Geoblocking in der EU Ab Ostern muss Netflix grenzenloser streamen

Ein deutsches Abo bei Netflix oder SkyGo war im EU-Ausland bisher nur eingeschränkt nutzbar. Das ändert sich jetzt. Aber manchen geht der Schritt noch nicht weit genug.

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Das bisherige Geoblocking bekommt rechtliche Grenzen: Am Ostersonntag tritt eine neue EU-Regel in Kraft, wonach Anbieter von kostenpflichtigen Abos wie Netflix, SkyGo oder Spotify ihren Kunden auf Reisen im EU-Ausland Zugriff auf die Inhalte ihres Heimatlandes gewähren müssen.

Wer zum Beispiel in Deutschland ein Netflix-Abo abgeschlossen hat und nach Dänemark, Spanien oder in ein anderes EU-Land fährt, bekommt beim Log-in alle Filme und Serien zu sehen, die ihm auch in Deutschland zur Verfügung stehen.

Bisher ist das aufgrund des sogenannten Geoblockings nicht der Fall. EU-Bürger konnten im EU-Ausland zum Teil nur andere Inhalte oder gar keine Inhalte der von ihnen abonnierten Dienste nutzen. EU-Digitalkommissarin Marija Gabriel sprach am Dienstag daher von einer "virtuellen Erweiterung" des Reisegepäcks.

Die neue Regel soll für Reisende gelten, die sich für eine begrenzte Zeit im Ausland aufhalten. Die Abo-Preise dürfen dabei nicht angehoben werden. Anbieter von kostenlosen Inhalten fallen nicht unter die neue Regel - können sich ihr aber anschließen.

Streaming ist noch längst nicht grenzenlos

Aus Sicht von Verbraucherschützern ist die Verordnung ein "sehr wichtiger Schritt". In der Vergangenheit seien Online-Abos "aufgrund überholter Copyrightregeln wertlos" gewesen, sobald Nutzer die Grenze zu einem anderen Land übertreten hätten, sagte Johannes Kleis, Sprecher des europäischen Verbraucherverbands BEUC.

Seiner Einschätzung nach sollte Nutzern aber grundsätzlich die Möglichkeit gegeben werden, auf Inhalte aus anderen Ländern zuzugreifen. Ein Deutscher solle in der Bundesrepublik etwa den britischen Bezahlsender Sky sehen können, wenn er bereit ist, dafür zu zahlen.

SPD-Europapolitiker Tiemo Wölken nannte die neue Regelung "verbraucher- und bürgerfreundlich". "Es ist absurd, dass die Anbieter bisher digitale Inhalte, die grundsätzlich schnell und einfach übertragbar und verfügbar sind, in nationale Schranken verweisen", sagte das Mitglied des Rechtsausschusses. "Den Menschen steht derselbe Leistungsumfang ihres bezahlten Abos auch im EU-Ausland zu."

pbe/dpa



insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
anselmwuestegern 27.03.2018
1.
Der Schuss kann auch nach hinten losgehen. Bsw. kann ich bei Netflix bisher im Ausland auf Angebote zurückgreifen, die im Inland nicht nutzbar sind. Das könnte mit dieser Regelung ausgehebelt werden. Deutsche erhielten dann überall in der EU nur das deutsche Angebot, Niederländer nur das niederländische usw...
lincoln33t 27.03.2018
2. Endlich!
es ist schon lang überfällig, dass die digitalen Grenzen auch endlich verschwinden. Jetzt muss man schon in der EU keine Pässe an den Landesgrenzen vorzeigen aber im Internet stößt man immer noch auf digitale Mauern, sehr traurig.
gersois 27.03.2018
3.
Und was ist mit den anderen Videos? Von SPON oder der ARD? Sobald man im Zweitwohnsitz außerhalb der BRD weilt, wird häufig geblockt! Das nennt sich dann europäische UNION oder vereintes Europa.
realist4 27.03.2018
4. Wo zu Sky go?
Als ich im Urlaub Sky go schauen wollte, war ich sehr überrascht, dass dies nicht möglich war. Ich habe das deutsche Sky bezahlt und erwartete die entsprechende Leistung. Es ist doch wirtschaftlich für den Sender absolut sekundär, wo ich das deutsche Programm anschaue, für welches ich bezahlt habe. Jährliche Preiserhöhung bei ständig reduzierter Leistung werde ich nicht mehr akzeptieren.
schluckspecht 27.03.2018
5. Wäre aber ok.
Zitat von anselmwuestegernDer Schuss kann auch nach hinten losgehen. Bsw. kann ich bei Netflix bisher im Ausland auf Angebote zurückgreifen, die im Inland nicht nutzbar sind. Das könnte mit dieser Regelung ausgehebelt werden. Deutsche erhielten dann überall in der EU nur das deutsche Angebot, Niederländer nur das niederländische usw...
Das Netflix im Ausland das lokale Progamm zugänglich macht ist nett von Netflix aber nicht deren Pflicht. Bei amazon prime kann ich in UK mit meinem deutschen Konto gar nix gucken. Theoretisch könnten Sie sich dann in Zukunft bei Netflix aussuchen welches oder welche Landesabo(s) Sie abschliessen und die ortsunabhängig nutzen. Praktisch wird Netflix voraussichtlich dann nur noch einen EU Zugang anbieten. Und auch das ist IMO ein grosser Fortschritt. Wäre schön wenn das noch ausgeweitet würde, das war immer meine Hoffnung an TTIP.
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