Bildagentur Getty verlangt Geld von Fotografin für ihr eigenes Bild

Der Fotodienst Getty Images stellt Bildmaterial zur Verfügung und kassiert dafür Gebühren. Mit der Abmahnung einer Fotografin hat sich die Agentur ein Milliarden-Dollar-Problem eingehandelt.

Library of Congress/ Carol M. Highsmith

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Die Bildagentur Getty Images hat die Fotografin Carol M. Highsmith zur Zahlung von 120 Dollar aufgefordert. Sie habe auf ihrer Webseite ein Foto aus dem Portfolio des Dienstes ohne Lizenz verwendet, lautet der Vorwurf. Bei dem Bild handelt es sich allerdings um ein Foto, das Highsmith selbst aufgenommen hatte.

Die angebliche Urheberrechtsverletzung wurde zum Bumerang. Denn die Fotografin entdeckte, dass Getty mehr als 18.000 Bilder von Highsmith in seinem Portfolio vermarktet - und dafür Gebühren verlangt. Highsmith hatte ihre Bilder allerdings der amerikanischen Library of Congress gestiftet, damit die Allgemeinheit sie lizenzfrei nutzen kann. Zudem kam heraus, dass auch andere Agenturen wie Alamy für ihre Fotos Gebühren verlangen.

Getty bekommt die Quittung

Highsmith verklagt jetzt ihrerseits Getty Images wegen Urheberrechtsverletzung für die unrechtmäßige Nutzung ihrer lizenzfreien Bilder - auf eine Milliarde Dollar. Ob das New Yorker Bezirksgericht, bei dem die Klage einging, die hohe Forderung akzeptiert, ist unklar.

Highsmiths Anwälte werden in der Klageschrift deutlich: Getty Images habe offenbar dem amerikanischen Volk das großzügige Geschenk der Fotografin unterschlagen. Sie würden nicht nur unrechtmäßig Lizenzgebühren von Personen und Organisationen verlangen, sondern sich selbst fälschlich und auf betrügerische Weise als exklusive Lizenzinhaber bezeichnen und mit Klagen wegen Urheberrechtsverletzung drohen.

Die Bildagentur glaubt an ein Missverständnis

In einem Statement teilt die Agentur mit, dass die Klage geprüft werde. "Wir glauben, dass sie auf einer Reihe von Missverständnissen beruht, die wir hoffentlich recht bald mit der Klägerin klären können", heißt es. Sollte dies nicht möglich sein, werde Getty sich energisch verteidigen. Es sei übliche Praxis für Bildbibliotheken, Zugang zu öffentlichen Inhalten zu gewähren und diese zu verbreiten. Dies sei ein wichtiger Unterschied zur Durchsetzung von Urheberrechten.



insgesamt 22 Beiträge
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vipclip 29.07.2016
1. Die Bildagentur glaubt an ein Missverständnis
Da kann ich nur lachen, habe schon von vielen Leuten gehört die auch aus versehen Bilder genutzt hatten von dieser Agentur ohne es zu wissen und dann hohe Strafen zahlen mussten, da war es dieser Agentur auch egal das es nur ein Missverständnis war.
theos001 29.07.2016
2.
Bin gespannt wie es zu dem "Versehen" kam das eine Bild(verwertungs)agentur Bilder, die extra gestiftet wurden um sie der Öffentlichkeit frei zugänglich zu machen, gegen Geld anbietet. Verwertungsgesellschaften allgemein sollten auf den Prüfstand, denn wann immer ich von solchen höre, ist es wegen regelrecht kriminellem Vorgehen.
uzsjgb 29.07.2016
3.
Zitat von vipclipDa kann ich nur lachen, habe schon von vielen Leuten gehört die auch aus versehen Bilder genutzt hatten von dieser Agentur ohne es zu wissen und dann hohe Strafen zahlen mussten, da war es dieser Agentur auch egal das es nur ein Missverständnis war.
Wie kann man aus Versehen ein Bild nutzen? Muss man das nicht mutwillig kopieren?
ad2 29.07.2016
4. Bildermärkte & Fotografen gehen an Billigmaterial zugrunde
Ich frage mich umgekehrt, was das für ein "toller" Dienst der Fotografin an der Allgemeinheit ist, nochmals 18.000 Umsonst-Bilder in den Markt zu schwemmen. Der gesamte Berufsstand der Fotografie kämpft mit einer beispiellosen Entwertung seiner Arbeitsleistungen, weil es überall etwas für umsonst gibt. Fotograf(innen) kriegen kaum noch Aufträge und wenn dann zu höhnischen Dumpingpreisen, die nicht den tatsächlichen Aufwand widerspiegeln. Toll aber dass die Dame ihr Ego befriedigen kann und an jedem Baum im Dorf eine Duftmarke hinterlassen kann. Ich bin auch kein Fan von Ghetty, die selbst mit der Marktzerstörung systematisch angefangen hatten, aber zynischer Weise ist diese Agentur im Moment noch eine der "seriösen" und ich bin dankbar für jeden Cent, den irgendwelche Bildnutzungen mehr kosten. Das ist nicht anders als die Diskussion um die Milchbauern, welche von ihren Erzeugnissen kaum noch leben können. Das allerletzte was Kultur braucht, ist "umsonst" zu sein.
Wunderhorn 29.07.2016
5. Jeder Kreative
weiß eigentlich inzwischen, daß man sich von diesem Verein fernhalten sollte. Ich kenne auch Leute, die diesen Betrügern zum Opfer gefallen sind. Das sind alles keine Einzelfälle mehr. Es ist ein Geschäftsmodell.
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