Google-Umbau Sammelsurium in der Trefferliste

Viel zu viele Funktionen, Dienste, Spezialsuchen: Google ist zu unübersichtlich geworden. Jetzt baut der Konzern um. Die neue "universelle Suche" vereint Text, Video, Fotos in einer Trefferliste - und gewöhnt die Nutzer nebenbei an den Dauerbeschuss durch neue Werbeformen.


Es soll Menschen geben, die Trefferlisten für eine repräsentative Wiedergabe des Webs und Google für das Internet halten. "One of the things I have used on the Google is to pull up maps", sagte US-Präsident George W. Bush in einem Interview mit dem Fernsehsender NBC im vergangenen Herbst. Den Giganten aus Mountain View - im März verzeichnete er auf seinen Internetseiten erstmals mehr Besucher als Microsoft - dürfte es gefreut haben.

Denn Google hat ein Problem: Für viele Nutzer endet der populärste Internetsuchdienst auch schon auf der zeitlos schlichten Startseite. Das kunterbunte Logo, das Feld für die Suchworteingabe, der Button mit der Aufschrift "Google Search". "Unausgenutzt" seien hingegen andere Dienste, sagte Unternehmensgründer Sergey Brin. Unausgenutzt, das dürfte noch ein Euphemismus sein. Wer weiß schon, was sich hinter dem verbgewordenen blau-rot-gelb-grünen Schriftzug versteckt. Suchfunktionen für Bücher- und Videos gehören dazu. Für Blogs, Nachrichten und Karten ebenfalls. Oder für Patente, Produkte oder wissenschaftliche Aufsätze.

Mit der Universal Search will Google seine Nutzer jetzt verlocken, mehr als die normale Websuche zu nutzen. Treffer - etwa aus der Foto-, Buch- oder Videosuche - werden künftig prominenter angezeigt, kündigte das Unternehmen an: teilweise gleich in der Trefferliste, teilweise als Seitenkopf. So ersparen sich Nutzer, in unterschiedlichen Google-Diensten mehrfach nach denselben Begriffen zu suchen.

Ein paar Links formen die "Universal Navigation Bar"

Außerdem werden die vielen Unter-, Neben- und Betafunktionen der Suchmaschine künftig etwas prominenter eingeblendet. Entsprechende Textlinks und ein Pulldown-Menu, das künftig im Kopf jeder Google-Seite eingeblendet wird, bezeichnet das kalifornische Unternehmen als "Universal Navigation Bar". Auf den englischsprachigen Google.com-Seiten lassen sich diese Änderungen bereits ausprobieren. Nutzer, die beim E-Mail-Dienst Gmail angemeldet sind, sollen künftig auch leichter zwischen Diensten wie Gmail, der Suche oder Google-Angeboten wie Kalender oder Office-Software hin- und herspringen können.

Am gestrigen Mittwoch (Ortszeit) wurden die Neuerungen in Kalifornien der Öffentlichkeit vorgestellt - bei einer Veranstaltung, der Google den leicht sektiererisch angehauchten Namen "Searchology" verpasst hatte.

Google-Vizepräsidentin Marissa Mayer führte vor Reportern die Neuerung vor. So suchte sie beispielsweise nach "Nosferatu" und erhielt nicht nur Verweise zu Webseiten über den Stummfilmklassiker von Friedrich Wilhelm Murnau aus dem Jahr 1922. An Platz drei prangte gleich der Film als vollständiger Clip - natürlich bei Google Video. Änderungen in den Suchalgorithmen sollen crossmediale Verweise künftig besser durchmischen. Klingt trivial? Tatsächlich bieten andere Suchmaschinen wie A9 von Amazon oder Ask.com ihren Nutzern schon längst die Möglichkeit, quer durch unterschiedliche Trefferkategorien zu navigieren.

Bei Google soll das aber erst der Anfang sein. An "Universal Search" sei zwei Jahre gearbeitet worden, sagte Google-Mitbegründer Sergey Brin dem Online-Dienst "Cnet". Bis zur vollständigen Umsetzung des Prinzips sei noch ein langer Weg zu gehen, sagte Mayer. Mit dem Prinzip ist offenbar eine Integration von Text- und anderen Suchergebnissen gemeint. "Damit werden die Informationssilos abgebrochen, die wir aufgebaut haben. Es handelt sich um eine breite, langfristige Vision, die sich im Lauf der nächsten Jahre entfalten wird", sagte Mayer.

Künftig auch Werbevideos auf den Trefferseiten

Es handelt sich um die wichtigste Änderung der Google-Startseite seit mehreren Jahren. Die wirtschaftlich und strategisch wohl interessanteste Neuerung kündigte Mayer indes eher beiläufig an: Künftig werde Google auch andere als nur Textanzeigen auf Trefferseiten veröffentlichen. Einige würden künftig auch Videos und Grafiken enthalten. "Diese Tür stand immer offen", sagte sie, "aber wir haben noch keinen konkreten Zeitplan dafür."

"Eine natürliche Entwicklung", nannte das der Analyst Martin Pyykkonen von der Investmentfirma Global Crown Capital aus San Francisco. Besonders die Verknüpfung von Videos sei interessant. "Im Moment fragt sich nur jeder, was ein Anzeigenkunde wohl für einen Videolink bezahlen würde", sagte er. Mit anderen Worten: Die Werbung in Google wird auf absehbare Zeit bunter, größer, nervtötender werden. Für die Zukunft auch über Sprachbarrieren hinweg.

Denn die technologisch ambitionierteste Ankündigung des Abends machte Udi Manber, Googles Vice President of Engineering: Das Unternehmen bereite einen Übersetzungsdienst für Suchanfragen vor, um Nutzern einen größeren Ausschnitt des Webs präsentieren zu können. Die Technik werde ein Dutzend Sprachen ins Englische übersetzen können, so dass zusätzliche Treffer gefunden würden, die dann in die Sprache des Nutzers zurückübersetzt würden. "Das wird das gesamte Web für unterschiedliche Sprachen öffnen", sagte Manber. Universal Search gibt es für fremdsprachige Versionen der Suchmaschine wie Google.de bislang aber noch nicht.

stx/dpa/Reuters



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