Vandalismus auf Google Maps Die Welt zu bekritzeln, ist vorerst verboten

Nutzer dürfen Google Maps mitgestalten, doch das geht manchmal schief. Nachdem jemand jüngst ein Android-Logo zeichnete, das auf ein Apple-Logo pinkelt, ist damit erst einmal Schluss. Es war nicht die erste Maps-Schmiererei.

Screenshot von der Weltkarte: "Googles Prüfsystem ist Mist"

Screenshot von der Weltkarte: "Googles Prüfsystem ist Mist"


Google hat nach der jüngsten Pinkelbot-Störaktionen den Map Maker abgeschaltet. Das ist eine Website, mit der jedes Google-Mitglied die Landkarten von Googles Kartendienst Maps verändern kann. Mit dieser Funktion hatten die Nutzer in letzter Zeit viel Schabernack getrieben.

"Wie einige von euch schon wissen, eskalierten in den letzten Monaten die Spam-Angriffe auf Google Maps", schrieb Maps-Mitarbeiterin Pavithra Kanakarajan am Dienstag im Google-Forum: "Der jüngste Vorfall war besonders beunruhigend - ein aktives Mitglied unserer Community hat sich entschieden, einen riesigen Scherz auf die Karte zu malen." Deshalb werden vorübergehend weltweit keine Nutzerbeiträge mehr zugelassen, "so lange, bis wir intelligentere Mechanismen entwickelt haben, die solche Vorfälle verhindern können."

Das war passiert: Maps-Maker-Mitglied Nitricboy hatte auf der Google-Landkarte im Nordosten von Pakistan einen riesigen Park in Form eines pinkelnden Roboters angelegt: Das Maskottchen des Google-Betriebssystems Android pinkelt auf einen angebissenen Apfel, der das Apple-Logo darstellen soll.

Nitricboy hat eine lange Geschichte mit Scherzeinträgen- nebst etlichen ernst gemeinten Beiträgen. Sein Nutzerprofil verzeichnet jedenfalls über tausend Kartenänderungen, mehr als 700-mal hat er Beiträge anderer Map-Maker-Nutzer überprüft.

Zwar werden Änderungen an Karten automatisch und von Menschen geprüft, dennoch rutscht hin und wieder ein Fehler durch - oder eine absichtliche Manipulation beziehungsweise ein Scherz. Google weist darauf hin, dass Kartenfehler über den Link "Ein Problem melden" an den Konzern übermittelt werden können.

Seltsame Gebäude und komische geformte Parks

Bereits vor zwei Wochen hatte sich ein Nutzer einen Spaß mit Google Maps erlaubt. Wie das Portal "Marketingland" berichtet, legte er auf der Karte vom Weißen Haus in Washington einen Snowboard-Shop an, den er Edwards Snow nannte. Eine Anspielung an den Whistleblower Edward Snowden. Den scherzhaften Eintrag hat Google mittlerweile wieder gelöscht. Zwischenzeitlich wurde der nicht existierende Laden von Google Maps aber sogar als verifizierter Händler angezeigt.

Immer wieder fallen Maps-Nutzern seltsame Gebäude, komisch geformte Parks, katzenförmig verlaufende Straßen und überraschende Ladengeschäfte in abgelegenen Regionen auf. Sehen Sie hier einige Beispiel zum Durchklicken:

Smiley-See

Die Shan-A-Pakistan-Terrasse in Islamabad nahe des Rawal-Sees erinnert an einen Smiley. Tatsächlich ist der angebliche Park aber die Erfindung von Nitricboy, dem Map-Maker-Nutzer, der auch den Pinkel-Droiden in Pakistans Hinterland malte.

Straßenkatze

Hobson Bay ist ein beschaulicher Ort, aber leistet er sich tatsächlich eine verwinkelte Straße in Form einer derangierten Katze?

Katzenfrei

Nein. Ein Nutzer hatte nach und nach Straßenabschnitte zur Karte hinzugefügt und so vermutlich die automatischen Kontrollinstanzen von Google unterlaufen - bis eine Katze die Hobson Bay zierte.

Bäckerei im Niemandsland

Mitten im pakistanischen Nirgendwo stehen eine Bäckerei und ein Elektronikladen. Das könnte natürlich ein einfacher Kartenfehler sein. Tatsächlich finden sich auf Google Maps aber gerade in entlegenen Regionen viele Unternehmen, die Google Maps als Werbeschild missbrauchen.

Der Facebook-See

Dieser See im Osten Lahores sieht aus wie das Facebook-Logo. Ein Map-Maker-Nutzer hat ihn dort eingezeichnet. Allerdings wurde der falsche See auf den offiziellen Karten nie veröffentlicht, weil er automatisch oder von einem anderen Mitglied als Scherz entlarvt wurde.

Kritik an Googles System

Dass Googles Edit-Methoden nicht ganz zuverlässig funktionieren, haben auch schon Map-Maker-Mitglieder bemerkt. Acht Kilometer vom Android-Pinkelbot entfernt schrieb jemand "Googles Prüfsystem ist Mist" in den Takht-Pari-Wald. Mittlerweile ist dieses Bild längst verschwunden. Zu sehen ist nur noch Wald.



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insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
betty543 12.05.2015
1. Schade dass die Funktion deaktiviert wurde, aber...
Es gibt eine Seite auf der man ganz offiziell die Weltkarte bemalen kann. Und das sogar völlig unzensiert. www.baaam.international
wuargh 12.05.2015
2.
>> Google weist darauf hin, dass Kartenfehler über den Link "Ein Problem melden" an den Konzern übermittelt werden können. Richtig. Man kann Kartenfehler an Google übermitteln. Und manchmal erhält man darauf sogar eine Antwortmail. Aber niemand korrigiert die Fehler! Ich hab schon vor Jahren mehrfach Fehler eingesendet, die sind noch alle unverändert vorhanden. Geantwortet wurde mit: Der Fehler ist da, kann aber derzeit nicht behoben werden.
muttis_liebling_13 14.05.2015
3. Ist mir vor kurzem aufgefallen
Insel Naxos in einer kleinen Meerwassersaline. Ein paar Meter links oberhalb dieses Salztümpels, konnte man vor 25 Jahren wild campen. War damals ein super schöner Platz direkt am Strand. Hat sich eigentlich kaum etwas verändert. Nur die Coralli Beach Apartments sind neu und die "Reifenspuren" in Form von männlichen Geschlechtsteilen unterhalb der Apartments. Ja ja, der Phallus gilt eben seit Jahrtausenden als Symbol für Kraft und Fruchtbarkeit.
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