Gezielte Werbung: Experten kritisieren Schnüffel-Passus von StudiVZ

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Das Studentennetzwerk StudiVZ will seinen Nutzern personalisierte Werbung präsentieren - und ändert dafür die Geschäftsbedingungen. Wer nicht zustimmt, fliegt raus. Experten zweifeln an der Gesetzesmäßigkeit der Methode – man dürfe Nutzer nicht zur Selbstentblößung zwingen.

Helle Aufregung in Deutschlands größter Online-Gemeinschaft. Das Studenten-Netzwerk StudiVZ will sich von seinen Mitgliedern personalisierte Werbung erlauben lassen. Die neuen Regeln sorgen für Verwirrung: "Welt Online" spekuliert, dass StudiVZ womöglich Nutzerdaten an Dritte verkaufen will, und FDP-Innenexpertin Gisela Piltz spricht von einem "Daten-Supergau".

StudiVZ-Profil: Unternehmen sollen hier gezielt werben

StudiVZ-Profil: Unternehmen sollen hier gezielt werben

StudiVZ-Sprecher Dirk Hensen hält im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE dagegen: "Für uns ist der Schutz der persönlichen Daten unserer Mitglieder das höchste Gut unserer Community – das bringen wir auch durch die neuen AGB und Datenschutzregelungen ganz klar zum Ausdruck."

Dort heißt es, dass StudiVZ auch nach den neuen AGB die Nutzerdaten nicht ohne zu fragen "an werbetreibende Unternehmen" weitergeben könne. Und: Es werde "bei StudiVZ niemals eine optionale Freigabe der Nutzerprofile an Dritte geben". StudiVZ-Pressesprecher Dirk Hensen sagt im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE: "Es stimmt, dass wir unsere Mitglieder-AGB ändern. Es stimmt nicht, dass wir persönliche Daten verkaufen."

Konkret sollen nur diese Informationen genutzt werden: Alter, Geschlecht, Wohnort, Uni-Standort, Fachrichtung. Keiner der Werbekunden werde direkten Zugriff auf die Nutzerdaten haben - auch nicht in anonymisierter Form, versichert StudiVZ-Sprecher Hensen. Die an Mitglieder verschickten AGB-Änderungen stützen diese Aussage. Doch völlig eindeutig scheint das alles trotzdem nicht zu sein.

SPIEGEL ONLINE hat die neuen StudiVZ-Bestimmungen (fast 40.000 Zeichen Text) mehreren Rechtsanwälten vorgelegt, die sich auf Datenschutz und IT-Recht spezialisiert haben. Ergebnis: So eindeutig wie StudiVZ findet die Regeln niemand. Und dass Datenschutz in den neuen Geschäftsbedingungen als das höchste Gut hochgehalten wird, kann auch keiner der Rechtsanwälte erkennen.

SPIEGEL ONLINE dokumentiert die Bedenken der Datenschutz-Kenner

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Forum - Personalisierte Werbung - schnüffeln pur oder gute Geldquelle?
insgesamt 143 Beiträge
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1.
DJ Doena 14.12.2007
Typisch: Alles für umme haben wollen, dann aber nicht mal die Werbung schlucken wollen.
2.
petenicker 14.12.2007
Hat irgendjemand ernsthaft daran geglaubt, Holtzbrinck hätte StudiVZ aus Jux und Dollerei gekauft?! Aber ich mache mir wenig Sorgen, die deutschen StudiVZ-Nutzer werden das im Gegensatz zu ihren Facebook-Kollegen schlucken.
3. Wozu denn auch verstecken?
maurison07 14.12.2007
Die Panik vor dem Missbrauch von persönlichen Daten ist sehr künstlich. Wir wollen alle alles im netz finden und mir sind personalisierte = auf mich zugeschnittene Spam-mails genau so egal wie unpersonalisierte, die lande sowieso alle im Filter. Die Sache ist doch die, dass der Wert, den die Communities schaffen z.Bsp. für mich höher ist, als mein Aufwand. Bei XING (www.xing.com) zahle ich für die Dienste, die mir auch nützen, bei Communities die ohne Beiträge laufen, ist Werbung doch ein gutes Refinanzierungsinstrument. Und neben kaioo, das als beta irgendwie immer noch schleppend läuft, gibt es auch schon communities, die Werbegeld wieder an user ausschütten (www.dshini.net) und laufen.
4. Lösung: Adblock Plus benutzen
chili_con_carne 14.12.2007
Da hilft nur der konsequente Einsatz von Werbeblockern. Für den Firefox gibt es die Erweiterung "Adblock Plus", damit ist werbung schnee von gestern.
5. Studi VZ hat Protestierer rausgeschmissen
Winston Smith 14.12.2007
"Doch bislang sind die Proteste ausgeblieben - obwohl StudiVZ sein Vorhaben schon vor Monaten angekündigt hat." Hallo Spiegel Online. Meines Wissens nach hat Studi VZ einer Gruppe, die sich gegen die komerzielle Erfassung ihres Privatlebens und den Missbrauch ihrer Daten wehren wollte, die Mitgliedschaft gekündigt. Die Kündigungen erfolgten dabei sehr geschickt über einen Zeitraum von mehreren Wochen verteilt, so dass die Gruppe nicht insgesamt angegriffen wurde. Außerdem ist es seit ein paar Monaten verboten, ein Foto einzustellen, auf dem das Gesicht des Nutzers nicht vernünftig zu erkennen ist (!). Auch wenn jemand sich nicht mit seinem richtigen Namen anmeldet, sondern nur mit Spitznamen oder Spaßadressen (Malediven, Hawaii etc.) angezeigt wird, droht der Rausschmiss. Da könnte es sich lohnen, sich mal umzuhören. Werbung meinetwegen, aber diese Totalerfassung geht zu weit! Vor allem kann jeder Terrorist oder finstere Lobbyist/Politiker auch bei den Adresshändlern (oder besser: privaten Geheimdiensten) einkaufen.
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