re:publica-Kunstaktion Der große Google-Fake

Umarmungen für Fremde und eine persönliche Drohne für jeden: Auf der re:publica haben zwei angebliche Google-Vertreter neue Produkte vorgestellt. Dabei gibt es allerdings einen Haken.

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Fake-Website zur Präsentation: Google Nest
 

Fake-Website zur Präsentation: Google Nest


"Drohnen haben es gerade schwer", sagt Gloria Spindle, bevor sie ein neues Google-Produkt vorstellt: die Google-Biene. Die soll das Image der unbemannten Fluggeräte aufpolieren. Eine persönliche Drohne, die dem Nutzer bei Alltagsaufgaben helfen soll. Eines der Exemplare surrt auch schon über den Köpfen der re:publica-Besucher.

Die Dienstdrohne ist nur eines der phantastischen Produkte, die Spindle und ihr Kompagnon Paul von Ribbeck am Mittwochnachmittag auf der Berliner Netzkonferenz vorstellen. Phantastisch, weil sie nicht echt sind: Die Produkte gibt es nicht, auch die Namen der angeblichen Google-Mitarbeiter sind falsch. "Nur zur Klarstellung: Die Aktion ist eine Satire", hieß es umgehend von der Google-Pressestelle.

Hinter der Aktion stecken die Künstler des Peng! Collectiv, auf der Bühne vertreten durch Jean Peters und Faith Bosworth. Ihre angeblichen Google-Produkte sind nicht allzu abgefahren, die Vorstellung wird aufwendig inszeniert - so könnte Google wohl wirklich neue Produkte präsentieren. Und neben den vielen Unternehmen, die tatsächlich auf der re:publica vertreten sind, fällt der falsche Großkonzern nicht mal sofort auf. Auch die Fake-Website sieht schick aus.

"An Zynismus nicht zu übertreffen"

Der Suchmaschinenkonzern hat es derzeit nicht leicht in Deutschland. Die Nutzer sprechen Google zwar ihr Vertrauen aus, nutzen die Suche, YouTube und andere Angebote. In der öffentlichen Debatte ist der Konzern aber so etwas wie der Buhmann, wenn es ums Thema Datenschutz geht.

Neben Netzaktivisten beteiligten sich am Mittwoch auch Politiker am großen Google-Fake: Googles neueste Pläne seien an Zynismus nicht zu übertreffen, heißt es zum Beispiel in der Pressemitteilung einer Linken-Abgeordneten.

Außer einer Datenversicherung für Google-Nutzer zeigen die angeblichen Mitarbeiter noch einen Google Hug betitelten Dienst: Er soll automatisch in den Datenspuren aller Nutzer nach denjenigen Personen fahnden, die gerade eine Umarmung gebrauchen könnten. Das Smartphone soll automatisch erkennen, welche Grundbedürfnisse die Nutzer gerade haben.

Das Handy ruft nach Umarmung

So weit hergeholt ist dieser Ansatz allerdings gar nicht: Wer mit Fitnesstracker und Handy umherläuft, sammelt schon jetzt jede Menge Daten. Würde man die Daten analysieren, die sonst noch anfallen - Nachrichten, E-Mails, besuchte Webseiten - könnte man dem Innenleben der Nutzer schon sehr nahe kommen. Die Kunstaktion zeigt daher nicht nur, was für eine Macht Unternehmen wie Google haben, sondern auch, was staatliche Überwachung bedeutet; ob nun durch marodierende Geheimdienste oder richterlich angeordnet.

Als die Google-Fälscher den Hug-Dienst anwerfen, liefert ihnen das Programm übrigens sogleich einen Namen: Jan Josef Liefers soll in der Nähe sein und gerade etwas menschliche Wärme gebrauchen können. Natürlich sitzt der Schauspieler dann auch im Publikum und tut etwas verdutzt: Tatsächlich könne er eine Umarmung brauchen. Die kriegt Liefers dann, ganz in echt.

SPIEGEL ONLINE ist Kooperationspartner der re:publica. Die Veranstaltungen auf der Hauptbühne finden Sie bei uns im Livestream.

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insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
Das Pferd 07.05.2014
1. 34567890
Zitat von sysopUmarmungen für Fremde und eine persönliche Drohne für jeden: Auf der re:publica haben zwei angebliche Google-Vertreter neue Produkte vorgestellt. Dabei gibt es allerdings einen Haken. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/google-fake-re-publica-aktion-gegen-das-datensammeln-a-968155.html
Ich bin mal dem Link zu der Linkentante gefolgt. Die glaubt das wirklich. Was sicherlich nicht schlimm wäre, aber die Tante ist netzpolitische Sprecherin, dazu sollte sie so einen ungefähren Überblick haben, was technich machbar oder gesellschaftlich durchsetzbar ist. Hab mich herzlich amüsiert, gute Aktion.
Mark_Ellos_1 07.05.2014
2. optional
Wirklich sehr ähnlich zu einer offiziellen Präsentation. Da ich weiß, dass Google hier gleich wieder leider von Kommentatoren gebasht wird, lasst euch eins sagen: Google bietet viele Datenschutzfunktionen an. Erweiterte Dienste sind optional (Google Now), es gibt das Google Dashboard in dem man die eigene Datensammlung einsehen kann, unterbinden kann, löschen kann oder sonst wie bearbeiten. Dann gibt es Google Take out um alle eigenen Daten von Google herunter laden zu können und sie anschließend bei Google (warum auch immer) löschen zu können. Dann bietet Google ein umfangreiches Support Center an mit sogar Idioten sicheren antworten auf viele viele Fragen. Zudem ist anzumerken, dass die eigenem Daten dort sehr sehr sicher sind. Zum Beispiel durch die 2-schritt-anmeldung. Vielleicht nicht vor der NSA. Aber mir ist es wichtiger, dass die Daten vor den idiotischen Menschen da draußen sicher sind wie zum Beispiel Streiche, Hacker usw. Google ist nicht perfekt in Datenschutz und könnte sehr stark nach bessern. Es ist aber bei weitem besser, als viele es gerne darstellen. Zudem kann keiner widersprechen, dass Google Dienste vor allem im Gesamtpaket einen gigantischen und wohltuenden Funktionsumfang haben. #TeamGoogle PS: Ich würde all meinen Besitz dafür in das Feuer legen, dass die Google Infrastruktur vor Hacker-Attacken etc. sicherer ist als alle "deutschen" Cloudanbieter zusammen. Dass das der Fall ist braucht auch nicht viel nachzudenken. Die schlausten Köpfe der Erde bei Google werden schon wissen was sie machen.
Liberalitärer 07.05.2014
3. Sammelwut
Zitat von Mark_Ellos_1Wirklich sehr ähnlich zu einer offiziellen Präsentation. Da ich weiß, dass Google hier gleich wieder leider von Kommentatoren gebasht wird, lasst euch eins sagen: Google bietet viele Datenschutzfunktionen an. Erweiterte Dienste sind optional (Google Now), es gibt das Google Dashboard in dem man die eigene Datensammlung einsehen kann, unterbinden kann, löschen kann oder sonst wie bearbeiten. Dann gibt es Google Take out um alle eigenen Daten von Google herunter laden zu können und sie anschließend bei Google (warum auch immer) löschen zu können. Dann bietet Google ein umfangreiches Support Center an mit sogar Idioten sicheren antworten auf viele viele Fragen. Zudem ist anzumerken, dass die eigenem Daten dort sehr sehr sicher sind. Zum Beispiel durch die 2-schritt-anmeldung. Vielleicht nicht vor der NSA. Aber mir ist es wichtiger, dass die Daten vor den idiotischen Menschen da draußen sicher sind wie zum Beispiel Streiche, Hacker usw. Google ist nicht perfekt in Datenschutz und könnte sehr stark nach bessern. Es ist aber bei weitem besser, als viele es gerne darstellen. Zudem kann keiner widersprechen, dass Google Dienste vor allem im Gesamtpaket einen gigantischen und wohltuenden Funktionsumfang haben. #TeamGoogle PS: Ich würde all meinen Besitz dafür in das Feuer legen, dass die Google Infrastruktur vor Hacker-Attacken etc. sicherer ist als alle "deutschen" Cloudanbieter zusammen. Dass das der Fall ist braucht auch nicht viel nachzudenken. Die schlausten Köpfe der Erde bei Google werden schon wissen was sie machen.
Ich denke mal, diese Lanze kann man brechen. In der Tat kann man die Datensammelei weitgehend abschalten, das ist nur nicht der Default und da liegt der Hase im Pfeffer. Ob deutsche Dienste sicherer sind, hüstel, da hätte ich gelinde gesagt auch meine Zweifel. Und das auch nur als Tip, der Server steht immer am besten dort, wo der Staatsanwalt möglichst weit weg ist.
robeuten 08.05.2014
4.
Zitat von Mark_Ellos_1Wirklich sehr ähnlich zu einer offiziellen Präsentation. Da ich weiß, dass Google hier gleich wieder leider von Kommentatoren gebasht wird, lasst euch eins sagen: Google bietet viele Datenschutzfunktionen an. Erweiterte Dienste sind optional (Google Now), es gibt das Google Dashboard in dem man die eigene Datensammlung einsehen kann, unterbinden kann, löschen kann oder sonst wie bearbeiten. Dann gibt es Google Take out um alle eigenen Daten von Google herunter laden zu können und sie anschließend bei Google (warum auch immer) löschen zu können. Dann bietet Google ein umfangreiches Support Center an mit sogar Idioten sicheren antworten auf viele viele Fragen. Zudem ist anzumerken, dass die eigenem Daten dort sehr sehr sicher sind. Zum Beispiel durch die 2-schritt-anmeldung. Vielleicht nicht vor der NSA. Aber mir ist es wichtiger, dass die Daten vor den idiotischen Menschen da draußen sicher sind wie zum Beispiel Streiche, Hacker usw. Google ist nicht perfekt in Datenschutz und könnte sehr stark nach bessern. Es ist aber bei weitem besser, als viele es gerne darstellen. Zudem kann keiner widersprechen, dass Google Dienste vor allem im Gesamtpaket einen gigantischen und wohltuenden Funktionsumfang haben. #TeamGoogle PS: Ich würde all meinen Besitz dafür in das Feuer legen, dass die Google Infrastruktur vor Hacker-Attacken etc. sicherer ist als alle "deutschen" Cloudanbieter zusammen. Dass das der Fall ist braucht auch nicht viel nachzudenken. Die schlausten Köpfe der Erde bei Google werden schon wissen was sie machen.
Es wäre noch zu fragen, was jetzt mehr "Kunst" ist - das Original, oder der lächerliche fake.... Naja, eine "Kunst", die sich darin erschöpft, bereits vorhandenes auf die Spitze zu treiben, ist ÖDE!
thoscha 08.05.2014
5. Check this out...!!
Ja natürlich kann man diverse Einstellungen vornehmen und kann damit der Sammelwut des Konzerns einen Riegel vorschieben.Und natürlich kommt auch der Datenschutz nicht zu kurz, man muss nur div. Einstellungen vornehmen. Aber was am anderen Ende rauskommt, darüber hat doch außer goole keiner eine Kontrolle. Egal was auch immer ich einstellen kann, es kann auch wieder deaktiviert werden. Und so können wir das Spiel immer weiter fortführen.Amen!
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