Vorabtest von Google Glass "Wer würde so etwas tragen?"

Googles neue Datenbrille soll sich fast unmerklich zwischen Nutzer und Wirklichkeit schieben, aber einer der ersten Vorabtester hat bereits Probleme im Konzept festgestellt: Google Glass sei ein Designproblem - und eine Zumutung für Träger und Betrachtete.

Sergey Brin (l.) und Designerin Diane von Fürstenberg (New York Fashion Week):
REUTERS

Sergey Brin (l.) und Designerin Diane von Fürstenberg (New York Fashion Week):


Mountain View - Gut acht Monate nach der spektakulären Präsentation der eigenen Datenbrille Google Glass hat der Suchmaschinenkonzern nun Journalisten Vorabtests mit der Brille angeboten. Joshua Topolsky vom US-Magazin "The Verge" war einer der Ersten, die den Hightech-Brillenaufsatz ausprobierten. Nach der mehrstündigen Anprobe ist er zwiegespalten: toll, aber mit Einschränkungen.

Topolsky beschreibt, wie unauffällig sich Glass in das Sichtfeld einpasst, wie Informationen erscheinen und wieder verschwinden. Das Interface bleibe im Hintergrund und blende sich nur auf Befehl als Hinweis in der oberen Hälfte des Gesichtsfelds kurz ein: "Mach ein Foto", "Nimm ein Video auf", "Zeig mir den Weg zur nächsten U-Bahn-Station". Der Produkteindruck, den das Werbevideo von Google vermittle, entspreche der Wahrheit, schreibt Topolsky. Google Glass fühle sich clean, elegant, recht sinnvoll an.

Google Glass ist ein Höflichkeitsproblem

Nach seinem kurzen Test ist er sich sicher: Ob Google Glass kommt, ist nicht die Frage. Ein Google-Entwickler habe ihm gesagt, man wolle "bis Jahresende" eine Konsumentenversion auf den Markt bringen. Die Frage sei, wer es dann tragen werde. Denn tatsächlich ist Glass ein aufwendig gestaltetes Designproblem: Es degradiert jede tolle Brille zum Glass-Halter. Es ist ein technisches Problem, weil es stark von einer schnellen mobilen Internetverbindung und der Erreichbarkeit der angeschlossenen Cloud-Dienste abhängig ist (und etwa in U-Bahnen nur halb so gut funktioniert). Und zuletzt ist es ein Höflichkeitsproblem: Wie geht man mit einem immer präsenten Gadget um, dessen Nutzung von außen kaum nachvollziehbar ist, das potentiell ständig die Privatsphäre der Umstehenden verletzt? Schließlich kann es unbemerkt Fotos und Videos machen und könnte sogar, entsprechende Erweiterungen vorausgesetzt, Personen identifizieren.

Topolsky fühlte sich beim Test ständig beobachtet - wohl auch, weil er selbst ein ständiger Beobachter ist. Wie schützen sich Betrachtete vor Google-Glass-Trägern? Mit automatischer Gesichts- und Fassadenverschleierung, wie bei Google Street View?

Google weiß um die Probleme und will mit öffentlich rekrutierten Vorabtestern, den so genannten Explorers, herausfinden, wie Glass im Alltag funktionieren könnte. Und wo die sozialen Grenzen sind, die man mit einer Brillenkamera verletzt.

fko



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 51 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Wolfgang J. 25.02.2013
1. Wahrscheinlichste Lösung :
Der Benutzer bekommt KEINE personenbezogenen Daten! (Nur Google....)
Methados 25.02.2013
2.
Zitat von sysopREUTERSGoogles neue Datenbrille soll sich fast unmerklich zwischen Nutzer und Wirklichkeit schieben, aber einer der ersten Vorabtester hat bereits Probleme im Konzept festgestellt: Google Glass sei ein Designproblem - und eine Zumutung für Träger und Betrachtete. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/google-glass-datenbrille-mit-designproblem-a-885327.html
also ich würde die brille sofort kaufen ! ist halt die erste seiner art, da sind mir design macken sowas von egal. und gemessen an der anzahl von nerds wie mir auf diesem planeten, kann die brille nur ein mega erfolg werden !
hinzkunz001 25.02.2013
3. ich haette die auch gerne
Zitat von sysopREUTERSGoogles neue Datenbrille soll sich fast unmerklich zwischen Nutzer und Wirklichkeit schieben, aber einer der ersten Vorabtester hat bereits Probleme im Konzept festgestellt: Google Glass sei ein Designproblem - und eine Zumutung für Träger und Betrachtete. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/google-glass-datenbrille-mit-designproblem-a-885327.html
Luegen gibt es dann nicht, ist alles auf video, vor allem vor gericht ist soetwas praktisch..;-) Bei Quizschows, stellen Sie sich vor WWM mit online brille... Es gibt so coole sachen mit der Brille, probleme haben nur echte brillen traeger wuerde ich einmal denken..
benbenx 25.02.2013
4. Passt
Passt doch zu Google, die Brille. Bei Google ist die Nutzung der Daten von Außen ja auch kaum nachvollziehbar. Das potentiell ständige Verletzen der Privatsphäre gehört doch zum Geschäft (Google Mail). Fotos und Videos nutzen und Personen identifizieren ist ebenfalls mit drin (Picasa, Youtube). Topolsky fühlte sich beim Test ständig beobachtet? Nun ja, das verdrängt man als regelmäßiger Google-Nutzer recht schnell. Wie schützen man sich vor Google? Gar nicht (mehr). Die wissen auch so genug über dich - egal, ob du sie nutzt oder nicht. Sie werden auch die Brille für ihre Zwecke zu nutzen wissen.
fessi1 25.02.2013
5. es wird keine sozialen Grenzen geben
wenn diese erst überschritten wurden... Zitat: "Google weiß um die Probleme und will mit öffentlich rekrutierten Vorabtestern, den so genannten Explorers, herausfinden, wie Glass im Alltag funktionieren könnte. Und wo die sozialen Grenzen sind, die man mit einer Brillenkamera verletzt." Zitatende Gleiches wurde auch beim Handy diskutiert. Heute telefoniert jeder wann, wie und wo er gerade steht. Selbst in Deutschland, obwohl es hier noch relativ zurückhaltend passiert. Andere Länder, andere Sitten. Telefonieren im Kino, im Theater, im Meeting... alles kein Problem mehr. Ein einfaches "wart mal kurz" reicht um dem Handy die größere Wichtigkeit einzuräumen, als dem direkten Gegenüber. Über den Knopf im Ohr muss man da gar nicht erst anfangen. Jetzt erweitert sich das Ganze halt auf Gebiete wo bisher noch die Handycamera oder der Voicerecorder extra und eher erkennbar aktiviert werden mussten.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.