Google Maps Wie Europa im Meer versank

Google gehört ohne Zweifel zu den innovativsten Web-Unternehmen der Welt. Seit dem Börsengang schüttet uns Google sogar regelrecht zu mit neuen Ideen - und jetzt verändern sie sogar die Welt. Im Sinne des Wortes.


Nett: Google-Maps lädt zu fröhlichen Zoom- und Kartenschiebespielen ein

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Haben Sie schon Google Maps entdeckt, den neuen, noch im Betatest befindlichen Service von Google? Eine Klasse Sache ist das, wenn auch nicht unbedingt neu: Per Mausklick und Zoom-Button, Suchmaske und schickem, per Maus beweglichen Kartendisplay kann man sich dort seinen Weg suchen. Zum Beispiel in Kansas City, wo man Google sei Dank nun problemlos den Weg zum Children's Mercy Hospital finden sollte. Bis hinab und hinein in kleinere Straßen kann man sich zoomen, oder aus der Karte heraus, um den globalen Überblick zu bekommen.

Die "größte" erhältliche Kartenansicht versetzt uns weit hinauf über die Vereinigten Staaten, wir blicken von der West- bis zu Ostküste und hinaus auf die Ozeane. Wie wir alten Euopäer ja wissen, liegen circa 500 Pixel rechts von Neufundland und Labrador dann diese niedlichen britischen Inseln, weltweit berühmt für ihre Gastfreundschaft, wilden Bewohner, ihre (ehemals) schlechte Küche und - und das ist verbrieft - ihr allenfalls durchwachsenes Klima.

Auch sehr seltsam: Die berühmte CNN-Irak-Karte

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Und wieder reizt das natürlich, sich in die Karte hinab zu zoomen, den Weg von A nach B zu suchen, den man im Urlaub vielleicht wirklich einmal fuhr. Schnell merkt man da aber, dass die Detailtreue der Googlekarten zu wünschen übrig lässt. Konkurrenten wie Map24.de bieten da erheblich mehr: Bei Google existiert nichts, was nicht mindestens Highwaygröße hat.

Und doch lohnt der Ausflug zu Google-Maps, und wenn auch nur, um die Welt einmal ganz anders zu sehen.

Nahezu gefährlich wäre der Service nämlich beispielsweise für Kapitäne: Wer der Google-Karte gen Osten folgt und sich auf mindestens 600 Pixel weite, unberührte, offene See freut, der endete unweigerlich an der Hafenmauer von Ostende - und wer will da schon hin?

Einsam inmitten der Fluten: Nach links segeln ist sicher, nach rechts eigentlich nicht

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Denn siehe da: Östlich von Großbritannien liegt das Nichts; so wie auch westlich von Amerika. Zwei Boote, die hier in unterschiedlichen Richtungen auseinander strebten, träfen sich unweigerlich, denn nichts würde sie daran hindern. Selbst Kleinigkeiten wie Asien oder Europa nicht, denn die gingen in Googles Betaversion der Welt dorthin, wo seit langem schon Atlantis ist: Versunken sind die Kontinente, so wie auch Afrika, Australien, Südamerika und der ganze Rest.

Was bleibt, sind Nordamerika, Irland und Großbritannien, das die Band New Model Army einst als 51. Staat der USA besang. Womit das Bild von der Welt ja wieder einigermaßen im Lot wäre, ähnelt der Google-Globus doch deutlich der Weltwahrnehmung amerikanischer Fernsehnachrichten in friedlichen Zeiten. Und wünschen wir uns die nicht alle?

Frank Patalong



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