Abenteuer von Tim und Struppi" abrufen.

Kim Dotcom spendiert Auckland ein Feuerwerk

Lange Zeit war es ungewohnt still geworden um Schmitz, der sich früher auch "Dr. Kimble" nannte, nach einer Figur aus der TV-Serie "Auf der Flucht". Der Beiname erwies sich fast als prophetisch, jedenfalls hatte sich seine Spur verloren, als aus dem versprochenen "Kimpire" nichts zu werden schien.

Jetzt kommt er auf die große Bühne zurück, mit neuem offiziellem Namen, neuem Wohnort, neuem Geschäftsmodell. Aus Kim Schmitz, 1974 in Kiel geboren, wurde zunächst "Kim Vestor" mit Wohnsitz im finnischen Turku. Dann tauchte er als "Kim Dotcom" in Neuseeland auf, bezog mit seiner Familie ein Multimillionen-Anwesen bei Auckland, wo er, wie einst in Deutschland, den großen Auftritt pflegt. Das Feuerwerk, das er der Stadt zum vergangenen Silvesterfest spendierte, war farbenfroh, spektakulär - und kostete angeblich einen sechsstelligen Dollarbetrag.

Doch aus dem Schatten trat Schmitz alias Kim Dotcom erst jetzt, als er gutgelaunt in seinem prominent besetzten Werbeclip auftauchte und zweimal "It's a hit!" ins Mikrofon schmetterte. Es dürfte ein Comeback nach seinem Geschmack gewesen sein, neben internationalen Stars und Sternchen, ein Zeichen, dass er hinter den Kulissen weiter an seiner Karriere gebastelt, ja dass er es endlich geschafft hatte - jedenfalls aus seiner Sicht.

Hollywood-Studios nennen MegaUpload "Schurken-Seite"

Lange hatten Firmensprecher behauptet, der Mann aus Deutschland sei zwar einer der Gründer, aber im Tagesgeschäft nicht aktiv. Dagegen sprach allerdings schon die aktuelle Meldung für das Handelsregister in Hongkong, die als Geschäftsführer niemand anderen als eben Kim Dotcom ausweist.

Derlei Versteckspielchen hält Schmitz offenbar nicht mehr für nötig. Jetzt darf auf der Website sogar ein Fratz namens "Kim Junior" über seinen Papa plappern, den Mega-Macher. Kim Dotcom scheint sich seiner Sache sicher zu sein. Das könnte täuschen, denn er hat mächtige Gegner - und die haben ihn längst im Visier.

Hollywood-Studios und die internationale Musikindustrie stören sich schon länger an MegaUpload. Über ihre Lobbyverbände kritisieren sie die Plattform als eine der übelsten "Schurken-Seiten" im ganzen Netz. Eine Studie für die US-Handelskammer nennt MegaUpload in einem Atemzug mit Rapidshare, einem Unternehmen, das wegen Urheberrechtsproblemen ebenfalls im Streit mit der Musikindustrie liegt. Zusammen mit Rapidshare kommen MegaUpload und Megavideo danach auf jährlich rund 21 Milliarden Visits. Die Studie bezeichnet sie als die "Top Drei" der digitalen Piraterie, die Firmen wiesen den Vorwurf zurück.

In Deutschland beobachtet die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) die Firma. Wie man jetzt sehe, sei "der Betreiber dick im Geschäft", so deren Chef Matthias Leonardy. "Aus GVU-Sicht ist er ein 'Pate' in der Szene der digitalen Hehler."

MegaUpload nennt Copyright-Vorwürfe "grotesk übertrieben"

Im Zuge der Klage eines US-Porno-Anbieters kam eine amerikanische Richterin schon im Sommer zu dem Schluss, MegaUpload sei deutlich mehr als nur ein harmloser Online-Speicher. "Es ermutigt und bezahlt seine Nutzer in einigen Fällen dafür, riesige Mengen populärer Medieninhalte hochzuladen", schrieb sie. Doch die Klage endete glimpflich, man einigte sich auf einen Vergleich.

Tatsächlich ist MegaUpload juristisch schwer beizukommen, das Angebot wirkt clever gestrickt. Vom Unternehmenssitz Hongkong aus kann die Seite gar nicht erst abgerufen werden. Man respektiere internationale Copyright-Abkommen und arbeite mit Rechteinhabern zusammen, behauptet die Firma auf ihrer Website; sie nennt den Vorwurf, die Seite existiere nur zum Zweck der massenhaften Urheberrechtsverletzung, "grotesk übertrieben".

Tatsächlich gibt es dort Formulare, mit denen Urheber rechtswidrig veröffentlichte Inhalte melden können, und tatsächlich werden auch Inhalte gesperrt. Natürlich werden die Lücken schnell wieder durch neue Inhalte gefüllt.

Was Schmitz bewogen haben mag, sich nach Jahren wieder in die Öffentlichkeit zu wagen, muss sich noch zeigen. Auf diverse SPIEGEL-Anfragen reagierte er mit vulgären Drohungen, die er aber nicht veröffentlicht wissen will; außerdem verwies er auf die offiziellen Erklärungen von MegaUpload.

Kim Dotcom nennt 24-Hektar-Anwesen "ein Ferienhaus"

Der "New Zealand Herald" berichtete, dass Mr. Dotcom das von ihm bewohnte Anwesen nicht kaufen dürfe - weil er die "Good Character"- Kriterien nicht erfülle, die von Ausländern beim Landerwerb auf der Insel verlangt würden.

Auch darauf hatte der Mann eine Antwort parat. Das Silvesterfeuerwerk von Auckland werde in diesem Jahr eine Nummer kleiner ausfallen, sagte er dem "Herald". Im Übrigen, hatte er an anderer Stelle bereits betont, handle es sich bei dem 24-Hektar-Anwesen ohnehin nur um ein Ferienhaus.

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insgesamt 57 Beiträge
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1. war doch klar
marcobb 17.12.2011
Kim Schmitz ist doch in Deutschland mehrfach einschlägig vorbestraft. War doch klar, dass er einfach so weitermacht. Und er hat es im kriminellen Milieu jetzt eben geschafft. Da ist er nicht der Erste.
2. Der Kim...
Attlila 17.12.2011
ach der Kim :-), an seiner Stelle wäre ich ja nicht mehr ins Rampenlicht zurückgekehrt. Vor allem nicht in Deutschland. Inzwischen scheint er ja cleverer geworden zu sein und aus seinen Fehlern zu lernen. Ein gewisse Geschäftstüchtigkeit kann man ihm ja nicht absprechen. Auch wenn es nicht unbedingt seriös erscheint. Na auf jeden Fall alles Gute von mir. Die Welt hat mehr von ihm als ohne ihn. Es war schon immer witzig über ihn und was er macht zu lesen.
3.
Eselvieh 17.12.2011
Zitat von sysopYouTube erlaubt dem Musikgiganten Universal, per direktem Zugriff auf die Video-Website Clips zu sperren. Das stellte sich bei einem Gerichtsverfahren heraus, in das eine der schillerndsten Figuren der New Economy verwickelt ist: Kim Dotcom, früher bekannt als Kim Schmitz. Gesperrte Videoclips: Musikriese räumt Geheimvertrag mit YouTube ein - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Netzwelt (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,804186,00.html)
Sehr viel spassiger finde ich, dass SPON sogar selbst dazu beitraegt illegale Inhalte im Netz zu finden. Man bemueht sich zwar die Adressleisten auszublenden, vergisst aber die Herkunft und/oder Beschreibung zu schwaerzen. Siehe Bild 5 ;) Da haben wir dann wohl das naechste Opfer von UMG. Lieber mal das Bild entfernen...
4. *
dilletantes 17.12.2011
Anfänglich dachte ich ja, in dem Artikel geht es hauptsächlich um Universal und You tube, aber offenbar ist es weniger ein Skandal, dass die großen Musikverlage Videos sperren, die die Künstler selbst reinstellen, als die Tatsache, dass ein kriminelles Riesenbaby jetzt in Neuseeland sein Unwesen treibt. Schade. Ich persönlich bin ziemlich genervt davon, dass man als Musiker, wenn man bei ner großen Plattenfirma ist, gar keine Rechte mehr über seine eigene Musik hat...
5. ...
asdf01 17.12.2011
Jaja, der Kimble... echt nicht totzukriegen... Eines von zahllosen Beispielen, dass man nur dreist und skurpellos genug sein muss, um im System voranzukommen. Naja, sich mit der Content-Industrie anzulegen, ist natürlich durchaus ein heißes Eisen, da wird ja gerne mal für ein angeblich raubkopiertes Liedchen einen Strafe knapp unter der Todesstrafe verlangt.
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