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"Girls and Guns": Schwer bewaffnet, leicht bekleidet

Abseitige Videos von leicht bekleideten Frauen, die mit Maschinengewehren feuern, erfreuen sich unter Amerikas Waffennarren seit langem einiger Beliebtheit. Jetzt gibt es "Girls and Guns" als kommerzielle Web-Reality-Show.

Die Szene gehörte zu den großen Lachern in Quentin Tarantinos Film "Jackie Brown" (1995, mit Pam Grier, Samuel L. Jackson, Robert De Niro u.a.): Da sieht man auf einem Fernsehschirm ein völlig abseitiges Programm, in dem rudimentär bekleidete Frauen mit schweren Maschinengewehren irgendwelche Ziele beharken. Otto-Normaleuropäer freut sich da über die Auswüchse der verrückt erscheinenden Waffen-Manie der Amerikaner und verbucht es als zumindest denkbar, dass es solche Videos wirklich geben könnte.

Die leicht elitäre Attitüde ist aber wohl kaum berechtigt: Für Mädels mit Maschinengewehren gibt es offenbar ein durchaus grenzüberschreitendes, vielleicht gar weltweites Interesse. Wer sich bei Google nach Stichworten wie "Girls and Guns" umschaut, stößt auf etliche Seiten - und die meisten davon könnte man in einem Publikumsangebot wie SPIEGEL ONLINE kaum verlinken. Schnell lernt man, dass der Bikini als Dresscode bei der Ballerei durchaus noch als zurückhaltend verbucht werden kann.

Denn so, wie sich zahlreiche Männer auch dafür begeistern können, dass leichtbekleidete Damen in Schlammmassen festgefahrene Autos stöckelschuhbewehrt aber technisch ahnungsfrei zu befreien versuchen (siehe 2. Bildergalerie), so gibt es offenbar tatsächlich auch ein weltweites, zahlungsbereites Publikum, das bereit ist, für die Schießübungen der leichtbekleideten Amazonen zu bezahlen.

"Girls and Guns", eine der prototypischen Produktionen dieser Provenienz, bohrt das Format nun auf: Als "Web-Reality-Show" verknüpft es die Ballerszenen nun in bester Porno-Manier mit einer Art Alibi-Handlung, in der die knappstmöglich bekleideten Schützinnen in einer Art Dschungelcamp um ein Preisgeld von 5000 Dollar kämpfen - ein Wunder, dass Endemol oder RTL da noch nicht drauf gekommen sind.

Klar ist das alles Zockerei und Fake, was allein schon die Grundqualifikationen der Mädchen klar machen: Die müssen neben einer gewissen Waffenbeherrschung vor allem physische Eigenschaften mitbringen, um die zahlende Kundschaft bei Stange zu halten. Der bietet der Anbieter allerdings auch Alternativen, falls ihm das Geballer zu langweilig wird: Teil des halbseidenen Angebotes sind unter anderem auch Übertragungen von Hahnenkämpfen aus Puerto Rico - Trash-Entertainment unterster Schublade eben, für Zielgruppen, deren Interessen schon aus legalen Gründen normalerweise nicht bedient werden.

pat

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