Von Frank Patalong
Die Geschichte, die im Märchen meist nicht erzählt wird, ist die des glücklosen Herausforderers: Ein Ritter mit blitzendem Schwert und edlem Ross zieht heißen Herzens in den Kampf - und wird dann vom Drachen gefressen. So ein verhinderter Held ist eine Nebenfigur, die später allenfalls als Opfer kurz erwähnt wird und schnell vergessen ist.
Seit Google das Reich der Suchmaschinen regiert, hat es eine Menge solcher Ritter gegeben. Der letzte hieß Cuil, eine Firma, die im vorletzten Jahr mit Vorschusslorbeeren und einigen Millionen Risikokapital im Rücken antrat, Google das Fürchten zu lehren ( vom ersten Tag an aber nicht überzeugen konnte). Als Cuil im September 2010 schließlich aufgab, berichtete das kaum jemand - der Herausforderer war vergessen, bevor er röchelnd verreckt war.
Andere ließen sich von größeren Markt-Playern schlucken oder gingen das ein, was euphemistisch "Kooperation" heißt - so wie das so hoch gelobte Wolfram Alpha, das vor allem als Zulieferer für Microsofts Bing weiterlebt. In seiner Allianz mit Yahoo ist Bing der letzte nennenswerte Konkurrent für Google auf dem Weltmarkt. Nur regional gibt es noch Dienste, die Google Paroli bieten können, wie Baidu in China oder Yandex in Russland - nicht zufällig bedienen diese Sprachräume, die sich unter anderem auf ein anderes Schriftsystem stützen.
Ein brutaler, weitgehend monopolisierter Markt
Ansonsten fließen mehr als 50 Prozent der weltweiten Suchmaschinen-Einnahmen Google zu, das immer weiter wächst. Auch Bing wächst langsam, allerdings verliert Partner Yahoo mehr, als Bing gewinnt. Glaubt man den Statistiken von Searchenginewatch, dann kommen Yahoos Verluste eher Google zugute, während Bing eher von der langsamen Erosion profitiert, die Ask.com und AOL erleiden, die letzten anderen Konkurrenten, die überhaupt auch nur einstellige Prozentsätze auf dem Markt erreichen.
So sieht der Markt aus, auf den sich nun Blekko wagt, der neueste Google-Herausforderer, ausgestattet mit 24 Millionen Dollar Risikokapital im Rücken. Man könnte das Taschengeld nennen: Google setzte im letzten Jahr über 23 Milliarden Dollar um. Das ist nicht David gegen Goliath, sondern Mikrobe gegen Elefant.
Erfolg ist also nicht wahrscheinlich. Aber auch nicht undenkbar.
Das Web hat einen Hang zu Monopolen. Man braucht nur eine Suchmaschine, ein Auktionshaus, ein Lexikon und einen Bücherladen. Verrichten die ihren Job leidlich gut und hat ein Anbieter einmal eine gewisse Größe erreicht, fragt niemand mehr nach Qualität - selbst wenn andere besser sind.
Im letzten Jahr brachte das ein herrliches Spott-Video über Bing perfekt auf den Punkt: Selbst wenn ein Dienst besser wäre als Google, würde man damit doch immer noch googeln. Wozu also wechseln?
Die Antwort ist klar: Man würde nur wechseln, wenn ein anderer Dienst wirklich große Vorteile böte. Genau so begann einst Googles Erfolgsgeschichte, als Herausforderer des damals unbesiegbar erscheinenden Marktführers Altavista. Seitdem sind einige Revolutionen auf dem Suchmarkt versprochen worden, passiert ist aber wenig - es gab Evolution statt Revolution.
An der grundsätzlichen Funktionalität von Crawler-Suchdiensten hat sich so gut wie nichts geändert, auch Google kocht hier nur mit Wasser. Von der erhofften intelligenten, semantische Elemente berücksichtigenden Suche mit guten Ergebnissen sind wir heute so weit entfernt wie 2001: Keine Suchmaschine "versteht" wirklich, was sie suchen soll.
Darum beliefert sie den Marketingexperten, der nach "Silver Surfer" sucht, mit den gleichen Ergebnissen wie den Comic-Fan. Das ehrgeizige, nach wie vor unerreichte Ziel aller Suchmaschinenentwickler ist aber die semantische Suchmaschine, die eine Frage in ihrem Kontext erfasst und entsprechend beantwortet.
Das ist noch Science Fiction. Auch Google liefert neben guten Ergebnissen jede Menge Müll, die Perlen muss man sich händisch heraussuchen, weil es immer mehr Seitenbetreiber immer besser verstehen, sich in den Rankings hochzupfuschen. Das ist genau die Kerbe, in die Blekko schlagen will.
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