Präsentation in San Francisco: Google verliert sich in Details

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Google-Show: Jahrmarkt der Einzelheiten Fotos

Drei Stunden lang präsentiert Google in San Francisco viele kleine Neuheiten. Auf Computern funktioniert die Google-Suche jetzt auch per Spracheingabe, Google Maps wurde überarbeitet und ein Musikdienst eingeführt. Das sind schicke Sachen, doch herausragend war das nicht.

Die Überraschung der Entwicklerkonferenz Google I/O kam natürlich zum Schluss: Obwohl er gesundheitlich angeschlagen ist, unter einer teilweisen Lähmung der Stimmbänder leidet, betrat Google-Chef und -Mitgründer Larry Page die Bühne. Doch die erwarteten Sensationen hatte er nicht zu bieten. Er kündigte weder ein neues Wunder-Tablet, noch ein neues Handy-Betriebssystem an. Stattdessen tat er etwas gänzlich unerwartetes und stellte sich fast eine dreiviertel Stunde lang Fragen aus dem 6000 Personen starken Publikum.

Bis dahin allerdings hatten etliche Google-Manager auf der Bühne des Moscone Center in San Francisco einen regelrechten Staffellauf absolviert, eine Neuerung nach der anderen angekündigt und erklärt.

Besonders beeindruckend war dabei, wie der Konzern seine Kernkompetenz ausgeweitet hat - die Suche nach Informationen im Internet. Nachdem man schon seit einiger Zeit Suchbegriffe am Handy per Sprache eingeben kann, ist diese Möglichkeit nun auch auf PC und Notebooks ausgeweitet worden.

Dabei hat Google offenbar viel Energie darauf verwendet, natürlich gesprochene Sätze und deren sachliche Zusammenhänge erkennen zu können. Die Software erkennt beispielsweise Sätze wie: "Wie weit ist es von hier zum Kino". Und berechnet anhand der aktuellen Position die korrekte Entfernung. Auf dieselbe Weise lassen sich auch Erinnerungen oder E-Mails ins Handy diktieren. In der Vorführung zumindest klappte das fehlerlos und erinnerte sehr an Apples sprachgesteuerten Assistenten Siri, denn Googles Suchfunktion antwortet auch mit Sätzen, die so formuliert sind, wie es eine realen Person tun würde.

Doch diese Neuerung war nur ein kleiner Teil dessen, was Google in seiner Drei-Stunden-Show aufgeboten hat. Der Überblick von der Google-Entwicklerkonferenz:

  • Ein weiteres Highlight war der Musikdienst Google Play Music All Access. Das Angebot soll per Streaming Zugriff auf das komplette Angebot von Googles Online-Plattenladen bieten - also mehrere Millionen Songs. In den USA soll das Angebot sofort verfügbar sein, die monatlichen Kosten betragen 9,99 Dollar. Damit bringt sich Google gegen vergleichbare und ähnlich bepreiste Dienste wie Spotify und Deezer in Stellung. Angaben dazu, wann All Access in Europa eingeführt werden soll, gab es nicht.
  • Wer in Computerspielen gerne gegen reale Gegner antritt, kann das künftig auch auf dem Handy und mit dem Browser tun. Android wird um Multiplayer-Funktionen ergänzt und ebenso der Browser Chrome. So kann man plattformübergreifende Browserspiele spielen. Wie so etwas aussehen wurde, zeigte Google anhand mehrerer unterschiedlicher Tablets und Smartphones, die nebeneinander lagen und gemeinsam eine Autorennstrecke zeigten, auf der mehrere Personen gegeneinander zum Wettrennen antraten.
  • Der Kartendienst Google Maps wird grundlegend erneuert. Entwickler können künftig neue Funktionen nutzen, die es etwa ermöglichen, eine bestimmte Aktion auszulösen, wenn jemand mit seinem Handy eine bestimmte Gegend erreicht. Außerdem wurde eine neue Google-Maps-App angekündigt, die sehr aufgeräumt und elegant umgestaltet wurde und für Android und iOS zugleich verfügbar sein soll. Die Navigationsfunktion wurde um eine dynamische Stauumfahrung erweitert. Zudem soll eine spezielle Tablet-Version von Google Maps kommen.
  • Die neue PC-Version von Google Maps soll sich künftig an den Nutzer anpassen. So lange man bei Google eingeloggt ist, merkt sich die Software Orte, an denen man selbst oft gewesen ist oder die von Freunden positiv bewertet worden sind. So soll man auf einer Art persönlichen Landkarte beispielsweise auf die eigenen Vorlieben angepasste Ausflugstipps oder Restaurantempfehlungen angezeigt bekommen. Die neue Version ist bereits live, nutzen kann man sie aber erst, nachdem man sich dafür hat freischalten lassen. Am Mittwochabend war diese Möglichkeit noch nicht gegeben.
  • Das soziale Netzwerk Google+ hat ein neues Design bekommen, das man sich als Anwender seinen Wünschen gemäß anpassen kann.
  • Eine Technik, die Google Related Hashtags nennt, soll interessante Inhalte in Google+ leichter auffindbar machen. Wenn man Google+-Einträge mit Hashtags versieht, sucht ein Algorithmus im Hintergrund dazu passende Einträge zusammen, die man bei einem Klick auf den Eintrag sozusagen auf der virtuellen Rückseite des jeweiligen Eintrags findet.
  • Die Fotofunktionen von Google+ wurden erheblich aufgewertet. So stehen den Nutzern nun 15 GB Speicher für Bilder zur Verfügung. Aus den dort hochgeladenen Bildern filtert Google+ nach Kriterien wie Bildschärfe, erkennbare Wahrzeichen und Belichtung automatisch die besten Fotos heraus. Die Software soll sogar erkennen, die fotografierten Personen lächeln.
  • Google will offenbar Bildbearbeitungssoftware obsolet machen und zeigte diverse automatische Bildverbesserungsfunktionen in Google+. Die Beispiele sahen sehr gut aus. Anders als manche App gehen Googles Algorithmen maßvoll zu Werke, verbessern Fotos, ohne sie danach künstlich wirken zu lassen. Hier dürfte viel Technik drin stecken, die Google sich mit dem Zukauf der in Hamburg beheimateten Firma nik-Software einverleibt hat.

Die hohen Erwartungen, die Beobachter hatten, erfüllte Google trotzdem nicht. Hoffnungen, es gebe etwas Neues zur Computerbrille Glass, wurden ebenso wenig erfüllt wie solche, der Konzern würde aufgefrischte Varianten seiner Nexus-Tablets zeigen. Aber dazu war vielleicht auch einfach keine Zeit mehr. Auch ohne Hardware-Neuheiten hat die Google-Show schon drei Stunden gedauert.

Für die Zuschauer, die in San Francisco live dabei waren, hat sich der Besuch in jedem Fall gelohnt: Jeder von ihnen bekam nach der Keynote ein Chromebook Pixel im Wert von mindestens 1300 Dollar geschenkt.

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insgesamt 51 Beiträge
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1. Naja
mkummer 15.05.2013
die sensationellen Neuerungen gibt es halt schon und auch Google kann nicht zaubern. Ebenso wie Apples iOS gilt es hier die Sache weiter zu verbessern - und die Schritte werden naturgemäss kleiner, je weiter man ist.
2.
Karbonator 15.05.2013
Zitat von sysopDas sind schicke Sachen, doch herausragend war das nicht.
Erstaunlich, aber da hat M. Kremp doch zum ersten Mal überhaupt recht. ;) Meiner Meinung eine enttäuschende Veranstaltung...
3.
tristo 15.05.2013
Zitat von sysopDrei Stunden lang präsentiert Google in San Francisco viele kleine Neuheiten. Auf Computern funktioniert die Google-Suche jetzt auch per Spracheingabe, Google Maps wurde überarbeitet und ein Musikdienst eingeführt. Das sind schicke Sachen, doch herausragend war das nicht. Google I/O: Die Neuheiten von der Entwicklerkonferenz - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/google-i-o-die-neuheiten-von-der-entwicklerkonferenz-a-900127.html)
Man kann natürlich den ganz großen Wurf landen und eine eigene Map App rausbringen - punch in the face. Lieber gutes verbessern, als auf Teufel komm raus was bringen, worauf die Welt ganz bestimmt nicht gewartet hat - Windows 8 - Maps von Apple - Facebook Home tbc
4. Nicht neu
hokascha 15.05.2013
Was da als neu angepriesen wird, wie weit ist es von hier nach sonstwo, kann eine App wie Alicoid schon lange...
5. Öhm...
sk2212 15.05.2013
Also so langsam wird mir der Herr Kremp echt unheimlich. Was für Tabletten nimmt der? Fassen wir zusammen: - Ein neuer Musik-Dienst - Galaxy S4 als neues Flaggschiff - Neues Google Layout - Neue Hangout App, die alle Messenger zusammenfasst - Überarbeiteter Play Store, Google Books, Google Music und Google Search Sind das etwa Kleinigkeiten??? Klar wird dafür Zeit benötigt! Der Autor sollte sich mal besser informieren bevor er weinend in die Ecke geht und weiter auf seinen iPhone tippt.
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