Google Play Books: Google verkauft E-Books in Deutschland

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Schwacher Start für Googles Digital-Buchhandlung: Der US-Konzern verkauft nun auch in Deutschland E-Books. Die Software funktioniert gut, allerdings ist das Angebot dürftig - gerade mal sechs von 20 SPIEGEL-Bestsellern hat der Konzern im Angebot.

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Google Play: E-Books sind neu im deutschen Angebot

Die Offerte ist gar nicht schlecht: Google hat seinen Digitalbuchladen für deutsche Kunden geöffnet. Anders als bei Apple und Amazon kann man die bei Google gekauften digitalen Werke auch auf Lesegeräten von Drittanbietern wie Sony, Aluratek und Kobo nutzen.

Allerdings ist die Auswahl bei Google derzeit arg begrenzt: Von 20 Romanen und Sachbüchern aus den aktuellen Top-Ten der SPIEGEL-Bestsellerliste sind bei Google nur sechs Werke als E-Book erhältlich. Sie kosten genauso viel wie bei den Konkurrenz-Webshops von Amazon, Apple und Libreka. Bei diesen Anbietern ist die Auswahl aber größer: Amazon und Libreka haben 15 der 20 Bestseller als E-Book-Ausgabe, Apple verkauft sogar 18 der 20 Bestseller. Im iBookstore ist auch die deutsche Übersetzung der Hunger-Games-Reihe verfügbar ("Die Tribute von Panem"), die in den anderen Digitalbuchläden fehlt. Das Fachmagazin "Buchreport" hatte im Februar berichtet, Google biete Verlagen vergleichsweise schlechten Konditionen und Rahmenbedingungen.

Googles E-Books kann man sowohl im Webbrowser als auch in der Android-Anwendung "Play Books" kaufen. Auf dem iPhone und iPad kann man in der Google-Anwendung nur bereits gekaufte Digitalausgaben lesen - das Kaufangebot ist mit Sicherheit wegen Apples restriktiver Bedingungen entfernt worden.

E-Books zum Runterladen

Einmal gekauft, sind Googles E-Books ähnlich wie bei Amazon auf allen Geräten mit entsprechenden Google-Anwendungen (Android-Smartphones und Tablets, iPhone, iPod Touch, iPad) verfügbar - zudem kann man die Werke wie bei Amazon auch direkt im Browser lesen. Allerdings bietet Google keine Offline-Lesesoftware für Computer an. Die eingegebenen Notizen, Markierungen und die Lesepositionen synchronisiert Google fortwährend im Hintergrund. Ruft man ein eben im Browser geöffnetes E-Book in der iOS-App auf, zeigt die Google-Software die zuletzt gelesene Seite samt aller Anmerkungen.

Zusätzlich kann man E-Books bei Google in den Formaten E-Pub und PDF herunterladen und auf allen E-Readern lesen, die Adobes Kopierschutzsystem Digital Editions unterstützen. Viele Lesegeräte von Sony, iRiver, Aluratek und Kobo unterstützen diese Technik, allein Amazons Kindle nicht. Der Umgang mit dem Adobe-Kopierschutz ist nicht sonderlich komfortabel: Man muss das Lesegerät an den Computer anschließen, eine spezielle Software installieren, ein Login bei Adobe einrichten und dann die E-Books vom Rechner auf das Lesegerät übertragen.

In Googles Nutzungsbedingungen für den Digitalbuchladen finden sich einige Besonderheiten. Google…

  • … schreibt Kunden vor, digitale Inhalte ausschließlich für "persönliche, nicht-gewerbliche Zwecke" zu nutzen.
  • …. räumt Kunden das Recht ein, binnen sieben Werktagen einen E-Book-Kauf rückgängig zu machen.
  • … behält sich vor, erworbene E-Books zu löschen ("sie können den digitalen Inhalt von Google unter Umständen nicht mehr nutzen"), sollte Google oder der jeweilige Rechteinhaber das Recht verlieren, die Werke zu vertreiben. In solchen Fällen werde Google Käufern "Ersatz für den digitalen Inhalt" oder eine Rückerstattung anbieten.

Es erscheint fraglich, ob Google mit diesem eingeschränkten Bestseller-Angebot Amazon und Apple in Deutschland Konkurrenz machen kann. Aus Branchenkreisen ist zu hören, das Amazons Kindle-Plattform und mit etwas Abstand Apples iBookstore auf Platz zwei die derzeit wichtigsten Vertriebsplattformen für E-Books in Deutschland sind. Die übrigen Anbieter sind nur in einzelnen Nischenmärkten relevant.

Sollte Google weitere Verlage gewinnen und das Bestseller-Angebot erweitern, könnte der Digitalbuchladen Erfolg haben. Apples iBookstore zeigt, dass spezielle E-Reader und Browser-Funktionen gar nicht notwendig sind - die Integration des Digitalbuchladens mit beliebter Hardware wie dem iPad genügt.

E-Books: Verfügbare Titel von der SPIEGEL-Bestsellerliste (Hardcover)
Google Kindle Libreka iBookstore
Jonas Jonasson: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand 11,99 11,99 11,99 11,99
P. C. Cast, Kristin Cast: Bestimmt - 14,99 14,99 14,99
Donna Leon: Reiches Erbe - - - -
Suzanne Collins: Die Tribute von Panem. Gefährliche Liebe - - 12,99
Suzanne Collins: Die Tribute von Panem. Flammender Zorn - - - 12,99
Rachel Joyce: Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry - 16,99 16,99 16,99
Jean-Luc Bannalec: Bretonische Verhältnisse - 12,99 12,99 12,99
Suzanne Collins: Die Tribute von Panem. Tödliche Spiele - - - 12,99
Karen Rose: Todesherz - 14,99 14,99 14,99
Jussi Adler-Olsen: Das Alphabethaus - 13,99 13,99 13,99
Thilo Sarrazin: Europa braucht den Euro nicht 18,99 18,99 18,99 18,99
Rolf Dobelli: Die Kunst des klaren Denkens - 11,99 11,99 11,99
Philippe Pozzo di Borgo: Ziemlich beste Freunde - 11,99 11,99 11,99
David Graeber: Schulden 20,99 20,99 20,99 20,99
Daniel Kahneman: Schnelles Denken, langsames Denken - - - -
Christoph Fasel: Samuel Koch. Zwei Leben 13,99 13,99 13,99 13,99
Hans-Ulrich Grimm: Vom Verzehr wird abgeraten - 15,99 15,99 15,99
Steffen Möller: Expedition zu den Polen - 11,99 11,99 11,99
Joachim Gauck: Freiheit 8,99 8,99 8,99 8,99
Adam Zamoyski: 1812. Napoleons Feldzug in Russland 24,99 24,99 24,99 24,99
Top Ten SPIEGEL-Bestseller Belletristik / Sachbuch Hardcover 24/2012)

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