Test im Chrome-Browser Google experimentiert mit Post-Quanten-Verschlüsselung

Künftige Quantencomputer mit einer extrem hohen Rechenleistung könnten gängige Verschlüsselungsverfahren aushebeln. Google testet nun eine Technologie, die Nutzer vor Angriffen der Super-Computer schützen soll.

Hardware des D-Wave-Quantencomputers
D-Wave Systems Inc.

Hardware des D-Wave-Quantencomputers


Google versucht mit dem Start einer Testreihe im Browser Chrome, den Hackern der Zukunft zuvorzukommen: Der Konzern experimentiert mit einer Technologie, die Kommunikation sicher machen soll vor Angriffen von sogenannten Quantencomputern. Das beschreibt Google-Ingenieur Matt Braithwaite in einem Blogpost. "Die Quantencomputer stehen noch ganz am Anfang, aber wir wollen uns auf sie vorbereiten", schreibt Braithwaite darin.

Ein Quantencomputer würde eine ganz neue Art von Computer darstellen, mit einer Rechenleistung, die bisher bei gängigen PC nicht vorstellbar ist. Das liegt daran, dass er ganz anders als ein herkömmlicher PC nach den extrem komplexen Gesetzen der Quantenmechanik funktioniert: Diese Welt ist selbst für viele Wissenschaftler unfassbar kompliziert, weil sie - vereinfacht gesagt - zwei gegensätzliche Zustände gleichzeitig erlaubt: an und aus, ja und nein. Ob ein Quantencomputer jemals gebaut werden kann, ist deshalb umstritten. Google jedenfalls glaubt daran.

Quantencomputer könnten Verschlüsselung einfach knacken

Weil Quantencomputer so schnell rechnen können, wäre damit auch verschlüsselte Kommunikation einfacher zu knacken, über eine sogenannte Brute-Force-Attacke: Quantencomputer könnten viel schneller als bisher alle möglichen Variationen ausprobieren, um die Verschlüsselung zu brechen.

Das ist bisher oft nicht möglich, weil es viel zu aufwendig wäre. Denn die möglichen Kombinationen, die ausprobiert werden müssen, steigen exponentiell zur Zeichenlänge eines Passworts. Das Zurückrechnen wird so ab einer gewissen Länge mit bisheriger Computertechnik nahezu unmöglich.

Mit Quantencomputern wäre ein häufig verwendetes kryptografisches Protokoll zur Datenübertragung im Netz, TLS, zu knacken. Es ist die Grundlage für sichere Browserkommunikation, die man zum Beispiel am "https://" in der URL-Zeile erkennt. Auch rückwirkend könnten die Supercomputer so Kommunikation entschlüsseln, befürchtet der Suchmaschinenkonzern.

Google setzt auf "New Hope"-Algorithmus

Bei Google experimentiert man deshalb mit neuen Ideen, wie Kommunikation anders verschlüsselt werden kann - durch einen Post-Quanten-Algorithmus namens "New Hope" (eine technische Erklärung finden Sie hier). "Ein Bruchteil der Verbindungen zwischen Desktop-Versionen von Chrome und Googles Servern wird einen Post-Quanten-Algorithmus zum Schlüsseltausch benutzen", heißt es im Google-Blogeintrag vom Donnerstag. Er werde zusätzlich zum bisherigen Verfahren eingesetzt.

Denn offenbar sind sich die Google-Experten nicht sicher, ob der neue Schutz gegen Quantencomputer nicht von heutigen herkömmlichen PC zu knacken sei - eine weitere Fußnote in der extrem komplexen Welt der Quantenmechanik.

Die allermeisten Chrome-Nutzer werden aber per Definition nicht Teil des Experiments sein. Es finde nur in Chrome Canary statt, das für Entwickler gedacht ist und wo Google ständig neue Funktionen ausprobiert.

gru

Mehr zum Thema


insgesamt 8 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
NewYork76 08.07.2016
1. Aha
Google will also ein Problem loesen, das vielleicht in Zukunft existiert oder auch nicht und testet dafuer einen neuen Algorithmus, der vielleicht theoretisch funktioniert oder auch nicht. Der ganze Ansatz hoert sich ja schon mal sehr Quantenmechanisch an...
NewYork76 08.07.2016
2. Aha
Google will also ein Problem loesen, das vielleicht in Zukunft existiert oder auch nicht und testet dafuer einen neuen Algorithmus, der vielleicht theoretisch funktioniert oder auch nicht. Der ganze Ansatz hoert sich ja schon mal sehr quantenmechanisch an...
hdudeck 08.07.2016
3. Den Satz muss man sich auf der Zunge zergehen lassen.
"Ein Quantencomputer würde eine ganz neue Art von Computer darstellen, mit einer Rechenleistung, die bisher bei gängigen PC nicht vorstellbar ist." Wundert mich nur, das der Autor den Quantencomputer nicht mit einem Abacus vergleicht. Wuerde mich wundern, wenn es in naher Zukunft PC's mit Quantentechnologie geben wuerde.
xysvenxy 09.07.2016
4.
Selbst wenn es Quantencomputer irgendwann geben sollte: Deren Fähigkeit eine Brute Force Attacke zu starten würde spätestens mit der Netzwerkinfrastruktur ausgebremst. Selbst mit xGbit/s käme das einer DDOS gleich - und die würde schnell bemerkt
und_nun? 09.07.2016
5. @xysvenxy
Wieso soll die Entschlüsselung einer mitgeschnittenen Kommunikation einer DDOS gleichkommen? Außerhalb des Rechenzentrums des jeweiligen Geheimdienstes bekommt das doch niemand mit.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.