Demonstrative Transparenz Google plant gläsernes Hauptquartier

Der Firmensitz von Google in Kalifornien wirkt wie ein Spielplatz für Nerds und Hipster. Jetzt plant Google das nächste Hauptquartier und verspricht beispiellose Transparenz - zumindest, was die Baumaterialien angeht.

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REUTERS

Mountain View - Gläserne, elegant geschwungene Kuppelbauten stehen in sonniger Landschaft. Durch die umgebenen Gärten flanieren junge, leger gekleidete Menschen. Auf Tretrollern oder Fahrrädern rauschen die Eiligen durch die Idylle: Wenn Google visioniert, wirkt das oft ein wenig so, wie Hightech-Versionen der Paradies-Darstellungen auf "Wachturm"-Titelseiten.

Jetzt plant der Weltkonzern ein neues Hauptquartier in Kalifornien, und die Architektur soll einmal mehr für das behauptete Wesen des Unternehmens sprechen: Ganz in Glas kommen die gigantischen Kuppeln daher, schaffen riesige, lichtdurchflutete Räume. Was der Konzern bisher an Bildern seiner Pläne öffentlich machte, sieht aus wie ein luxuriöser Ferienpark für Multimillionäre: Klar, dass auch unter den Kuppeln genügend Raum für gemeinsame Körperertüchtigung ist - oder die Bewegung per Mountainbike.

Die zentrale Idee des Projekts, sagt Google, sei ein Büroraum, den man frei umgestalten könne. Wenn die nötigen Genehmigungen erteilt werden, sollen die ersten neuen Gebäude am heutigen Sitz in Mountain View, einem Vorort von San Francisco, voraussichtlich zum Jahr 2020 abgeschlossen sein, berichtet das "Silicon Valley Business Journal".

Architektur sagt, wofür ein Unternehmen steht

Wie kaum ein anderer Konzern hat es Google von Beginn an verstanden, zum Zwecke seiner Imagebildung eine Form der totalen Selbstdarstellung zu pflegen. "Do no evil", tue nichts Böses, hieß das Motto der frühen Jahre. Der Konzern stellte sich gern als dienstleistungsorientierter Brainpool junger, guter Hipster dar, die die Welt verbessern wollten.

Denen gestand man nicht nur ein Fünftel ihrer Arbeitszeit zur Pflege eigener Ideen zu, sondern auch eine Arbeitsumgebung, die farblich und stilistisch mitunter wirkte, wie ein Kindergarten für Achtundzwanzigjährige: Fitnessräume, Relax-Zonen und sehr viel knallige Farben waren lang die auffälligsten Merkmale von PR-Fotos aus dem "Googleplex".

Diese geballte Harmlosigkeit nimmt man Google schon lange nicht mehr ab. Das Unternehmen wird seit Langem zu den mächtigsten der Welt gezählt.

Und gefürchtet: Das vorherrschende Image, das man heute vor allem in Europa mit Google verbindet, ist das eines Daten-Kraken, der alles wissen will, aber selten mitteilt, was er mit diesen Daten anstellt. Man kann eine Architektur, der vor allem die Botschaft der Transparenz unterliegt, da durchaus als Antwort verstehen: Architektur demonstriert physisch, wofür ein Unternehmen stehen will.

Der Umzug in neue, mehr Macht und Größe signalisierende Hauptquartiere ist allerdings auch Trend. Apple baut bereits an einem riesigen kreisförmigen Gebäude in Cupertino, das Ende 2016 bezugsfertig sein soll (siehe Bildergalerie). Für Facebook entwarf der Stararchitekt Frank Gehry eine Art Firmendorf mit bepflanzten Dächern. Und auch der Online-Händler Amazon plant in Seattle eine Firmenzentrale in großen Glassphären.

mit Informationen der dpa

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