Google-Street-View-Weltrekord Wendy, die 43-fache

Wendy Southgate ist die neue Weltrekordhalterin: Kein Mensch ist öfter auf den Bildern von Googles umstrittenen Dienst Street View zu sehen als sie. Auf einem guten Teil der 43 Bilder sieht man, wie sie argwöhnisch den Kamerawagen beobachtet: Sie fühlte sich verfolgt.

Google Maps

Der Weltrekord bleibt in Großbritannien: Nur dort fielen bisher Menschen auf, die gleich auf mehreren Street-View-Bildern zu sehen sind. Doch den alten, erst im März aufgestellten Weltrekord des Pensionärs Bill Baldry stellte Wendy Southgate aus Elmswell, Suffolk, nun auf so spektakuläre Weise ein, dass ihr der Titel "meistfotografierter Mensch bei Street View" auf absehbare Zeit sicher sein dürfte: 43-mal klickte die Kamera auf dem Dach des seltsamen Autos, das so verdächtig langsam hinter Wendy herfuhr. Baldry, der von der Kamera beim Zeitungsaustragen beobachtet wurde, brachte es nur auf drei Bilder.

Wendy Southgate war der Wagen augenscheinlich alles andere als geheuer. Auf einigen der Bilder sieht man trotz der Unkenntlichmachung des Gesichtes, dass die 52-jährige Frau den komischen Kamerawagen argwöhnisch beobachtete. "Ich wusste nicht, was der machte", sagte sie der britischen Boulevardzeitung "Sun", "der fuhr einfach sehr, sehr langsam herum."

Und sie lief mit entsprechendem Tempo, ihren Hund Trixie an der Leine. Kamerawagen und Hunde-Ausführerin teilten die gleiche Route, so einfach ist das. Dass das augenscheinlich vornehmlich in Großbritannien passiert, deutet darauf hin, dass der gemeine Brite einfach lauffreudig ist, vor allem im Kreis. Tatsächlich entdeckt man, wenn man sich bei Google Maps in den gemütlich-kleinstädtischen Straßen von Elmswell, Suffolk umsieht, gleich drei fleißige Hundeausführer sowie zwei lauffreudige Kinderwagenschieberinnen, die gleich auf mehreren Bildern auftauchen. Da liegt der Verdacht nahe, dass es in näherer Zukunft aus Großbritannien zu weiteren "Ich bin aber mehrfach!"-Meldungen kommen könnte.

Wendy Southgate unterwegs

Den Rekord von Wendy, der 43-fachen, einzustellen, dürfte allerdings schwierig werden - außer man läuft dem Kamerawagen gezielt hinterher. Das tat auf den Straßen von Elmswell augenscheinlich auch die Polizei, die den Kamerawagen über eine respektable Strecke in einigem Abstand verfolgte (siehe obigen Street-View-Ausschnitt).

Für die "Sun" ist all das ein willkommenes lustiges Anekdötchen, mehr nicht: Während Street View in Deutschland die Wellen der Empörung entgegenschlagen, findet man den Bilddienst in vielen anderen Teilen der Welt vor allem niedlich - allerdings nur, wenn er nicht gerade die Sicherheit von Prominenten gefährdet oder die Privatsphäre von Bürgern verletzt. Denn auch das ist typisch bei den Reaktionen auf Street View: Viele finden den Dienst toll, solange sie und ihr Lebensumfeld nicht selbst betroffen sind.

Entdeckt wurde Wendy bei Street View übrigens von ihrem Ehemann Terry, und das natürlich nicht zufällig: Wie viele Menschen hatte er auf den Bildern gezielt nach ihr, nach sich und Bekannten gesucht. Mit so großem Erfolg, dass er das offenbar nicht für sich behalten wollte. Jetzt ist Wendy Southgate eine Weltrekordhalterin, die Berichte über ihren kuriosen Rekordlauf gehen um die Welt.

pat

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