Netzwelt-Ticker: Google staucht den Kölner Dom
Köln schäumt: In Googles "Weltwunder"-Schau ist der Dom verkrüppelt, und das ist offenbar nicht so einfach zu beheben. Außerdem im Überblick: Staatsanwälte finden die Megaupload-Datenbanken zu groß, und Donald Ducks Datenbank wurde gehackt.
Ende Mai klopften sich die Google-Macher kräftig auf die Schultern, als sie ihr Kulturprojekt "World Wonders" herausbrachten, das 132 herausragende (Natur-)Denkmäler in 18 Ländern mit Street-View-Technik weltweit zugänglich machen soll. Zum den gezeigten Sehenswürdigkeiten gehört auch das Weltkulturerbe Kölner Dom. Allerdings bekommen Besucher des Angebots nur eine merkwürdig gestauchte Version der gotischen Kathedrale zu sehen. Zudem besteht die Frontansicht aus stümperhaft zusammengefügten Einzelaufnahmen. In der Domstadt erhob sich sofort ein Sturm der Entrüstung. Der Kölner "Express" zeigte die Aufnahmen der Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner, und die war entsetzt: "Das ist ja furchtbar, einfach grauenhaft! Wenn man den Menschen die Wunder der Welt nahebringen will, sollten die Abbildungen auch etwas mit der Wirklichkeit zu tun haben." Die Chefin der Kölner Dombauhütte will dem Suchmaschinenbetreiber nun einen gesalzenen Brief schreiben.
Grund für den verhunzten Dom sind die engen Straßen in seiner Umgebung. Das Bauwerk war schlicht zu hoch, als dass es Googles Kamerawagen auf eine Aufnahme bekommen hätten. Google-Deutschland-Sprecher Stefan Keuchel konnte nur halb zur Beruhigung beitragen. Das Projekt werde weiter ausgebaut, neue Weltwunder würden veröffentlicht: "Wir hoffen, dass wir im Zuge eines solchen Updates bald auch den Kölner Dom in seiner echten ganzen Pracht zeigen können", so das Versprechen. Heißt im Klartext, dass Google derzeit daran scheitert, was Tausenden Hobbyknipsern jeden Tag gelingt. Um das noch einmal überdeutlich zu machen, rief das WDR-Lokalfernsehen am Dienstag seine Zuschauer auf, ihre Fotos vom Kölner Dom auf der Sender-Webseite hochzuladen. Schon bald waren Dutzende Bilder aus allen Perspektiven zu sehen und vor allem: Der Kölner Dom sieht dort ganz unzerknautscht aus.
Megaupload-Datenbanken "zu groß" für Staatsanwaltschaft
Der an Überraschungen nicht arme Prozess der amerikanischen und neuseeländischen Behörden gegen den stillgelegten File-Hoster Megaupload ist um ein Volte reicher. Erst letzte Woche hatte ein Bezirksrichter in Auckland die Staatsanwaltschaft dazu verdonnert, innerhalb von drei Wochen Beweismaterial vorzulegen, das die erhobenen Vorwürfe von Urheberrechtsverletzungen gegen Megaupload untermauert. Dieser Zeitraum reiche auf keinen Fall aus, erklärte nun die neuseeländische Staatsanwaltschaft, die verordnete 21-Tage-Frist sei "unrealistisch". Kronanwalt Fergus Sinclair verwies darauf, dass selbst das FBI an der schieren Größe der Server gescheitert sei. Megaupload habe beim Dienstleister insgesamt 18 der Speicherzentren gemietet, doch die Datenmengen seien so riesig gewesen, dass das FBI nur das Material von zweien hätte kopieren können.
Quickoffice gehört jetzt zu Google
Besitzer von iPhones kennen die mobilen Office-Lösungen von Quickoffice genauso wie Android-Nutzer oder Anwender von HPs WebOS oder Symbian. Angeblich ist die Software auf über 300 Millionen Geräten installiert. Nun hat Google das texanische Unternehmen aufgekauft, das Programm wird enger ins hauseigene App-Angebot eingebunden. Die Quickoffice-Angestellten werden unter dem neuen Dach weiterbeschäftigt, verkündete Google-Direktor Alan Warren im Unternehmensblog.
Auch das noch:
- Piraten arbeiten an der eigenen Demontage. Als ob der ständige Zoff in der Piratenpartei nicht schon genügt, hat der Parteivorstand nun eine ironisch gemeinte Beschlussvorlage online gestellt, die bei näherem Hinsehen ziemlich albern wirkt. Es solle einen neuen Geschäftsbereich "Schuld" geben, Begründung: "Schuldige werden immer gebraucht. Durch die Festlegung per Geschäftsverteilung lassen sich außerdem die rituellen Beschimpfungen besser konsolidieren." Das Echo ist nicht unbedingt positiv. Mitinitiatorin Julia Schramm fand zwar, der Antrag habe sich "gelohnt", andere empfehlen der Partei hingegen "einen ganzen Haufen an Supervision. Am besten täglich". Das scheint inzwischen auch den Verantwortlichen in Berlin zu dämmern. Der Antrag wurde wieder zurückgezogen.
- Der Trololo-Mann ist tot, doch die Erinnerung an ihn wird weiterleben. Damit das auch so bleibt, haben die Dorfväter von Rajewski, einem 20.000-Einwohner-Ort in Baschkortostan, entschieden, eine Straße nach dem einstigen Sowjet-Sänger zu benennen. Allerdings mit seinem richtigen Namen, Eduard Khil.
- Donald Ducks Datenbank gehackt. Die Login-Daten von 24.000 Fans von Micky Maus und Donald Duck gerieten am Montag in die Hände von Hackern. Das Ziel der Attacke war die Webseite zur "Lustiges Taschenbuch"-Reihe. Der Ehapa-Verlag rät nun allen Betroffenen, schleunigst das Passwort zu ändern.
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- Mittwoch, 06.06.2012 – 15:34 Uhr
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- Richard Meusers sitzt im Garten und sieht seinen Blumen beim Wachsen zu. Ansonsten hat er ein Auge auf Digitales und Mediales.

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