Vorwürfe sexueller Belästigung Mitarbeiter protestieren weltweit gegen Arbeitskultur bei Google

Bei Google bleiben am Donnerstag zahlreiche Arbeitsplätze leer. Mitarbeiter des Unternehmens wollen so ein Zeichen gegen sexuelle Übergriffe im Job setzen - und Googles Umgang damit.

Protestaktion von Google-Mitarbeitern in Singapur
REUTERS/ Twitter @GOOGLEWALKOUT

Protestaktion von Google-Mitarbeitern in Singapur


"Ich bin nicht an meinem Schreibtisch, weil ich mit anderen Googlern und Auftragnehmern streike, um gegen sexuelle Belästigung, schlechtes Benehmen, mangelnde Transparenz und eine Arbeitskultur zu protestieren, die nicht für alle funktioniert. Ich bin später wieder am Platz." Eine Notiz mit diesem Hinweis soll am Donnerstag auf diversen Arbeitsplätzen von Google-Mitarbeitern rund um den Globus liegen.

Das bewusste Fernbleiben vom Arbeitsplatz ist mit einer Protestaktion jeweils um 11.10 Uhr Ortszeit verbunden. Eins der ersten Treffen von Mitarbeitern, die gemeinsam ein Zeichen gegen Googles Umgang mit sexueller Belästigung am Arbeitsplatz setzen wollen, gab es in Singapur. Später folgte zum Beispiel Zürich:

An anderen Sitzen der Firma, etwa in San Francisco, sind ähnliche Treffen geplant. Insgesamt sind Aktionen an mehr als 40 Orten angedacht.

Zahlreiche Entlassungen

Die Google-Mitarbeiter fordern mit ihrer Aktion unter anderem ein sicheres, anonymes Meldesystem für sexuelle Übergriffe sowie einen einsehbaren Transparenzbericht zum Thema, aber auch Lohn- und Chancengleichheit im Unternehmen. Initiiert hatten den Protest mit dem Titel "Walkout for real Change" einige Frauen im Unternehmen, ihnen schlossen sich aber zahlreiche männliche Kollegen an.

Vergangene Woche hatten die Google-Mitarbeiter und die Öffentlichkeit erfahren, dass die Firma in den vergangenen zwei Jahren 48 Mitarbeiter wegen des Vorwurfs der sexuellen Belästigung entlassen hat, darunter 13 Manager.

Die "New York Times" hatte zuvor über den Fall des Android-Erfinders Andy Rubin berichtet, der trotz eines entsprechenden Vorwurfs gegen ihn eine Abfindung von 90 Millionen Dollar zugesagt bekommen haben soll. Rubin sprach daraufhin auf Twitter von "falschen Anschuldigungen", die Teil einer Rufmordkampagne gegen ihn seien. Außerdem betonte er, es fänden sich im Artikel der Zeitung "wilde Übertreibungen" zu seiner Abfindung.

Eine "immer härtere Linie"

Google-Chef Sundar Pichai beteuert, dass keinem Mitarbeiter, dessen Ausscheiden aus der Firma mit dem Vorwurf eines sexuellen Übergriffs zu tun hat, eine Abfindung gezahlt worden sei. Pichai betont außerdem, dass Google eine "immer härtere Linie" gegen derartiges Fehlverhalten verfolge.

Am Dienstag hatte Pichai in einer Botschaft an die Beschäftigten für die "vergangenen Geschehnisse" bei Google um Entschuldigung gebeten. "Ich verstehe die Wut und Enttäuschung, die viele von euch fühlen", schrieb er. "Ich fühle es auch, und ich bin fest entschlossen, Fortschritte in einem Thema zu machen, das es schon viel zu lange in unserer Gesellschaft gibt. Und, ja, auch hier bei Google."

Einen Tag später, am Mittwoch, kündigte Google noch an, sich von Rich DeVaul getrennt zu haben, der in leitender Funktion bei Google X tätig war, einem für Forschung und Entwicklung zuständigen Unternehmenszweig. Die "New York Times" hatte berichtet, DeVaul sei vor einigen Jahren gegenüber einer jungen Job-Bewerberin zudringlich geworden. Google nannte für das Ausscheiden DeVauls keine Gründe.

Weniger als ein Drittel Frauen

Die knapp 50 Kündigungen im Kontext von Belästigungsvorwürfen hatte Google seinerzeit nicht öffentlich gemacht. Die Firma sah sich aber - wie andere Silicon-Valley-Firmen auch - in der Vergangenheit schon häufiger mit dem Thema Sexismus konfrontiert.

Im Sommer 2017 beispielsweise machte das Schreiben eines Google-Entwicklers Schlagzeilen, der seine Branche vor Problemen sah, weil zunehmend Frauen an Tech-Jobs kämen. In dem Google-intern häufig geteilten Text erklärte der Autor die männliche Tech-Dominanz durch biologische Vorteile der Männer. Diese Tatsache ausgleichen zu wollen, schade der Branche, behauptete er.

Für Google und seinen Mutterkonzern Alphabet arbeiten mittlerweile weltweit um die 90.000 Menschen. Frauen machen bei Google etwas weniger als ein Drittel der Mitarbeiter aus.

mbö/AP/AFP/dpa



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einerkeiner 01.11.2018
1. Einseitiger Artikel
Der Spiegel beteiligt sich mal wieder an einer Kampagne anstatt objektiv zu berichten. Der Artikel ist voller suggestiver Aussagen die in die falsche Richtung deuten. Ein Frauenanteil von 30% ist für einen Software-Konzern ein durchaus hoher Wert, wenn man sich mal den Frauenanteil unter Informatik-Studenten anschaut (in den meisten Ländern der Welt unter 20%). Hinter dem hohen Frauenanteil steckt wahrscheinlich positive Diskriminierung zum Vorteil von Frauen, wovon es natürlich gar nicht genug geben kann wie es scheint. Und der damals entlassene Google-Ingenieur berief sich, soweit ich mich erinnere, überwiegend genau darauf, oder zumindest auf statistische Unterschiede zwischen den Geschlechtern, aber sicher nicht auf "biologische Vorteile" wie es hier dargestellt wird.
FocusTurnier 01.11.2018
2. Das Damore-Memo
Zitat von einerkeinerDer Spiegel beteiligt sich mal wieder an einer Kampagne anstatt objektiv zu berichten. Der Artikel ist voller suggestiver Aussagen die in die falsche Richtung deuten. Ein Frauenanteil von 30% ist für einen Software-Konzern ein durchaus hoher Wert, wenn man sich mal den Frauenanteil unter Informatik-Studenten anschaut (in den meisten Ländern der Welt unter 20%). Hinter dem hohen Frauenanteil steckt wahrscheinlich positive Diskriminierung zum Vorteil von Frauen, wovon es natürlich gar nicht genug geben kann wie es scheint. Und der damals entlassene Google-Ingenieur berief sich, soweit ich mich erinnere, überwiegend genau darauf, oder zumindest auf statistische Unterschiede zwischen den Geschlechtern, aber sicher nicht auf "biologische Vorteile" wie es hier dargestellt wird.
Ich stimme Ihrem Beitrag vollständig zu. Das Damore-Memo kann man sich in deutscher Übersetzung bei den Ruhrbaronen durchlesen: https://www.ruhrbarone.de/das-google-manifest-im-volltext/145458
g2000 01.11.2018
3. Sexismus ist auch
wenn Sexismus einseitig dargestellt wird. Insofern kann auch Ihnen nur zustimmen. Das Google Manifest ist harmlos im Vergleich zu dem, was über Männer oft geschrieben wird. Denn einseitige Frauen- an Stelle von Geschlechterquoten und in Folge davon einseitige Förderung sind grundsätzlich als sexistisch zu bewerten. Da kann ich dem Google Mitarbeiter nur beipflichten, obwohl er das Wort nicht benennt. Denn einseitige Quoten sind immer Mindestquoten und damit diskriminiernd. Denn zB die 90%ige Lehrerinnenquote bleibt unangetastet während ein Männeranteil von 51% je Abteilung im öffentlichen Dienst pönalisiert wird. Dies sind also Privilegien für Frauen- und keine Rechte für Menschen. Ich hätte mir von einem solchen Artikel Fakten und nicht pauschale Verdächtigungen erwartet.
Nonvaio01 01.11.2018
4. 2017 hatte Alphabet 88.000 mitarbeiter
davon wurden 40 entlassen......was fuer eine quote.......wenn man sonst nichts zu berichten hat.
Bombe 20 01.11.2018
5. Und wann kommt der Walkout wegen willkürlicher Entlassungen?
Google soll 50 Mitarbeiter aufgrund von Vorwürfen(!) sexueller Belästigung gefeuert haben. Nicht wegen nachgewiesener Taten, sondern zum Teil offenbar allein auf das Wort einer einzigen Frau hin, daß vor Jahren irgendetwas passiert sein soll. Natürlich muß ein Arbeitgeber gegen ein Betriebsklima vorgehen, das schädlich für seine Angestellten ist. Und natürlich sind signifikante sexuelle Belästigungen geeignet, so ein Klima zu schaffen. Und letztlich leiden nicht nur die Opfer, sondern alle unter den wenigen A.löchern, die es zweifellos und vermutlich überall gibt. Aber wenn jetzt zwar weibliche Google-Beschäftigte sicher sein können, daß jede anonyme Meldung eines Fehlverhaltens eines Kollegen dafür sorgt, daß dieses, wie auch immer, abgestellt wird, dafür aber die männlichen in der ständigen Angst leben müssen, aufgrund eines Jahre zurückliegenden Fehlverhaltens, eines simplen Mißverständnisses oder einer vorsätzlichen falschen Beschuldigung ihren Arbeitsplatz zu verlieren, ist die Situation ganz sicher nicht besser geworden. (Und diese schwarz-weiße Geschlechtertrennung wird es geben. Daß jemals eine Frau gefeuert werden wird, weil ein Mann sie einer Grenzüberschreitung beschuldigt, glaube ich erst, wenn es tatsächlich passiert.) Und was James Damore angeht: Er hatte lediglich festgestellt, daß Männer und Frauen im Schnitt unterschiedliche Interessen haben und Frauenförderung effektiver sein könnte, wenn man diese Unterschiede anerkennt. Da er damit aber an der heiligen Kuh der Soziologisten gekratzt hatte, daß Mann und Frau bis auf ihre Geschlechtsorgane exakt gleich und alle statistischen Unterschiede allein auf das böse Wirken des teuflischen Patriarchats zurückzuführen seien, mußte der Ketzer natürlich als Frauenfeind auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden. Aber ein Betrieb, in dem angeblich eine Hexenjagd das Betriebsklima verbessert, wäre mir schon dann höchst suspekt, wenn seine Tätigkeit nicht das möglichst umfangreiche Sammeln von möglichst vielen persönlichen Daten möglichst großer Teile der Weltbevölkerung umfassen würde... Bombe 20
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