Von Konrad Lischka und Richard Meusers
Es ist eine der attraktivsten Anzeigenflächen im Web und Google nutzt sie exklusiv: Google plaziert am Mittwoch eine riesige Eigenanzeige auf der Startseite seiner Suchmaschine. Nutzer sehen einen großen blauen Pfeil, der nach links oben weist - zum Anmelde-Button für das Google-Netzwerk Google+.
Nun kann sich jeder bei Google+ anmelden, der Onlinekonzern hat das Netzwerk für alle geöffnet. Zuvor lief Google+ drei Monate lang in einem sogenannten Feldversuch, bei dem sich nur von anderen eingeladene Nutzer registrieren konnten.
Die Eigenanzeige für das Google-Netzwerk auf der wohl am häufigsten besuchten Website der Welt erscheint ausgerechnet an dem Tag, an dem Google-Außenminister Eric Schmidt vor einem Ausschuss des US-Senats zu Wettbewerbsfragen Stellung nimmt. Die US-Kartellbehörde FTC prüft derzeit, wie der Internetriese seine Marktmacht nutzt, ob möglicherweise ein Missbrauch vorliegt.
Die "New York Times" zitiert aus einer vorab beim US-Senat eingereichten schriftlichen Stellungnahme Schmidts die bekannte Argumentation des Konzerns: Google habe in allen Bereichen Konkurrenten, zum Beispiel von Microsofts Suchmaschine Bing. Außerdem schaffe man doch Arbeitsplätze, so Schmidt. Er hofft, dass die Kartell-Untersuchung "fair" verlaufe, so dass Google "weiterhin Jobs schaffen und Produkte entwickeln könnte, die die Nutzer begeistern."
Google verknüpft seine Dienste
Die parallel laufende Werbeaktion für Google+ demonstriert, wie Google neue Geschäftsbereiche erobert. Einerseits setzt der Konzern viele neue Ideen um. Die nun vorgestellten Innovationen im Überblick:
Parallel zu diesen Innovationen verzahnt Google das Netzwerk aber auch mit anderen seiner Dienste. Anzeigenkunden können nun bei Banner-Werbung Google+ einbinden. Wenn Mitglieder von Google+ eine Anzeige per Klick auf Googles +1-Schalter als gut befunden haben, taucht diese Meinungsäußerung womöglich in den Anzeigen für diese Website auf. Google bietet Nutzern die Möglichkeit, der Nutzung des eigenen Profilfotos für solche Werbeauftritte zu widersprechen.
Außerdem verbindet Google seine kostenlose Online-Textverarbeitung und Tabellenkalkulation Google Docs mit dem eigenen Netzwerk: Nutzer können Dokumente gemeinsam mit anderen bearbeiten und sich dabei per Hangout-Videokonferenz unterhalten - ein Konto bei Google+ vorausgesetzt.
Klarnamenpflicht bei Google+
Diese Verzahnung mit anderen Diensten nährt Zweifel an der Aussage, die Anmeldung bei Google+ sei völlig freiwillig. Ende August antwortete Googles Verwaltungsratschef Schmidt Kritikern des Zwangs zur Veröffentlichung des echten Namens beim Google Netzwerk, niemand zwinge einen Nutzer dazu, den Dienst zu nutzen. Schmidt erklärte außerdem, Google+ sei in erster Linie als Identitätsdienst entwickelt wurde. Ein Zuhörer paraphrasierte Schmidts Äußerungen so: Deshalb sei es unerlässlich, die echten Namen der Nutzer zu registrieren für den Fall, dass man in Zukunft darauf aufbauende Produkte entwickeln werde.
Wenn nun Mitarbeiter per Hangout-Konferenz über ein Dokument diskutieren wollen, steigt der soziale Druck auf Nicht-Mitglieder, das Google-Netzwerk ebenfalls zu nutzen.
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