Pakt mit Verlagen Google investiert 150 Millionen Euro in Journalismus in Europa

Google will sein angespanntes Verhältnis zu den Verlagen in Europa verbessern - und lässt sich das einiges kosten. Der Internetriese will digitalen Journalismus in den kommenden drei Jahren mit 150 Millionen Euro fördern.

Google-Standort Zürich: Internetriese schließt Pakt mit Verlagen
REUTERS

Google-Standort Zürich: Internetriese schließt Pakt mit Verlagen


Der Internetkonzern Google will Innovationen im digitalen Journalismus in Europa vorantreiben. Dafür investiert das Unternehmen in den kommenden drei Jahren 150 Millionen Euro.

Die Aktivitäten laufen unter dem Namen "Digital News Initiative", Initiative für digitale Nachrichten. Zum Start sind acht renommierte Medien beteiligt:

Auch drei internationale Journalisten-Vereinigungen sind dabei.

Die Initiative soll auch für andere Medien offen sein. Für den Innovationsfonds könne sich jeder bewerben, hieß es, auch reine Online-Medien oder Start-ups.

Mit den geplanten Investitionen will Google offenbar sein angespanntes Verhältnis zur Medienbranche verbessern. Denn seit Jahren gibt es in mehreren europäischen Ländern Streit um die Frage, ob Google den Verlegern Geld bezahlen muss, wenn kleine Fragmente - sogenannte Snippets - ihrer Artikel in der Nachrichten-Suchmaschine Google News anzeigt werden.

Es gebe verständliche Diskussionen darüber, wie hochwertiger Journalismus im digitalen Zeitalter weitergeführt werden könne, sagte Google-Manager Carlo D'Asaro Biondo. "Google wird Hand in Hand mit Verlegern und Organisationen arbeiten, um zu helfen, nachhaltigere Modelle für Nachrichten zu entwickeln."

Dazu soll die gemeinsame Arbeitsgruppe dienen, der zu Anfang die acht Gründungsmitglieder der Initiative angehören. Sie wollen sich mit Google darüber austauschen, wie Bedürfnisse von Verlegern stärker in den Google-Produkten berücksichtigt werden können.

Mathias Müller von Blumencron, Chefredakteur für den Bereich "Digitale Medien" bei der "FAZ", twitterte nach Bekanntgabe der Initiative: "Wir sind skeptisch optimistisch."

syd/dpa



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SarahMue 28.04.2015
1. Es ist offensichtlich,
dass es sich dabei um ein trojanisches Pferd handelt. Der Journalismus hat zahlreiche und schwerwiegende Probleme. Fragt sich wieviel Zeit noch bleibt diese zu lösen bis die nächste Welle des Verlagssterbens kommt.
spon-1280943165745 28.04.2015
2. Sind dann unabhängige Berichte noch möglich?
Die teilnehmenden Verlage müssen ich aber fragen lassen ob dann eine unabhängige und kritische Berichterstattung noch gewährleistet ist. Das gilt auch für positive Berichte, jeder wird sich fragen ob dieser nicht gekauft wurde.
Methusalixchen 28.04.2015
3. Hochwertigen Journalismus ...
... findet man im Rayon der deutschen Mainstream-Medien schon seit geraumer Zeit nicht mehr. Das einzig Lesenswert auf den Websites von FAZ, SZ, Spiegel, Stern, ZEIT & Cie. sind seit langem nur die Leserkommentare, die füglich immer aggressiver zensiert werden.
tim.berg78 28.04.2015
4. Was soll das?
Wo bleibt in diesem Artikel die kritische Auseinandersetzung mit dieser offensichtlichen Einflussnahme auf die unabhängige journalistische Arbeit? Dieses Vorhaben von Google ist ein Skandal! Wo, in Gottes Namen, bleibt der Aufschrei?
bmvjr 28.04.2015
5. Grosse Bedenken angesagt
Wenn erst einmal ein Riesenunternehmen wie Google tuechtig Geld in die Hand nimmt um digitalen Journalismus zu "foerdern", dann nicht ohne vorerst an seinen eigenen Nutzen zu denken. Anfangs mag das wie eine Kooperation aussehen, aber es kommt der Tag, an dem sich Google's finanzieller Einfluss auf derlei Kooperation bemerkbar macht und zu dem Zeitpunkt ist rueckgaengig machen kein Thema mehr. Dann muss MacD nur noch den Betreibern von Fitness-Webseiten helfen, fairer ueber Junk Food zu bereichten und Philipp Morris unterstuetzt die digitalen Gesundheitsmagazine bei Berichten ueber Gefahren des Rauchens differenzierter vorzugehen. Auf altmodisch Deutsch: den Teufel mit dem Beelzebub austreiben...
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