Google-Coup Zehn Millionen historische Fotos im Web

Das Konterfei von Königin Victoria, die Ermordung John F. Kennedys, Neil Armstrongs Fußabdruck auf dem Mond - es gibt Bilder, die haben sich tief ins kollektive Gedächtnis eingebrannt. Das "Life"-Magazin öffnet nun seine Archive - und stellt zehn Millionen Bilder kostenfrei ins Netz.


Googles Fotosuche wurde soeben kräftig aufgestockt: Zehn Millionen Fotos des legendären US-Magazins "Life" sollen dort frei zugänglich ins Internet gestellt werden. Das gab der Medienkonzern Time am Dienstag in New York bekannt. Sämtliche Archivbestände von "Life" sollen demnach für den persönlichen Gebrauch von Internet-Nutzern zugänglich sein, das Copyright bleibt jedoch bei Time. Die Informationen zu den Bildern enthalten Kontaktdaten, über die man kommerzielle Nutzungen beantragen kann.

Google bietet eine "Life"-Archiv-Unterseite zur normalen Bildersuche an. Das erleichtert den Zugang, solange man sich nur stöbernd durch die "Life"-Bestände klickt. Als Schnittstelle zum Archiv ist es jedoch nicht optimal: Jede Suche über die Suchmaske führt dazu, dass die "Life"-Bilder im erfassten Bildbestand des Internets aufgehen - und der umfasst allein bei Google über eine Milliarde Bilder.

Einengen kann man die Suche über den Befehl "source:life" in Kombination mit Suchworten, wenn man nur innerhalb der historischen Bildbestände suchen möchte. Schwer ist das nicht, aber umständlicher, als es der Web-Nutzer auch von Google gewöhnt ist.

Toll bleibt das Angebot trotzdem. Zwar stellen andere Archive, wie beispielsweise das der Nasa oder das Archiv der Library of Congress, ihre Bestände weit geordneter und leichter erschließbar ins Netz. Doch quantitativ sowie im Hinblick auf die erfasste Themenbreite kann derzeit wohl kein öffentlich zugängliches digitales Archiv mit dem "Life"-Google-Angebot mithalten.

Schatzkiste mit leicht erschwertem Zugang

Veröffentlicht werden Bildbestände aus den Jahren von 1860 bis in die Siebziger, eine fast lückenlose fotografische Chronik der Zeitgeschichte aus amerikanischer Sicht. Etwas weniger reichhaltig, aber immer noch außergewöhnlich umfangreich sind die Bildbestände, wenn es um Themen außerhalb der USA geht, wie Stichproben zeigen: Konrad Adenauer ist bisher rund 200 Mal vertreten, Willy Brandt ist auf 159 Bilddokumenten zu sehen. Noch sind die Archivbestände nicht vollständig veröffentlicht: Bisher sollen nur rund 20 Prozent online sein.

Qualitativ braucht sich das Angebot auch nicht zu verstecken. Time und Google bieten die Scans in einer Web-typischen Auflösung von 72 dpi und einer respektablen Größe bis circa 900 mal 1300 Pixel an. Für Web-Zwecke reicht das, und für mehr ist es ja auch nicht gedacht: Freigegeben sind die Bilder nur für den persönlichen Gebrauch, nicht für die kommerzielle Nutzung. Alle Bilder tragen in ihrer Großversion am Rand ein "Life"-Wasserzeichen.

Zu den bekannten Fotografen, die für "Life" arbeiteten, gehören Alfred Eisenstaedt, Margaret Bourke-White, Gordon Parks und W. Eugene Smith. Auch der Amateurfilm von Abraham Zapruder über die Ermordung von US-Präsident John F. Kennedy gehört zum Bestand.

Der Zugriff auf die zehn Millionen Fotos soll in den kommenden Wochen sukzessive gewährleistet werden. Laut Time wurden 97 Prozent der Bilder noch nie der Öffentlichkeit präsentiert.

pat/AFP

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