Google most wanted Deutsche suchen Sex und Routenplaner

Offiziell ist Routenplaner der meistgesuchte Begriff bei Google Deutschland im Jahr 2006. Auf den Plätzen zwei und drei folgen WM 2006 und Wetter. Ganz so prüde, wie es erscheint, sind die Deutschen freilich nicht: Nach Sex suchen sie noch viel häufiger.

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Google Zeitgeist - so nennt man bei der weltgrößten Suchmaschine das regelmäßige Ranking der Suchbegriffe. Wonach die Leute fahnden, das sagt ja auch eine Menge darüber aus, was sie beschäftigt. Im Jahr 2006 tippten deutsche Surfer laut Google am häufigsten den Begriff "Routenplaner" in die Maske. "Die Deutschen suchen offenbar nach Orientierung", kommentiert Google-Sprecher Keuchel das Ranking.

Top-Suchworte, mit denen Google gern für sich wirbt - und natürlich "Sex"

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Auf den Plätzen folgen WM 2006, Wetter, Wikipedia und Paris Hilton. Weltweit landete die nur mäßig bekannte Communityseite bebo auf dem ersten Platz, gefolgt von myspace und world cup. Auffällig an den Zeitgeist-Rankings ist auf jeden Fall, dass Begriffe wie Sex oder Porno darin nicht auftauchen.

"Diese Begriffe werden durchaus nachgefragt", sagt Unternehmenssprecher Keuchel zu SPIEGEL ONLINE. Google entferne sie jedoch aus den Statistiken. "Sex ist nicht der meistgesuchte Begriff", betont Keuchel. Ist es also doch Routenplaner?

Die Antwort darauf liefert Google selbst - mit seinem Analysetool Trends. Damit kann man leicht recherchieren, welche Begriffe in welchem Zeitraum und in welcher Region besonders häufig nachgefragt werden. Google Trends liefert keine absoluten Zahlen, sondern vergleicht bis zu fünf Suchbegriffe miteinander.

Was liegt näher, als Sex, Routenplaner (die angebliche Nummer Eins) und WM 2006 zu untersuchen? Im Jahr 2006 und für Deutschland. Das Ergebnis ist eindeutig: Sex interessiert deutsche Surfer viel mehr als Routenplaner oder die Fußball-WM. Dass Sex das meistgesuchte Wort ist, ist damit freilich nicht bewiesen. Es könnte ja noch ein ganz anderes Wort sein.

Die Kurven der drei Begriffe verraten übrigens noch mehr: Schaut man sich beispielsweise nur den Monat November an, dann fällt auf, dass Sex immer dann besonders häufig gesucht wird, wenn der Routenplaner weniger stark interessiert: an den Wochenenden. Suchen die Deutschen die ganze Woche im Büro nach dem direktesten Weg zum Partner und können dann aber am Wochenende nicht fahren, weshalb Erotik im Netz herhalten muss? Seltsam, seltsam.

Zweifel am Zeitgeist-Ranking (oder an Google Trends) tauchen auf, wenn man den angeblichen Top-Suchbegriff bebo mit Trends genauer untersucht. Zum Beispiel im Vergleich zu Youtube, dass in den Top 10 nicht vertreten ist, und myspace. Die Bebo-Kurve liegt das ganze Jahr weit unterhalb denen von Myspace und Youtube. Entweder stimmt die Zeitgeist-Liste nicht - oder aber Google Trends liefert falsche Ergebnisse.

Dass Statistiken richtig zynisch sein können, beweist die Liste der Aufsteiger des Jahres: Auf Platz drei kam die Vogelgrippe, auf Platz fünf die Österreicherin Natascha Kampusch, die jahrelang in einem Garagenkerker vegetieren musste.



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