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Zahlenrätsel: Google-Algorithmus löst Captchas besser als Menschen

Captchas: Zahlenrätsel, die nur noch Computer lösen können Fotos
SPIEGEL ONLINE

Verzerrte Zeichen erkennen und eintippen, so muss man auf vielen Webseiten beweisen, dass man ein Mensch ist. Eigentlich sollen die zerknautschten Ziffern vor Spam-Robotern schützen. Jetzt lösen Computer die Rätsel besser als Menschen.

Wir Menschen müssen Computern regelmäßig beweisen, dass wir wirklich Menschen sind - und nicht etwa Bots, also Software. Als Test bekommen wir verdrehte und verzerrte Ziffern angezeigt, die wir erkennen und eintippen müssen. Ein Computer, so die Idee der sogenannten Captchas, schafft es nicht, die zerknautschten Zeichen zu entziffern, ein Mensch schon.

Weil die Algorithmen zur Zeichenerkennung immer besser werden, müssen wir Menschen uns mit immer schwierigeren Captchas plagen. Meistens gibt es gleich daneben einen Button, um ein neues Zeichenrätsel anzuzeigen. Häufig sind einzelne Zeichen gar nicht mehr zu erkennen.

Doch nun haben Google-Forscher einen Algorithmus vorgestellt, der solche Zahlenrätsel in 99,8 Prozent aller Fälle lösen kann - und damit besser als jeder Mensch. Losgelassen haben die Forscher das Programm auf Googles weit verbreitetes Programm reCaptcha.

Der Algorithmus löst eigentlich ein Problem, das Google bei Street View hatte. Damit bestimmte Adressen zugeordnet werden können, müssen die oft nur schwer lesbaren Straßenschilder und Hausnummern auf den Straßenfotos erkannt werden. Vor allem Hausnummern kommen in den unterschiedlichsten Ausführungen vor, ganz zu schweigen von der Vielzahl von verschiedenen Fassaden. Selbst in diesem schwierigen Bereich liege die Erkennungsrate immer noch bei 90 Prozent, schreiben die Forscher. Wer häufig Seiten mit Captchas besucht, hat mit Sicherheit schon einmal eine Hausnummer für Google identifiziert.

Die Entwicklung dürfte für den Schutz vor Spam und Missbrauch, den viele Webseitenbetreiber mit den Knautschbuchstaben oder Zahlenkombinationen verhindern möchten, weitreichende Folgen haben. Wie Googles Sicherheits-Blog anmerkt, waren Captchas für ein Jahrzehnt ein probates Mittel, um unerwünschte Bots und Programme vom eigenen Netzauftritt fernzuhalten.

Der nun erzielte Durchbruch bedeute, dass sich keiner mehr allein auf verzerrte Zeichen verlassen könne. Googles reCaptcha soll nun entsprechend angepasst werden. Neben Bildern umfasst der Google-Ansatz auch die Verwendung von Audio-Captchas. Die Lösung "dieser Sicherheitsmaßnahmen ist für Menschen leicht, bietet aber nach wie vor Schutz für Webseiten". Zumindest, bis die Spracherkennung auch diesen Trick zunichte macht.

meu

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1. veraltet und ersetzt
ColdFever 17.04.2014
sind die primitiven Zeichenerkennungs-Captchas schon lange auf vielen modernen Plattformen. Google nutzt sie noch, damit Anwender für den Suchriesen kostenlos unleserliche Texte identifizieren. An die Stelle der Captchas treten ansonsten eher Logikrätsel, z.B.: "Der Zahl zwischen 6 und 8?" "Der Monat vor dem Mai?"
2.
Schakutinga 17.04.2014
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINEVerzerrte Zeichen erkennen und eintippen, so muss man auf vielen Webseiten beweisen, dass man ein Mensch ist. Eigentlich sollen die zerknautschten Ziffern vor Spam-Robotern schützen. Jetzt lösen Computer die Rätsel besser als Menschen. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/google-knackt-den-captcha-code-a-964955.html
Ausser für gehörlose Menschen. Allerdings sind Captchas für sehbehinderte Menschen genauso eine unüberwindbare Hürde, da Hilfsprogramme wie Readspeaker naturgemäss daran scheitern. Aber Menschen, die nicht 'optimal funktionieren' werden ja leicht vergessen....
3. Audio-Captchas? Bitte nicht!
UlliS 17.04.2014
Audio-Captchas, die Siri usw. aussperren sollen, schaffen neue Barrieren für Hörgeschädigte. Da wird wohl eine ganz neue Lösung zu finden sein.
4. Wo ist das Problem?
humbahumba 17.04.2014
Wir kehren die Bedingung ab sofort um: Wer weniger als 3 Versuche braucht um den Buchstabensalat zu entziffern, muss ein Bot sein. Nur wer etliche Versuche benötigt um diesen unleserlichen Müll zu entziffern, kann ein Mensch sein. Optische Captchas nerven und sie nerven gewaltig! Weg damit!
5. Es wird ganz anders kommen.
nmw 17.04.2014
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINEVerzerrte Zeichen erkennen und eintippen, so muss man auf vielen Webseiten beweisen, dass man ein Mensch ist. Eigentlich sollen die zerknautschten Ziffern vor Spam-Robotern schützen. Jetzt lösen Computer die Rätsel besser als Menschen. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/google-knackt-den-captcha-code-a-964955.html
In immer kürzeren Schritten wird Sicherheit und Privatsphäre im Internet mühsamer. Wenn etwas mühsam wird, verliert der Mensch sein Interesse daran. Das wird wohl einigen zu schnell gehen. – Ganz bestimmt!
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