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Google Earth Outreach: Gute Taten vom Web-Giganten

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Google will Gutes tun - so lautet zumindest das Firmenmotto: "Outreach" soll das beweisen. Gemeinnützigen und Hilfs-Organisationen sollen die Möglichkeiten von Google Maps und Earth zugänglich gemacht werden- im Dienst der guten Sache und zum Imagegewinn des Internet-Giganten.

Das ist ein großes Problem für viele gemeinnützige Organisationen: Wie macht man ohne Marketingbudget möglichst viele Leute auf seine Absichten aufmerksam und begeistert sie für die eigenen Ziele? Sei es die Beendigung der Regenwald-Abholzung in Brasilien, die Gleichberechtigung von Frauen in Europa oder die bedrohten Meeresschildkröten in Westaustralien. Ohne viel Geld und reichlich Personal, so die ernüchternde Feststellung vieler Organisationen, erreicht man nicht genug Menschen, die auch zuhören wollen.

Earth Outreach, ein in den USA bereits seit Juni 2007 aktives Benefiz-Programm des Google-Konzerns, soll Nichtregierungsorganisationen (NGOs) bei der Überwindung genau dieses Problems helfen. Die Maps- und Earth-Dienste, meint Google, seien dafür genau die richtigen Werkzeuge – und lieferten dazu Abermillionen Google-Nutzer als potentielle Unterstützer. Menschenrechts- und Umweltschutzorganisationen in den USA nehmen das Angebot dankbar an: Das Ganze ist natürlich ein Deal zum allseitigen Vorteil, denn auch Google muss inzwischen um Sympathiepunkte kämpfen.

Vorgeschichte

Als im August 2005 der Hurrikan "Katrina" die Golfküste der Vereinigten Staaten teilweise schwer verwüstete, arbeitete Google mit der National Oceanic & Atmospheric Administration (NOAA), der Wetter- und Ozeanografiebehörde der Vereinigten Staaten, zusammen. Google band in Echtzeit Bilder der Flut in den kostenlosen digitalen Globus Google Earth ein und half so der Küstenwache, Flutopfer aufzuspüren und zu retten.

Die Rettungskräfte riefen per Laptop die neuesten Informationen über eingestürzte Brücken, überflutete Straßen oder Orientierungspunkte im Chaos ab. Aus dem ganzen Land kamen Kräfte hinzu, die sich so mit der Gegend vertraut machen konnten, bevor sie nach gestrandeten Menschen suchten. Die Geburt einer guten Idee.

Hinter dem Projekt steht Rebecca Moore, die Outreach in Deutschland vorstellte: "Da hat es beim Google-Earth-Team Klick gemacht!"

Bei Google können die Mitarbeiter einen Arbeitstag pro Woche für ein eigenes Projekt verwenden. Mitunter entstehen dabei neue Projekte, die Google zu neuen Geschäftsfeldern macht - oder aus anderen Gründen unterstützt. Moore, die sich selbst als flammende Umweltschützerin bezeichnet, suchte sich Google Earth als Plattform für wohltätige Organisationen aus.

Und stieß auf Begeisterung: Zahlreiche NGOs binden bereits weiterführende Informationen, Videos, Interviews, Vorher-Nachher-Satellitenfotos in Google Earth ein. Im "Ebenen"-Menü können Google-Earth-Nutzer die "Globales Denken"-Hotspots unter anderem von Greenpeace, dem Jane-Goodall-Institut und Unicef einblenden. Kleine Logos lenken dann den Blick auf Umweltzerstörung, Menschenrechtsverletzungen und Schutzprojekte. Auch deutsche NGOs sollen jetzt mitmachen.

Deutsche NGOs: teils skeptisch, aber willig

Doch die wollen zunächst einmal vom Angebot und dem Wohlwollen des Internetriesen überzeugt werden. Google lud sie ins Hamburger Hauptquartier ein, um bei Schnittchen und Kaffee Präsentationen und Workshops von der "Macht des Geotaggings" zu erzählen.

Für Anna Lena Göttsche, Vorstandsvorsitzende von Terre des Femmes, könnte Google Earth Outreach vor allem eine gute Möglichkeit sein, mit wenig Geld– und Personalaufwand viele Menschen zu erreichen: "Google kostet nichts und wer kennt Google nicht?" Sollte Terre des Femmes bei Outreach aktiv werden, erhofft sie sich mehr Besucher ihrer Website und letztlich auch mehr Spenden. Dabei wäre Google Earth aber nicht nur eine Werbeplattform für ihren Verein. "Probleme sichtbar machen, Interesse schüren – das zeigt schon Wirkung."

Auch Reinhard Behrend, Vorsitzender des Vereins Rettet den Regenwald, ist von der Nützlichkeit des Google-Programms überzeugt. "Wir nutzen diese moderne Technik, denn Kommunikation ist zentral für unsere Arbeit."

Doch für Behrend gibt es auch Kritikpunkte. In einer Fragerunde konfrontierte er die Google-Mitarbeiter mit den Werbeanzeigen für Tropenholz, die Google im Rahmen von Google Ads anzeigt: "Das ist zwar legal, aber moralisch ist das nicht!"

Wenn Google sich schon so öffentlichkeitswirksam für den Umweltschutz einsetze, dann dürfte man nicht auf der anderen Seite mit der Umweltzerstörung auch noch Geld verdienen. Mitmachen will er trotzdem, denn an dem Suchriesen führe kein Weg vorbei. Damit könne man tatsächlich etwas bewegen und zum Beispiel Betroffenen vor Ort Mut machen: "Die Welt schaut zu, was bei Euch gerade passiert."

Denn egal, ob Google jetzt indirekt mit Tropenholz Geld verdient oder das ganze Programm nur als schöne PR-Aktion nutzt: Die Ergebnisse sind eindrucksvoll und bewegend.

Satellitenfotos dokumentieren die Zerstörung von Hunderten Dörfern in Darfur, die Sprengung von Berggipfeln in den Appalachen zum Kohleabbau und die fortschreitende Abholzung des Regenwaldes. Wer auf die kleinen Icons der NGOs klickt, wird mit Betroffenen und deren Geschichten konfrontiert. Und wer den Impuls verspürt, etwas gegen die Probleme zu tun, den holen die Organisationen noch in Google Earth ab. Oft schon einen Link später kann man aktiv werden, spenden, Mitglied werden. Denn das bezeichnete schon Dawid Bartelt, Pressesprecher von Amnesty International, als die Aufgabe von NGOs im Netz: Auf Probleme aufmerksam machen und den Leuten zeigen, wie sie helfen können.

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