Routenplaner im Web: Google sichert sich den Nahverkehr

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Berlin und München haben schon unterschrieben, Hamburg und Frankfurt verhandeln noch: Nach den Fahrplänen der Deutschen Bahn holt sich Google auch den Nahverkehr ins Angebot. Für den Web-Konzern sind die Deals ein Erfolg gegen den Rivalen Apple.

Google Transit: Fahrplandaten nicht für alle Fotos

Hamburg - Google Chart zeigen zeigt auf seinen Online-Karten seit dieser Woche auch Bahnverbindungen in Deutschland an. Das ist konsequent, soll doch der digitale Assistent Google Now, der auf Android-Tablets und Smartphones läuft, in allen Lebenslagen den richtigen Weg weisen. Bisher allerdings werden nur Verbindungen der Deutschen Bahn angezeigt, was für den Fernverkehr funktioniert, aber vor allem innerhalb von Städten zu unbrauchbaren Ergebnissen führt. Dabei verhandelt Google seit Jahren mit Nahverkehrsbetrieben und hat zum Teil auch schon Verträge abgeschlossen.

"Schade um diesen Start", sagt Peter Vollmer vom Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV). Google und die Deutsche Bahn seien vorgeprescht, ohne die Verhandlungen mit dem RMV und anderen Unternehmen abzuschließen. Die Folge: "Auskünfte, die gelinde gesagt nicht praxisnah sind. Damit erweist man dem öffentlichen Verkehr und unseren Kunden einen Bärendienst."

Dabei habe der RMV ein großes Interesse daran, dass die Nutzer auch die Frankfurter S- und U-Bahnen finden. Vollmer: "Wir gehen davon aus, dass sich das jetzige Angebot in gemeinsamer Anstrengung aller Beteiligten im Sinne unserer Kunden verbessern wird." Auch Google erklärt, man hoffe, bald weitere Daten integrieren zu können. Später sollen auch aktuelle Informationen wie Baustellen oder Verspätungen hinzukommen, vorerst gibt es nur "Soll"-Fahrpläne.

München und Berlin haben unterschrieben

Die Verhandlungen mit den Nahverkehrsbetrieben laufen in Deutschland seit zwei Jahren, zum Teil gibt es auch schon Vereinbarungen. Mit dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) zum Beispiel, oder mit der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG). Die Münchener haben ihre Fahrplandaten bereits an Google geliefert. Anfang Dezember, zum Fahrplanwechsel, soll das Angebot über Google Maps verfügbar sein.

Google bietet den Bahnbetreibern an, Fahrplandaten in die Routenplanung aufzunehmen. Dazu müssen diese allerdings in einem bestimmten Format vorliegen, nach der General Transit Feed Specification (GTFS), die Google maßgeblich entwickelt hat und ursprünglich auch nach dem Konzern benannt war - aus "Google" wurde später "General". In den USA wird das Daten-Austauschformat bereits von rund 250 Verkehrsbetrieben genutzt, die ihre maschinenlesbaren Fahrpläne öffentlich zur Verfügung stellen, nicht nur ausgewählten Unternehmen.

Die Deutsche Bahn liefert ihre Fahrpläne nun ebenfalls in diesem offenen Format aus - allerdings nur an Google. Bisher gibt es hierzulande nur zögerliche Schritte in Richtung Open Data. Ob nun Berlin, Hamburg, Frankfurt, München oder die Deutsche Bahn: Die Verkehrsgesellschaften wollen die Kontrolle darüber behalten, wer ihre Fahrplandaten wie nutzt.

Keine offenen Schnittstellen

Dem Charme von Google, oder besser gesagt der Marktmacht, wollen sie sich nicht entziehen. Ein Mustervertrag, der vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und Google ausgehandelt werden sollte, ist allerdings bisher nicht zustande gekommen. Man habe sich über Details nicht einigen können, sagt VDV-Sprecher Lars Wagner. Vor einigen Monaten seien die Gespräche gescheitert. Nun verhandeln Unternehmen und Verkehrsverbünde einzeln.

Dabei geht es nicht um Geld. "Weder Google zahlt für Fahrplandaten, noch zahlen die Verkehrsbetriebe Google für die Weiterleitung von Kunden", sagt Google-Sprecherin Lena Wagner. Dabei sind die Fahrplandaten für Google wertvoll, der Konzern kann sich von Apple Chart zeigen absetzen, dem anderen Tech-Riesen, der mit seinem eigenen digitalen Assistenten namens Siri in allen Lebenslagen helfen soll.

Bei Demonstrationen seines neuen Dienstes Google Now führt der Web-Konzern stets solche Beispiele vor: Auf Ihrer Stammstrecke herrscht Stau, mit dieser Bahn kämen Sie trotzdem pünktlich. Bisher ist das Google-Angebot zwar enttäuschend, doch nach jahrelangen Verhandlungen könnte der lückenhafte Start des Angebots zur Beschleunigung der Gespräche führen.

Letztlich könnte die aufwendige Google-Überzeugungsarbeit auch anderen Suchmaschinen und Diensten etwas bringen. Denn sind die Schnittstellen einmal eingerichtet, hindert die Verkehrsbetriebe nichts daran, auch mit anderen Unternehmen Fahrplan-Lieferverträge abzuschließen. Google würde es unterstützen, wenn die sogenannten GTFS-Feeds öffentlich gemacht werden, sagt Wagner. "Aber die Entscheidung liegt selbstverständlich bei den Verkehrsbetrieben." Die allerdings könnten ihre Daten auch an Apple oder Microsoft liefern.

Aber nur auf Vertragsbasis: Der VBB etwa stellt seine Daten für Auskunfts-Apps bereit, eine generelle Freigabe der Daten werde derzeit intensiv diskutiert, teilt ein Sprecher mit. "Eine Entscheidung gibt es noch nicht." Der Hamburger Verkehrs Verbund (HVV) hat sich entschieden: Auch die Hamburger verhandeln derzeit noch mit Google, möchten nicht, dass der Konzern Fahrplandaten zu Werbezwecken nutzt oder an kommerzielle Anbieter weitergibt. Eine offene Schnittstelle kommt deshalb nicht in Frage.

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insgesamt 23 Beiträge
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1.
ralf_si 20.09.2012
Zitat von sysopIn den USA wird das Daten-Austauschformat bereits von rund 250 Verkehrsbetrieben genutzt, die ihre maschinenlesbaren Fahrpläne öffentlich zur Verfügung stellen, nicht nur ausgewählten Unternehmen. Google bekommt Fahrpläne für den Nahverkehr - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,856802,00.html)
^^ Genau solch eine Meldung wünsche ich mir, anstatt das Google sich wieder etwas unter den Nagel reißt bzw. sich Unternehmen (wie die DB) sich ausschließlich diesem Konzern angliedern.
2. Zugauskünfte nicht optimal
hermannsson 20.09.2012
Versucht man von Bad Homburg v.d.H nach Betzdorf(Sieg) eine Zugverbindung um c. 17 Uhr zu bekommen, schlägt Google immer die zeitlich viel aufwändigere ICE Verbindung über Siegburg vor anstatt auch mal die HLB Verbindungen, die ja auch im DB Fahrplan auftauchen, zu nehmen. Da gibt es noch viel zu tun.
3. Geiler Service von Google
jan.dark 20.09.2012
ich fidne das geil, was Google da macht. Habe gerade mal Transit in New York geprüft für eine Reise von einer Location in Brooklyn zum weissen Haus in Washington D.C. U-Bahn, Zug, Bus exakt drin. Genau die Strecke, die ich auch gefahren bin. Für Weltenbummler/Reisende/Touristen ist das ein tollfer Serivce. Ich finde es schrecklich, dass die Deutschen jahrelang zum Verhandeln brauchen, nicht zu Potte kommen und dann öffentlich weinen, dass sie nicht drin sind. Deutsch Sklerose wie in vielen Dingen, die das Internet betreffen. Bei https://netzpolitik.org/2012/openplanb-open-data-aktivisten-veroffentlichen-fahrplandaten-des-deutschen-fernverkehrs/ haben die OpenStreetMaps-Fans geweint, dass die Bahn nicht auf sie zukommt mit Fahrplänen, obwohl die Routing nicht mal im Standard-Service drin haben. Google macht einen guten, nützlichen Job. Die näcshten Schritte sollten sei: 1.) Fahrkarten für die gewählte Route besorgen und 2.) Google Maps für iOS 6 bereitstellen :-)
4. Ich meine auch ...
discotieren 20.09.2012
... es reicht, wenn Google zukünftig anhand der Datennutzung durch uns erfährt, wann wir wohin wollen ... frei nach dem Motto des Google-Chefs Eric Schmidt: "Wir wissen, wo du bist. Wir wissen, wo du warst. Wir wissen mehr oder weniger, worüber du nachdenkst." - SPIEGEL Online Zitate.
5.
tubaner 20.09.2012
@Redaktion Was so ein fehlendes Wort im letzten Absatz ausmachen kann: ---Zitat--- Auch die Hamburger verhandeln derzeit noch mit Google, möchten nicht, dass der Konzern Fahrplandaten zu Werbezwecken nutzt oder an kommerzielle Anbieter weitergibt. Eine offene Schnittstelle kommt deshalb *nicht* in Frage. ---Zitatende--- Bei OpenData hinken wir den Amerikanern leider Jahre hinterher. Warum deutsche Verkehrsunternehmen ihre potenziellen Kunden zwingen die firmeneigenen oft schlecht programmierten und unübersichtlichen Fahrplanauskünfte zu nutzen erschließt sich mir nicht. Jede zusätzliche Website oder App ist doch kostenlose Werbung für das eigene Angebot, bei entsprechender Lizenz sogar mit Link auf die eigene Website. Was will man denn mehr?
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