Online-Musikmachen: Probenraum aus Chrome

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Schluss mit muffigen, kalten Übungsräumen: Die Band der Zukunft spielt im Web. Zumindest wenn es nach Google geht. Der Internetkonzern hat eine neue Technik vorgestellt, mit der Musiker online miteinander jammen können. Musikkenntnisse sind hilfreich - aber keine Voraussetzung.

Musik mit dem Browser: So jammt man mit Google Fotos
Google

"Dies ist Ihre Chance, ein Rockstar zu werden", so euphorisch bejubelt Google eine technische Spielerei für den Chrome-Browser. Jam with Chrome ist ein neuer Dienst, den der Internetkonzern seinen Kunden seit Donnerstag anbietet.

Dabei handelt es sich um eine Art virtuellen Übungsraum, in dem man gemeinsam mit Freunden ebenso virtuell Musik machen, in Echtzeit. Wo diese Freunde sich dabei aufhalten, schreibt Emma Turpin in Googles Chrome-Blog, soll gleichgültig sein. So lange die Teilnehmer nur über einen Computer, einen Internetzugang und den Google-Browser Chrome verfügen.

Turpin arbeitet in Googles Creative Lab, einer Abteilung, die der Welt zeigen will, wie sympathisch der Internetkonzern sich findet - und was mit modernen Web-Technologien alles möglich ist. Das neue Projekt der Imagepfleger, dem sich Turpin in ihrem Blogpost widmet, demonstriert unter anderem die Web Audio API, Web Sockets, CSS3, Canvas und Googles Programmiersprache Go.

In unserem kurzen Test kam ein etwas älteres Notebook mächtig ins Schwitzen, als wir darauf die virtuellen Instrumente anstimmten. Aus insgesamt 19 unterschiedlichen Instrumenten kann man sich eines auswählen. Darunter sind Gitarren, Bässe, Drumsets und Keyboards, die gar nicht übel klingen. Die Wiedergabe der gesampleten Sounds nimmt den Testrechner mit 2,16 GHZ schnellem Intel-Prozessor allerdings sehr in Anspruch.

Zum Spielen stehen verschiedene Modi zur Auswahl. Im "Easy"-Modus kann man Tasten, Saiten und Trommeln mit der Maus anklicken oder eine Autoplay-Funktion selbsttätig vorgefertigte Tonfolgen abspielen lassen, deren Tonart man per Maus verändert. Im Expertenmodus hingegen lässt sich jeder Ton über eine Taste auf der Tastatur gezielt anspielen. Eine Dynamiksteuerung gibt es nicht. Zum Online-Proberaum kommt man, indem man über Symbole im Browser bis zu drei Freunde zum Jammen einlädt. Google verspricht, das würde quasi verzögerungsfrei funktionieren.

Ähnliche Angebote gab es bei Profi-Software schon früher, keines davon konnte sich auf breiterer Front durchsetzen. Das US-Unternehmen Ejamming Audio allerdings versucht bis heute, eine solche Technik populär zu machen. Ejamming fordert von seinen Anwendern allerdings weit mehr Grundvoraussetzungen ab. Neben einer Internetleitung und einem Computer braucht man zwingend auch ein Musikinstrument, das man vorzugsweise auch noch spielen können sollte.

Da macht es Google einem schon leichter.

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insgesamt 25 Beiträge
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1. ich kenne keine Musiker
markh 09.11.2012
Zitat von sysopSchluss mit muffigen, kalten Übungsräumen: Die Band der Zukunft spielt im Web. Zumindest wenn es nach Google geht. Der Internetkonzern hat eine neue Technik vorgestellt, mit der Musiker online miteinander jammen können. Musikkenntnisse sind hilfreich - aber keine Voraussetzung. Google Jam with Chrome - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/google-jam-with-chrome-a-866267.html)
die online Musik machen wollen, Editoren vielleicht
2. nette spielerrei
Afrojüdischer_Sozi-Sinti 09.11.2012
Es wäre schön wenn es noch mehr finanzierbare Angebote zur produktiven Nutzung des PCs für den Laien gäbe. Die kommerzialisierung des Internets bevorzugte bisher leider fast nur Konsumangebote fürs kleine Geld. Diese Google Jam geschichte geht schon in die richtige Richtung, ist mir aber noch eine Spur zu primitiv. Mehr Freude bereitet einem schon eher eine popelige Midi Klaviatur, eine simplen e-Gitarre und die kostenlosen opensource Projekte LMMS & rackarack. Damit kann man schon als Laie sehr viel anstellen ohne sich teure Software oder Instrumente zu kaufen. Musik als Hobby ist leider auch oftmals eine Frage des Geldes. Wie in vielen Berreichen können Computer und Internet hier wiedermal einer breitere Masse den Weg in eine Welt, die ihr bisher aus zeitlichen oder ökonomischen gründen verwehrt blieb, ermöglichen.
3. EIS-kalte Musik
der_franzose 09.11.2012
Zitat von sysopSchluss mit muffigen, kalten Übungsräumen: Die Band der Zukunft spielt im Web. Zumindest wenn es nach Google geht. Der Internetkonzern hat eine neue Technik vorgestellt, mit der Musiker online miteinander jammen können. Musikkenntnisse sind hilfreich - aber keine Voraussetzung. Google Jam with Chrome - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/google-jam-with-chrome-a-866267.html)
Nur gefühlslose Menschen können so eine Musik lieben. Musik wird von Menschen gemacht, auf menschlichen Instrumenten (und von Menschen). Tak..tak..tak..tak, regulär und ohne Gefühle, Computer-Musik...die junge Generation, auch meine Söhne wissen nicht was gefühlsvolle Musik ist.
4. Man muss schon sehr wenig von Musik verstehen
mcblues 09.11.2012
Was ist das den für ein Geschreibsel? Ein bisschen Tralala hier und etwas BumBum dort und schon ist es Musik? Ich dachte immer, wir lernen etwas dazu und verlieren nicht den Verstand - also im allgemeinen. Ton an Ton ist nicht Musik, soviel müsste einem aufgeklärten Wesen eigentlich einleuchten. Aber der Autor muss sich nicht allzu sehr grämen, denn wir sind inzwischen so dermaßen mit Musik-Konserven und deren Weiterverarbeitung via Samples und Patches und dann noch mit völliger Sythetik zugemüllt, dass wir diese Plastikwelt nicht mehr als solche registrieren. Es gibt aber Hoffnung (man bedenke: Der Mensch ist ein analoges Wesen . . .): Die vielen kleinen Bands und Orchster, die zurzeit überall im Land Platz greifen und die mit richtigen Instrumenten umgehen, sind ein Indiz dafür, dass es noch lange nicht mit echter Musik vorbei ist!
5.
jeze 09.11.2012
Zitat von markhdie online Musik machen wollen, Editoren vielleicht
Online ganze AQlben zu produzieren ist heutzutage völlig normal. Der Fokus liegt hier auf der Echtzeit und das ist durchaus interessant, vor allem, wenn die Mitmusiker in anderen Ländern sind.
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