Google-Herausforderer Blekko: Die Such-doch-mit-Maschine

Von Frank Patalong

2. Teil: Eine Suche für alle? Gibt es nicht, sagt Blekko

Neuer Searchengine: Das ist anders bei Blekko
Fotos

Blekko will Ergebnislisten bieten, die besser sind als die Googles, weil ihnen semantische Intelligenz unterliegt. Und weil auch Blekko das technisch nicht hinbekommt, muss jemand anderes diese Intelligenz zuliefern: die Nutzer.

Blekko setzt auf ein System, das herkömmliche Crawlertechnik mit Elementen eines Social Networks, vor allem aber (wie bei Wikipedia) des Crowdsourcings verbindet. Die Anwender des Dienstes sollen die Datenbasis verbessern, indem sie sie kategorisieren, sie kommentieren, in Zusammenhänge stellen, Filter erarbeiten. Der Gedanke ist nicht neu (das gescheiterte Wikia Search versuchte ähnliches), aber Blekko schafft es spielerisch und im Look und Feel moderner Social-Net-Applikationen (siehe die ausführlich kommentierte Bildergalerie)

Es setzt darauf, Marktanteile gewinnen zu können, weil es eine auf einzelne Nutzer abgestimmte Suche bietet. Die Masse soll gern googeln. Wer passgenau suchen will, nutzt Blekko.

Was überwiegt: Bequemlichkeit oder Engagement?

Das ist gewöhnungsbedürftig, in bestimmten Kontexten allerdings schon wirklich gut (trotz einiger Bugs). In der US-Presse, vor allem aber in der Blogosphäre fiel das Echo trotzdem weitgehend skeptisch aus: Bezweifelt wird vor allem, dass Netz-Nutzer dazu bereit sind, eigene Arbeit in die Suche zu investieren.

Eine Kritik, die nicht unbedingt greift, wie auch in der obigen Bildergalerie zu sehen ist: Das Anlegen eigener Filter ("Slashtags"), das Blekko anbietet, ist keine Voraussetzung für das Funktionieren des Dienstes, sondern nur ein Angebot, um eigene Interessenschwerpunkte und Präferenzen einfließen zu lassen. Man kann ähnliche Filter mit den erweiterten Sucheinstellungen von Google einrichten - aber Blekko kann das besser, die Bedienung ist komfortabler.

Dazu gibt es vordefinierte Filter in bestimmten Themenfeldern, die wirklich gut funktionieren. Wer sich bei Blekko über Krankheiten informieren will ("Health") oder vertiefte Informationen dazu sucht (Filter: "Science"), der bekommt weniger Web-Müll geliefert, deutlich bessere, konzisere Ergebnislisten. Oder auch tendenziöse: Wer will, kann sich über Klimawandel ausschließlich aus konservativen oder "grünen" Quellen informieren lassen.

Allerdings gehen die Informationsbedürfnisse der meisten Menschen gar nicht so weit. Blekko ist nicht für Leute, die "eben schnell mal nachsehen" wollen. Es ist eher wie Wikipedia: Blekko wird erst zu etwas Besonderem, wenn man eigene Arbeit investiert oder sich zumindest in die Funktionen einarbeitet.

Blekko klappt nur, wenn die Nutzer sachlich bleiben

Gefährlich wird es für Blekko aber an anderer Stelle. Das Modell setzt voraus, dass die Freiwilligen ernsthaft agieren - und nicht etwa "George W. Bush" mit der Kategorie "miserable Failure" verbinden. Genau das ist einst bei Google passiert, indem zigtausend Menschen den Namen des Ex-US-Präsidenten entsprechend verlinkten. Bei Blekko, wo Kommentare und Kategorisierungen direkt in den Suchindex einfließen, wäre das Legen solcher "Google-Bomben" erheblich einfacher: Die Qualität des Suchdienstes ließe sich mit wenig Aufwand gezielt zerschießen - eine Spielwiese für Trolle und Cybervandalen.

Für Blekko kommt es also darauf an, seine Nutzer weit genug, aber nicht zu weit einzubeziehen. Die Macher sind sich dessen offensichtlich bewusst, denn für eine Vielzahl wichtiger Bereiche bieten sie redaktionell vorgefasste "Slashtags", also kategorisierte, gefilterte Suchen an. Schon das wird dafür sorgen, dass Blekko eher Nischeninteressen bedient (wie zum Beispiel besonders sachliche Infos aus verifizierten Quellen: "/Science").

Blekko ist einen Versuch wert, im Augenblick ist die Maschine allerdings noch ziemlich anglophil. Sie durchsucht zwar deutsche Quellen, bietet aber so gut wie keine deutschen Slashtag-Filter. Macht nichts, kann man sich ja selbst machen. Ist nichts für jedermann, aber gut für Leute, die gern sehr gezielt Suchen.

Ein Google-Nachfolger wird daraus nicht, aber vielleicht findet Blekko eine hinreichend große Nische. Oder einen Käufer, der es Bing! machen lässt in der Kasse?

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insgesamt 8 Beiträge
bismarck_utopia 04.11.2010
Man hätte vielleicht noch alernia erwähnen können. Manche Sachen mache ich nur noch damit, z.B. neben der klassischen Suche direkt auf Fremdsprachen- oder Synonymwörterbücher zugreifen oder das Suchfeld als Browserzeile [...]
Man hätte vielleicht noch alernia erwähnen können. Manche Sachen mache ich nur noch damit, z.B. neben der klassischen Suche direkt auf Fremdsprachen- oder Synonymwörterbücher zugreifen oder das Suchfeld als Browserzeile "missbrauchen". Bei Google oder Bing geht das zwar teilweise auch, aber da gestaltet sich das eher wie ein Krampf.
Hadraniel 04.11.2010
Klingt ein bisschen wie Yippy, ehemals Clusty, ehemals Vivisimo, vermixt mit User-Relevance-Feedback. Semantische Annotierung von Daten mittels User-Relevance-Feedback funktioniert leider nur in geschlossenen Datenbeständen UND [...]
Klingt ein bisschen wie Yippy, ehemals Clusty, ehemals Vivisimo, vermixt mit User-Relevance-Feedback. Semantische Annotierung von Daten mittels User-Relevance-Feedback funktioniert leider nur in geschlossenen Datenbeständen UND Nutzergruppen. Man muss sich ja nur mal ansehen wie die widerwärtige "SEO-Industrie" den heutigen Suchmaschinen das Leben schwermacht. Was wäre da wohl bei semantic engines los ... Wenn es allerdings das Wikipedia-Prinzip quasi-redaktionell auf die Entwicklung und Wartung des Such-Index überträgt, dann wirds vielleicht was, aber wie man bei der WP sieht hat auch das mit schwerwiegenden Problemen zu kämpfen. Ich drücke der neuen Maschine die Daumen. Semantic Web Technologien gibts seit >10 Jahren - wirklich genutzt werden diese leider nach wie vor nur in sehr speziellen Nischen.
vaikl 04.11.2010
Bei blekko werden Menschen ohne den Schimmer einer Ahnung, wie man eine Frage richtig formuliert, auf Menschen treffen, die genau diesen Mangel ausnutzen und den unbedarften User mit Slashtags bombardieren, die den guten alten [...]
Bei blekko werden Menschen ohne den Schimmer einer Ahnung, wie man eine Frage richtig formuliert, auf Menschen treffen, die genau diesen Mangel ausnutzen und den unbedarften User mit Slashtags bombardieren, die den guten alten Werbemüll neu verwerten können. Das wird dann auch das Geschäftsmodell von blekko sein.
Kenaj_1 04.11.2010
Innvoationen gab es schon lange nicht mehr bei google - ich könnte mir schon vorstellen, dass sematische suchmaschinen eines tages google den rang ablaufen (oder google halt eine entwickelt)... inbesondere sobald die [...]
Innvoationen gab es schon lange nicht mehr bei google - ich könnte mir schon vorstellen, dass sematische suchmaschinen eines tages google den rang ablaufen (oder google halt eine entwickelt)... inbesondere sobald die spracherkennung optimiert wird, dann haben wir bald HAL2000: ich stelle eine frage - der computer antwortet. generell glaube ich ja, dass in diesen Bereich Content-Firmen einsteigen werden - also www.ehow.com in den USA oder www.anleiter.de in Deutschland. Dort werden eben konkrete Fragen beantwortet (wie bastelt man eine schwalbe usw.)... generell glaube ich, dass die suchmaschinen sich segmentieren werden - also eine 'social media' suchmaschine (facebook?) und eben eine semantische.
blob123y 04.11.2010
Linkbewertung generiert. Wenn man einen guten Kontent hat und vor allen noch dazupassende Fotos sollte dies genuegen, die Manipulationen werden fast nur im Linkbereich getaetigt. Aus unerfindlichen Gruenden gewichtet Google diesen [...]
Linkbewertung generiert. Wenn man einen guten Kontent hat und vor allen noch dazupassende Fotos sollte dies genuegen, die Manipulationen werden fast nur im Linkbereich getaetigt. Aus unerfindlichen Gruenden gewichtet Google diesen Links enorme Wichtigkeit zu, was in der realen Welt totaler Unsinn ist da wie schon erwaehnt die Manipulationsquelle ist. Ich schau mir oft ein paar Seiten auf der ersten Google search Seite an und auf der zweiten und dritten, meist sind auf der zweiten seite dei Seiten mit dem besseren Kontent. Bevor Google nicht vom hohen Ross heruntersteigt und dem realen Leben Platz macht wird sich bei denen keine Topqualitaet bilden. Das Problem bei denen ist der Laden ist voll von sehr jungen Leuten die keinerlei praktische Erfahrung von irgendetwas haben und deshalb Betriebsblind sind. Obendrein verdient Google einfach zuviel Geld durch diese Monopolsituation und zuviel Geld verdirbt den Blick auf die reale Welt.
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  • Donnerstag, 04.11.2010 – 09:49 Uhr
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Marktanteile: Google und die Konkurrenz
Microsoft Internet Explorer 58,35%
Firefox 23,72%
Chrome (Google) 11,50%
Safari (Apple) 4,15%
*weltweiter Marktanteil, erhoben auf der Webbrowser-Angabe, Stand: Januar 2012, Quelle: Net Applications







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