Statt Selbstdiagnose Google schickt Kranke zur virtuellen Sprechstunde

Gesundheit! Wer nach Krankheitssymptomen googelt, bekommt von der Suchmaschine testweise eine Video-Sprechstunde mit einem Mediziner angeboten. In Deutschland hat ein solches Angebot kaum eine Chance.

Google-Logo: Rat von Ärzten statt Eigendiagnose
DPA

Google-Logo: Rat von Ärzten statt Eigendiagnose


Dass Menschen bei Google nach Symptomen suchen, ist ein anerkanntes medizinisches Problem: Die Cyberchondrie bezeichnet Angstzustände, die bei der Selbstdiagnose im Internet erwachsen. Jetzt aber scheint Google - zumindest in Amerika - einen zweiten Weg zu eröffnen: Besorgte Suchmaschinennutzer sollen gleich mit einem Arzt oder einer Ärztin kurzgeschlossen werden, bevor sie sich in die Selbstbehandlung stürzen.

Das funktioniert - derzeit nur im beschränkten Testbetrieb - so: Wer bei Google nach Symptomen typischer Gesundheitsprobleme sucht, bekommt zu den klassischen Ergebnissen eine Infobox mit weiterführenden Hinweisen und Informationen - und in manchen Fällen einen Link mit Videokamera-Symbol: "Sprich sofort mit einem Arzt". Der Link führt zu einem Videochat mit medizinischem Personal, das via Webcam Gesundheitstipps gibt.

Reddit-Mitglied Jasonahoule ist bei der Suche nach "Schmerzen im Knie" über die neue Funktion gestolpert, die Google so erklärt: "Anhand deiner Suchanfrage vermuten wir, dass du eine Krankheit verstehen willst. Hier findest du Gesundheitsexperten, mit denen du eine Video-Sprechstunde haben kannst. Innerhalb dieser begrenzten Probezeit übernimmt Google alle Sprechstundenkosten."

Webdienst bringt Laien mit Experten zusammen

Das neue System ist eine Spezialanwendung von Googles Expertenpool Helpout. Dieser Webdienst bringt Laien mit Experten zusammen, die dort gegen Geld ihre Dienste erbringen. Zum Beispiel zwölf Dollar für eine halbe Stunde fernmündliche Rückenschule.

Auch Ärzte sollen in Helpouts ihre Dienste anbieten. Tatsächlich ist aber das Ärzteverzeichnis noch leer. Es kann also sein, dass Google derzeit medizinische Hilfe ausschließlich einem kleinen Personenkreis vermittelt. Es kann aber auch sein, dass diese Funktion juristisch problematisch ist, da zum Beispiel sichergestellt sein muss, dass die beratende Person auch wirklich qualifiziert ist.

So einem Dienst stünden zumindest in Deutschland wohl erhebliche juristische Hindernisse im Weg: Ein Fernbehandlungsverbot in der Berufsordnung verbietet Ärztinnen und Ärzten, ausschließlich über Print- und Kommunikationsmedien individuelle ärztliche Behandlungen, insbesondere Beratung, durchzuführen.

fko



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