Roman "The Show" Sex, Koks und Suchmaschinen

Richtig gut scheint es Filip Syta bei seinem Ex-Arbeitgeber Google nicht gefallen zu haben. In einem Roman jedenfalls beschreibt er eine ganz ähnliche Firma als Drogenpfuhl voller Sexsüchtiger und Zahlenmanipulanten.

Instagram-Foto von "The Show": 90 Prozent sollen wahr sein
Filip Syta/ Instagram

Instagram-Foto von "The Show": 90 Prozent sollen wahr sein


Im Hauptquartier des Suchmaschinenkonzerns geht es so richtig rund: Da wird gekokst, was das Zeug hält, Joints werden rumgereicht, und wenn die Mitarbeiter nicht am Pool herumlungern, haben sie Sex miteinander. So jedenfalls zeichnet Filip Syta in seinem Buch "The Show" das Bild eines Unternehmens, das er schamhaft "Show" nennt.

Doch das dürfte nur eine Schutzmaßnahme sein. Die Parallelen zu Sytas ehemaligem Arbeitgeber Google sind kaum zu übersehen. Beide Firmen sind in Kalifornien ansässig, Show in San Francisco, Google einige Kilometer südlich davon in Mountain View. Beide machen zweistellige Milliardenumsätze im Jahr, sind im Suchmaschinengeschäft und locken mit guten Gehältern junge, talentierte Mitarbeiter an.

Einer davon war für zwei Jahre auch Syta. Als Anzeigenverkäufer gehörte er zu jenen, die von vielen um ihren Arbeitsplatz beneidet werden, hatte ein gutes Gehalt und einen Arbeitgeber, der sich um ihn kümmerte. Das er trotzdem das Handtuch warf, die Firma verließ, habe unter anderem am Zynismus seiner Kollegen gelegen.

Filip Syta auf Instagram
Die hätten sich beispielsweise beklagt, weil sie in zwei aufeinanderfolgenden Jahren von der Firma Tablets zu Weihnachten geschenkt bekommen hatten, sagte er dem "Business Insider". Die Quengelei sei dann so laut gewesen, dass sie ihre Gratis-Tablet schließlich in neue Smartphones haben umtauschen dürfen. Man würde solche Dinge eben nicht mehr wertschätzen, wenn man immer alles bekommt, was man will.

Drug Lords versorgen die Kollegen

Ein Kernproblem sei, dass sich viele der hochbegabten Google-Mitarbeiter bei der Arbeit langweilen würden. Die Firma ziehe stets die Besten an, viele direkt von den Hochschulen, und nehme ihnen viele Dinge des täglichen Lebens ab. So gebe es auf dem Firmengelände eine Reinigung, Zahnärzte, Massagedienst, Swimmingpools und mehr. Zudem würden Bewerber oft für Jobs engagiert, die sie unterfordern.

Das Ergebnis sei Langeweile, so Syta. Eine Langeweile, die viele mit Drogen, Alkohol und wahllosem, gedankenlosem Sex zu bekämpfen suchen. In seinem Buch geht das so weit, dass zwei Mitarbeiter der Anzeigenabteilung vollauf damit beschäftigt sind, die Kollegen mit Kokain und anderen Drogen zu versorgen. In "The Show" ist die Nachfrage danach so groß, dass die als Drug Lords bezeichneten Männer fünf Gehilfen engagieren müssen, die beim Verteilen des Stoffs helfen.

Da wundert es kaum noch, wenn Syta an anderer Stelle im Buch davon erzählt, wie einzelne Mitarbeiter und ganze Abteilungen ihre Zahlen manipulieren, um vor ihren Chefs und Kunden gut auszusehen. Kontrolliert würden solche Angaben ohnehin nicht, so Syta. Stattdessen würden die Lügengebilde von Hierarchiestufe zu Hierarchiestufe weitergetragen.

Weitgehend unbemerkt

Auf die Frage, wie viel von der Story, die er in seinem Buch zusammengewoben hat, wahr oder doch wenigstens von wahren Begebenheiten inspiriert worden ist, antwortet Syta dem "Business Insider" selbstbewusst: "90 Prozent". Wenn dem so ist, müssen seine Aufenthalte im Google-Hauptquartier allerdings sehr intensiv gewesen sein. Denn während seiner Zeit als Mitarbeiter des Unternehmens war Syta nicht in Kalifornien, sondern im irischen Dublin angestellt.

Google selbst scheint sich an Sytas Schilderungen bisher nicht zu stören. Wohl auch, weil "The Show" von der Öffentlichkeit bislang weitgehend unbemerkt blieb. Vier Wochen nach seiner Veröffentlichung in den USA steht das nur als Taschenbuch erhältliche Werk bei Amazon auf Platz 3806 der Verkaufs-Charts.

mak

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insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
seismoid 06.02.2016
1. man bekommt leider den eindruck ..
.. als wären die 2 jahre die der autor bei google verbracht hat nur zu werbezwecken gewesen, das buch also schon vorher geplant und in der mache. soll nicht heißen, dass ich es für völlig abwegig halte, was da über goog.. äh, "show" berichtet wird.
stirnrunzel 06.02.2016
2. warum nicht?
Ist doch toll, wenn sie Spaß haben! Solange Körper und Psyche mitmachen ...
kitschfee 06.02.2016
3. Die Frage wessen SHOW das ist
Ich war auch bei Google in Dublin. Zunächst muss man mal verstehen, dass junge Talente von vielen Unternehmen in Dublin mit Geld und Zusatzleistungen überschüttet werden, daher ist das Thema Drogen & Sex ein generelles Problem. Da bei Google die Mitarbeiter oft älter und z.T. bereits verheiratwt sind, empfand ich es dort im Vergleich zu andeeen IT Unternehmen sogar züchtig. Dazu arbeiten die Mitarbeiter wirklich hart und die wenigsten haben Zeit für die vielen Spielsachen. Einzig Realitätsverlust kann man dort eher finden, d.h. manche verhalten sich wirklich als wären sie besser als der Rest der Welt und NUR weil sie bei Google arbeiten. Das Mgmt ist ehrlich gesagt unternehmenshistorisch dümmer als die Mitarbeiter - hat man zu Gründungszeiten jeden Muttersprachler mit Uniabschluss genommen, werden heute nur noch 1,-Studenten gewählt. Daher wundert mich nicht wenn manch einer sein Mgmt mit gefakten Zahlen trickst und das Mgmt es nicht merkt. Wegen der fehlenden Bodenhaftung a la "schon wieder ein geschenktes Tablet" bin ich gegangen, da für mich Undankbarkeit und Pseudoelitengerede zu blöd war.
Newspeak 06.02.2016
4. ...
Die Zustände, die Syta beschreibt, scheinen mir nicht untypisch zu sein, für bestimmte Großkonzerne. Ich würde denken, bei den Investmentbankern und in der Versicherungsindustrie geht es ähnlich zu. Zu viele Personen, die sich für Gott halten, die auch sicher oft hochintelligent sind und in ihrem Spezialfach extrem gut, aber eben nicht hochgebildet, sondern charakterlich ziemlich prollig unterwegs. Und dementsprechend würde ich glauben, daß auch Zahlentricksereien und Betrug weit verbreitet sind. Weil die, die betrügen, besser dastehen. Das ist einfacher Darwinismus. Die Deutsche Bank hat ihr Geschäft darauf aufgebaut (das Deutsche Bank Symbol liest sich denn auch als "Wir bieten ihnen den Rahmen für ihre krummen Geschäfte" ;) ). Und, wurde Joe Ackermann, unter dessen Leitung das alles stattfand, schon verhaftet? Sitzt irgendjemand aus der Führungsetage im Knast dafür? Die Milliardenstrafen sind doch schon eingepreist, wenn man dafür Hunderte von Milliarden Gewinn macht. Traurig, aber wahr. Der Unterschied besteht eigentlich vor allem im Ideellen. Während Google uns vielleicht eines Tages eine funktionierende AI beschert und die Menschheit voranbringt, werden Banken und Versicherungen nur weiter zum Schaden für fast alle arbeiten.
mrotz 06.02.2016
5.
Sex Drug and Rock n Roll. Was will man mehr? ;) mfg
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