Google+ offen für alle Google wirbt für seine Meldestelle

Onlineriese Google rekrutiert mit aller Macht Mitglieder für sein Netzwerk: Google+ ist nun offen für alle Nutzer - eine Anzeige auf der Startseite der Google-Suchmaschine wirbt für den Dienst, bei dem sich jeder mit echtem Namen registrieren muss.

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Bitte folgen: Der blaue Pfeil wirbt für Googles Netzwerk

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Es ist eine der attraktivsten Anzeigenflächen im Web und Google nutzt sie exklusiv: Google plaziert am Mittwoch eine riesige Eigenanzeige auf der Startseite seiner Suchmaschine. Nutzer sehen einen großen blauen Pfeil, der nach links oben weist - zum Anmelde-Button für das Google-Netzwerk Google+.

Nun kann sich jeder bei Google+ anmelden, der Onlinekonzern hat das Netzwerk für alle geöffnet. Zuvor lief Google+ drei Monate lang in einem sogenannten Feldversuch, bei dem sich nur von anderen eingeladene Nutzer registrieren konnten.

Die Eigenanzeige für das Google-Netzwerk auf der wohl am häufigsten besuchten Website der Welt erscheint ausgerechnet an dem Tag, an dem Google-Außenminister Eric Schmidt vor einem Ausschuss des US-Senats zu Wettbewerbsfragen Stellung nimmt. Die US-Kartellbehörde FTC prüft derzeit, wie der Internetriese seine Marktmacht nutzt, ob möglicherweise ein Missbrauch vorliegt.

Die "New York Times" zitiert aus einer vorab beim US-Senat eingereichten schriftlichen Stellungnahme Schmidts die bekannte Argumentation des Konzerns: Google habe in allen Bereichen Konkurrenten, zum Beispiel von Microsofts Suchmaschine Bing. Außerdem schaffe man doch Arbeitsplätze, so Schmidt. Er hofft, dass die Kartell-Untersuchung "fair" verlaufe, so dass Google "weiterhin Jobs schaffen und Produkte entwickeln könnte, die die Nutzer begeistern."

Google verknüpft seine Dienste

Die parallel laufende Werbeaktion für Google+ demonstriert, wie Google neue Geschäftsbereiche erobert. Einerseits setzt der Konzern viele neue Ideen um. Die nun vorgestellten Innovationen im Überblick:

  • Google ergänzt seinen Videokonferenz-Treffpunkt Hangout um neue Funktionen: Hangouts wird es künftig auch fürs Smartphone geben.
  • Die Hangout-Erweiterung "On air" ergänzt den Dienst um eine Art Video-Konferenzschaltung, die bis zu neun Teilnehmer eine Übertragung erlaubt. Zuschauen können bei solchen Live-Präsentationen alle Google+ Nutzer.
  • Bei einer Übertragung per Hangout können Nutzer nun auch ihren Computer-Desktop zeigen - damit kann man zum Beispiel anderen Nutzern vorführen, wie bestimmte Programme zu bedienen sind.

Parallel zu diesen Innovationen verzahnt Google das Netzwerk aber auch mit anderen seiner Dienste. Anzeigenkunden können nun bei Banner-Werbung Google+ einbinden. Wenn Mitglieder von Google+ eine Anzeige per Klick auf Googles +1-Schalter als gut befunden haben, taucht diese Meinungsäußerung womöglich in den Anzeigen für diese Website auf. Google bietet Nutzern die Möglichkeit, der Nutzung des eigenen Profilfotos für solche Werbeauftritte zu widersprechen.

Außerdem verbindet Google seine kostenlose Online-Textverarbeitung und Tabellenkalkulation Google Docs mit dem eigenen Netzwerk: Nutzer können Dokumente gemeinsam mit anderen bearbeiten und sich dabei per Hangout-Videokonferenz unterhalten - ein Konto bei Google+ vorausgesetzt.

Klarnamenpflicht bei Google+

Diese Verzahnung mit anderen Diensten nährt Zweifel an der Aussage, die Anmeldung bei Google+ sei völlig freiwillig. Ende August antwortete Googles Verwaltungsratschef Schmidt Kritikern des Zwangs zur Veröffentlichung des echten Namens beim Google Netzwerk, niemand zwinge einen Nutzer dazu, den Dienst zu nutzen. Schmidt erklärte außerdem, Google+ sei in erster Linie als Identitätsdienst entwickelt wurde. Ein Zuhörer paraphrasierte Schmidts Äußerungen so: Deshalb sei es unerlässlich, die echten Namen der Nutzer zu registrieren für den Fall, dass man in Zukunft darauf aufbauende Produkte entwickeln werde.

Wenn nun Mitarbeiter per Hangout-Konferenz über ein Dokument diskutieren wollen, steigt der soziale Druck auf Nicht-Mitglieder, das Google-Netzwerk ebenfalls zu nutzen.

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insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
seduro34 21.09.2011
1. So, so
Google will also eine Klarnamenpflicht. Wie wollen sie das überwachen, gleichen sie dann die Daten mit denen des Einwohnermeldeamtes ab? Oder die der Verkehrsbehörden? Wer sich vor lauter Bequemlichkeit bei Google zum gläsernen User macht, ist selbst daran schuld. Alle Dienste die Google anbietet, kann man auch bequem bei anderen Anbietern bekommen und das ohne das man sich und seinen Rechner offenbart.
zimmermannrobert 21.09.2011
2. Eine Klarnamenspflicht ist ...
... meiner Meinung nach ein Verstoß gegen §§ 3a BDSG, 13 VI TMG. Dort steht klar, dass pseudonyme Zugänge für Onlinedienste Pflicht sind. Ausnahmen sind dort geregelt. Dieser Schutz vor dem Zwang zur Online-Entblössung ist vom Gesetzgeber gut durchdacht, unabhängig davon, ob man freiwillig mitmacht oder nicht. Datenschutz dient dem Schutz der Menschenwürde und der Meinungsfreiheit.
ralf_si 21.09.2011
3. Auf Thema antworten
"Wenn nun Mitarbeiter per Hangout-Konferenz über ein Dokument diskutieren wollen, steigt der soziale Druck auf Nicht-Mitglieder, das Google-Netzwerk ebenfalls zu nutzen." Seit wann bestimmt der Mitarbeiter, wie die Konferenz zu erfolgen hat bzw. wo Dokumente gespeichert werden. Und von einem Unternehmer, der seine Geschäftsdaten in der Google-Cloud speichert, wird man wohl eher Abstand nehmen.
BenjaminB 21.09.2011
4. Offen für alle? Nein!
Zitat von sysopOnlineriese Google rekrutiert mit aller Macht Mitglieder für sein Netzwerk: Google ist nun offen für alle Nutzer -*eine Anzeige auf der Startseite der Google-Suchmaschine wirbt für*den Dienst, bei dem sich jeder mit echtem Namen registrieren muss. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,787490,00.html
Das stimmt so nicht. Google Apps User (also zahlende (Unternehmens-)Kunden können den Dienst nicht benutzen ("Google+ ist noch nicht für Google Apps verfügbar."). Das ist eigentlich eine Erwähnung wert.
Knarzi 21.09.2011
5.
Und bei mehr als 90% Marktanteil der Google-Suche in Europa wird hier schön die dominante Position ausgenutzt um dieses Netzwerk zu pushen. Wenn's schon mit Diensten wie Buzz nichts wurde, dann muss man eben das Ganze bisschen drastischer bewerben.
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