Google-Rankings Der häufigste Mann der Welt

Was haben Pamela Anderson, Britney Spears und Paris Hilton gemeinsam? Richtig: Sie sind abgemeldet. Im Vergleich zu Barack Obama sind sie kleine Nummern im Netz, für die sich vergleichsweise wenig Menschen interessieren. Selbst die Hartgummi-Sirene Madonna hechelt da nur noch hinterher.

Von


Das Leben ist nicht fair. Echte 35, gefühlte 350 Jahre hat Madonna Louise Ciccone mit stählerndem Willen und - dank unermüdlicher Body-Optimierung - unerschöpflicher Kraft daran gearbeitet, dahin zu kommen, wo sie jetzt steht: auf dem Olymp der weltweiten Berühmtheit, messbar anhand des Google-Rankings.

Von dem hat die singende Geschäftsfrau mit dem Hartgummi-Sexappeal (so urteilte einst treffend und weniger weich, als man das von ihm kennt, Roger Willemsen) in den letzten Jahren sämtliche Sternchen und Trash-Prominenten verdrängt, die sich dort so lang und hartnäckig hielten. Für eine Weile sah es so aus, als ob sich Qualität mittelfristig eben doch auszahle. Oder was auch immer.

Und dann kam Barack.

Der ehemalige Senator 2.0 wurde vom Kandidaten 2.0 zum designierten Präsidenten 2.0, seines Zeichens der erste Weltpolitiker 2.0, der angeblich vom Web 2.0 zum Erfolg getragen wurde. Tatsächlich, und das auch noch messbar, ist er zumindest schon jetzt der Google-König 2.0 - und steht als erster Mann an der Spitze der Meisterwähnten, meist thematisierten, der allermeisten überhaupt.

Derzeit, behauptet das pfiffige PR-Team der bis jetzt weitgehend unbekannten Web-Plattform woobby.com, gebe es keine Person, für die sich im Web laut Google mehr Menschen interessierten. Herausgefunden haben das die Schlingel einfach per Google und erinnern uns so daran, dass man mit dem Ding ja auch ganz prächtig spielen kann.

Zum Beispiel das beliebte Spiel: Wer ist die berühmteste Figur im Netz?

Netztypisch die Auswahl der Vergleichspersonen, an denen sich Obama bei woobby messen muss. Bill Gates ist darunter, ohne es auch nur in die Top Ten zu schaffen, Elvis Presley überlebt ganz knapp auf Platz 20, und - o tempora, o mores! - Sarah Palin hat offenbar Angelina Jolie verdrängt. Ganz oben aber thront unser aller Obama, und Google zählt ganz aktuell 122 Millionen Web-Seiten, auf denen offenbar sein Name prangt. Tendenz steil steigend, versteht sich.

Das ist unglaublich. Jesus Christus kommt da nur auf 1,7 Millionen Seiten, Buddha immerhin auf 27,7, der sich damit allerdings einer Web-affineren Ikone knapp geschlagen geben muss: Calvin Klein (28,1). Überhaupt finden sich in den oberen Etagen des Rankings vor allem Politiker, Stars und Trash-Sternchen, denn natürlich ist das Web da ziemlich oberflächlich. Allein Martin Luther schafft es mit rund 23,5 Millionen Seiten in die Top 20 - wahrscheinlich aber nur, weil er nicht einer ist, sondern viele (angefangen bei Martin Luther King bis hin zu geschätzt Zehntausenden Namensvettern).

Barack Obama aber ist wie der Highlander: Es kann nur einen geben.

Wenn die Zahl der Seiten, auf denen sich irgendwer mit ihm beschäftigt, so weiter steigt wie in den letzten Wochen, wird der kommende US-Präsident spätestens im Dezember noch ganz andere Suchworte vom Ranking-Thron stoßen: "Porno" führt nur noch mit 24 Millionen Seiten (Stand 11.11.2008, 13 Uhr MEZ).

Pop schlägt Kultur

Wie auch immer man diese Funde findet, bemerkenswert ist es allemal: Die Suchmaschine liefert hier einen Schnappschuss der aktuellen weltweiten Befindlichkeit. Sie sagt natürlich nicht, wer oder was wirklich wichtig ist, sondern wem und was aktuell die meiste Aufmerksamkeit geschenkt wird. Das ist manchmal aberwitzig, mitunter erschütternd, ab und an aber durchaus tröstlich: Da kicken dann Tom Cruise (17,9 Millionen Seiten) und Albert Einstein (16,2 Millionen) durchaus in einer Liga, und Picasso (36,1 Millionen) schlägt noch immer 50 Cent (32,2 Millionen Seiten).

Immerhin liegt auch Gott (Suchwort "God" 484 plus "Gott" mit 55 Millionen Seiten) noch deutlich vor Obama und muss sich nur Dingen wie Google (2,4 Milliarden) geschlagen geben. Die Suchmaschine hat da offenbar keinerlei Selbstfindungsprobleme.

Vielleicht finden Sie ja noch ganz andere seltsame, erhellende, witzige Paarungen? Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Dummheit und Weisheit, Entertainment-Müll und großer Kunst, zwischen Augenblick und Ewigkeit? Vielleicht finden Sie ja sogar jemanden, der noch "häufiger" ist als Barack Obama. Schicken Sie uns Ihre Erkenntnisse, E-Mail genügt - Betreff "Google-Ranking".

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.