Hamburg/San Francisco - Google
verschärft den Tablet-Wettbewerb: Der Online-Riese hat mit dem Hardware-Hersteller Asus ein eigenes Gerät entwickelt. Das Google-Tablet heißt Nexus 7 und hat eine Bildschirmdiagonale von sieben Zoll. Der Bildschirm ist so groß wie der eines Amazon Kindle Fire und erheblich kleiner als ein iPad. Die Hardware-Details (Tegra-3-Chipsatz, sieben Zoll) erinnern an ein Gerät, das Asus Anfang des Jahres auf der CES vorgestellt hatte.
Google verkauft das Nexus in den Vereinigten Staaten, Kanada, Großbritannien und Australien. Es soll Mitte Juli ausgeliefert werden, man muss es direkt bei Google online bestellen, es soll später aber auch im Handel erhältlich sein. Das günstigste Modell soll 199 Dollar kosten.
Der Webshop Google Play soll für das Nexus 7 eine zentrale Rolle spielen. "Es ist für Google Play gemacht", sagte Google-Manager Chris Yerga bei der Präsentation in San Francisco. Für europäische Nutzer ist das keine gute Nachricht, denn viele der Inhalte von Google Play sind hier nicht verfügbar. Gezeigt wurden beispielsweise Magazin-Apps, von "Shape" und "Esquire" - doch die wird man in Deutschland kaum bekommen.
Google positioniert sich mit dem Nexus 7 und Google Play ganz klar als Anbieter im Markt für digitale Unterhaltung. Das Tablet ist kein Arbeitsgerät, das war die Botschaft der Präsentation, sondern eine Entertainment-Maschine. Damit dürfte Google vor allem Amazon Konkurrenz machen. Amazon hatte mit seinem 199 Dollar teuren Sieben-Zoll-Tablet Fireden US-Markt aufgerollt: Das erst im November 2011 eingeführte Kindle Fire konnte bereits im Dezember einen US-Marktanteil von 29,4 Prozent unter den Tablets mit Android-Betriebssystem erobern und diesen bis Februar 2012 sogar auf 54,4 Prozent steigern und somit fast verdoppeln.
Bislang hat Apple mit seinem iPad den größten Marktanteil im boomenden Geschäft mit Tablet-Computern. Mitte Juni hat aber auch Microsoft erste eigene Tablet-Rechner mit dem neuen System Windows 8 vorgestellt.
Google kopiert Apples Siri
Die Auftaktveranstaltung begann mit einer Präsentation der neuen Android-Version 4.1 (Codename Jelly Bean), Googles Betriebssystem für Smartphones und Tablets. Hugo Barra, Android-Produktmanager, erklärte, wie die Software das Verschieben von Widgets von einem Bildschirm auf den anderen vereinfacht. Icons ordnen sich automatisch neu an, um für zu große Widgets Platz zu schaffen. Revolutionär ist das nicht, aber hübsch. Die Tastatur errät, welches Wort man vermutlich als nächstes tippen will. Außerdem wurde die Google-Spracherkennung aus den Google-Datencentern ins Betriebssystem integriert. Voice Typing funktioniert jetzt auch ohne Internetverbindung - eine schlechte Nachricht für die Entwickler externer Diktat-Apps wie Dragon Dictation.
Google hat auch die Sprachsuche verbessert - hier ist der Konzern auf den Spuren von Apples Siri. Kombiniert wurde dies mit einer neuen Darstellung von Suchergebnissen: weniger Linklisten, mehr konkrete Antworten. Ein Jelly-Bean-Handy soll zur universellen Antwortmaschine werden.
Nexus Q ist Googles Miniatur-Mediencenter
Google steigt auch ins Geschäft mit Unterhaltungselektronik ein. Der Online-Konzern hat dafür eigene Hardware entwickelt. Das Nexus Q genannte Gerät ist ein schwarzer Ball mit einem umlaufenden LED-Band, das in verschiedenen Farben leuchten kann. Google Q soll Musik und Filme von Google-Servern abrufen und im Wohnzimmer auf verschiedenen Endgeräten abspielen.
Der Ball soll vom Tablet oder Smartphone aus gesteuert werden, aber direkt auf Google Play zugreifen. Der Unterhaltungsball hat einen eingebauten Verstärker mit 25 Watt Ausgangsleistung, Boxen lassen sich direkt daran anschließen. Außerdem hat er einen Micro-HDMI-Ausgang, um an TV-Geräte oder Monitore angeschlossen zu werden, zusätzlich ist ein Micro-USB-Port eingebaut. Im Grunde ist Googles Ball ein Miniatur-Mediencenter, mit dem man offenbar Apples Airplay und Apple TV etwas entgegensetzen will.
299 Dollar soll Googles Unterhaltungsball kosten und ab Juli erhältlich sein - das günstigste Apple TV kostet derzeit 99 Dollar.
Fallschirmsprung mit Googles Datenbrille
Gegen Ende der Präsentation kommt Google-Mitgründer Sergey Brin auf die Bühne, er trägt einen Prototyp der von Google entwickelten Datenbrille mit dem Codenamen Project Glass. Brin spricht live mit einer Gruppe von Fallschirmspringern, die in einem Zeppelin über San Francisco kreisen. Auch sie tragen Google-Datenbrillen, springen in die Tiefe, die Brillen übertragen die ganze Zeit über Live-Bilder. Die Fallschirmspringer landen auf dem Dach des Messezentrums, einige rasen mit Fahrrädern über das Dach, ein Sportler seilt sich an der Fassade ab, rast auf einem Fahrrad durchs Foyer und am Ende steht er mit den langsam eintrudelnden Fallschirmspringern auf der Bühne des Kongresszentrums.
Der aktuelle Prototyp der Google-Datenbrille soll leichter sein als die "meisten Sonnenbrillen", sagte die Chefdesignerin bei der Präsentation. Für 1500 Dollar können Besucher der Google Entwicklerkonferenz, die in den USA leben, eine Vorschauversion der Datenbrille bestellen, diese Prototypen sollen Anfang 2013 ausgeliefert werden.
Dem Autor auf Twitter folgen:
cis/lis mit Material von dpa und Reuters
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Netzwelt | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Web | RSS |
| alles zum Thema Suchmaschinen | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH