Google und Co.: Der Browser entscheidet, womit man sucht

Von

Die einzig relevante Suchmaschine in der Bundesrepublik ist Google. Das liegt vor allem an den Browsern, zeigen internationale Zahlen. Denn viele Deutsche verschmähen den Internet Explorer und bevorzugen Alternativen wie Firefox. Erst dadurch wird Googles Vormacht zum Monopol.

Webbrowser: Nach wie vor ein Machtfaktor im Internetmarkt Zur Großansicht

Webbrowser: Nach wie vor ein Machtfaktor im Internetmarkt

Satte 96 Prozent Marktanteil hat Google im deutschen Suchmaschinenmarkt, berichten Mediendienste. Das ist sehr, sehr nah am Monopol - vor allem wenn man bedenkt, dass sich zahlreiche Wettbewerber um die restlichen vier Prozentpünktchen streiten müssen. Einst klangvolle Namen wie Yahoo, Bing, Web.de oder Ask kann man auf dem deutschen Markt nur noch mit Wohlwollen als Konkurrenz zu Google betrachten. Ihre jeweiligen Marktanteile erreichen nur noch knapp - wenn überhaupt - ein Prozent.

Das ist schon lange so. Doch im Verlauf des vergangenen Jahres hat sich die Lage noch verschärft. Deutschland ist das Land, in dem "googeln" ganz offiziell zum Bestandteil der Sprache wurde: Als Verb, mit dem man die Suche im Web bezeichnet. Dass das nicht überall so ist, wundert viele Deutsche, denn weltweit hat Google "nur" 76 Prozent Marktanteil, wenn man den aktuellen Zahlen von Net Applications folgt.

Was ist der Grund für dieses besondere Suchverhalten der Deutschen? Ein wichtiger Faktor ist der Internetbrowser, den man benutzt. Denn nicht nur bei der Suchmaschinen ticken die Deutschen anders als der internationale Durchschnitt. Auch bei den Browsern haben Bundesbürger ganz besondere Vorlieben.

Anteile am Browsermarkt Februar 2012 (Prozent)
Browser Weltmarkt Deutschland
Internet Explorer 41,78 24,05
Firefox 27,52 55,36
Chrome 22,65 11,51
Safari 5,55 4,65
Opera 1,85 3,56
Andere 0,64 0,86
Zahlen: StatCounter.com
Wenn man die Statistiken über beide Markt-Kategorien vergleicht, wird augenfällig, dass beides sehr eng zusammenhängt. Offenbar ist nichts so entscheidend für die Wahl der Suchmaschine wie die Wahl des bevorzugten Browsers.

Siebzehn Jahre nachdem Microsoft versuchte, den damals vorherrschenden Browser Netscape aus dem Markt zu drängen, zeigt sich, dass der Grundgedanke hinter diesem "Browser War" völlig richtig war: Wer kontrolliert, mit welcher Software sich Menschen im Web bewegen, glaubte Bill Gates, der erlange auch die Vormachtstellung über den Informationszugriff im Internetmarkt.

Es gelang ihm damals, Netscape zu verdrängen. Das aber brachte Microsoft einen Kartellprozess ein, der fast zur Zerschlagung des Unternehmens führte. Microsofts Marktmacht wackelte ausgerechnet zu der Zeit, als Google seinen Aufstieg begann, der Rest ist IT-Geschichte. Microsofts Einfluss auf die Internetmärkte nimmt seitdem kontinuierlich ab - so wie der Marktanteil des einst allgegenwärtigen Internet Explorer.

Vergleicht man nun die Zahlen über Suchmaschinennutzung mit denen über Browser-Präferenzen, lässt sich eine klare Korrelation benennen: Sinkt der Marktanteil des Internet Explorer, steigt das Gewicht von Google im Suchmarkt.

Weltweite Suchmaschinen-Marktanteile in Relation zu genutzten Browsern, Februar 2012
Suchdienst/Browser weltweit MSIE Firefox Chrome Safari
Google 76,66 60,86 93 92,55 86,9
Bing 3,99 7,22 1,04 0,88 1,16
Yahoo 5,97 8,36 4,03 2,06 7,4
Zahlen: Net Applications
Es kommt dabei nicht darauf an, welcher Alternativbrowser genutzt wird. Die Nutzung aller Browser-Alternativen zum Internet Explorer wirkt sich zugunsten der Nutzung von Google aus - das gilt sowohl international als auch in Bezug auf die deutschen Zahlen. Es ist vor allem der US-Markt, der Googles weltweite Marktanteile noch unter 80 Prozent hält. Dort halten allein die Kooperationspartner Bing und Yahoo zusammen noch immer rund 18 Prozent des Marktes. Das ist der größte Sonderfall neben den 47 Prozent Marktanteil, die das chinesische Baidu in China hält - das reicht für einen Weltmarkt-Anteil von elf Prozent, obwohl Baidu außerhalb Chinas ohne jede Relevanz ist.

Und auch Deutschland ist ein Sonderfall, wenn auch in anderer Hinsicht: Nirgendwo ist Google weiter auf seinem Weg, ein Suchmaschinen-Monopol zu erreichen. Weil der Marktanteil von Browser-Alternativen in Deutschland ganz besonders hoch ist, fällt hierzulande auch die Nutzung von Google besonders hoch aus.

Deutsche Suchmaschinen-Marktanteile in Relation zu genutzten Browsern, Februar 2012
Suchdienst/Browser Deutschland MSIE Firefox Chrome Safari
Google 96 88,79 98 97,85 98,4
Bing 2,72 6,28 0,54 0,46 0,57
Yahoo 1,4 1,5 1,72 0,61 0,71
Zahlen: Net Applications
Wer Firefox, Chrome, Opera oder Safari nutzt, der nutzt mit nahezu hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit auch Google als Suchmaschine - und nicht Bing, Yahoo oder Ask. Deren Marktanteile fallen nur noch bei denen, die den Internet Explorer nutzen, merklich höher aus. Was das heißt, ist eindeutig: Welche Suchmaschine genutzt wird, hängt vor allem davon ab, welche Suchmaschine im Browser vorgegeben oder welche Toolbar installiert ist.

Das macht die Suchmaschine quasi zu einer Funktion des bevorzugten Browsers. Es erhöht den Marktanteil von Bing bei Internet-Explorer-Nutzern auf über sechs Prozent und treibt den Marktanteil von Google bei Chrome-, Safari-, Opera- und Firefox-Nutzern auf rund 98 Prozent.

Egal, wie man zu den genannten Unternehmen steht: Das Entstehen einer Monokultur bei der Suche im Internet ist kontraproduktiv. Auch die enge Verknüpfung von Browser- und Suchmaschinenerfolg ist keine gute Nachricht. Man könnte sie ja auch so lesen: Investments in die Qualität einer Suchmaschine werden vom Verbraucher nicht honoriert. Er überlässt die Entscheidung für oder gegen eine Suchmaschine seinem Browser.

Der wird mehr und mehr zum entscheidenden Faktor bei der Frage, wer im Web welche Information auf welchem Weg zu sehen bekommt - und wer an der Werbung im Umfeld dieses Suchprozesses verdient. Das gegen Google kooperierende Duo aus Bing und Yahoo jedenfalls verliert zusehends an Boden, je deutlicher sich Chrome und Firefox auf dem Browsermarkt durchsetzen.

Dieser Trend dürfte sich kaum mehr aufhalten lassen. Googles Konkurrenten bleibt da einzig die Hoffnung, durch Kooperationen und geschickte Implementierung ihrer Suchdienste in populären Angeboten wieder an Boden gewinnen zu können. Ansätze dazu hatte es ja bereits gegeben: 2010 begannen Microsofts Bing und Facebook eine Kooperation. Das Social Network hat trotz seit Jahren anhaltender Spekulationen aber bisher keine Websuche in seinen Dienst integriert. Facebook gilt zurzeit als einziger sichtbarer Kandidat, der Google auf dem Suchmaschinenmarkt herausfordern könnte - wenn Facebook einen Suchdienst hätte.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 138 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. lol
Hipster 13.03.2012
Zitat von sysopDie einzig relevante Suchmaschine in der Bundesrepublik ist Google. Das liegt vor allem an den Browsern, zeigen internationale Zahlen. Denn viele Deutsche verschmähen den Internet Explorer und bevorzugen Alternativen wie Firefox. Erst dadurch wird Googles Vormacht zum Monopol. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,820707,00.html
Das könnte daran liegen, daß es für den IE, im Gegensatz zu Firefox, Chrome und Safari, keinen Adblock gibt - ohne sowas surft man heutzutage nicht mehr ...
2.
Hesekiel 13.03.2012
Zitat von sysopDie einzig relevante Suchmaschine in der Bundesrepublik ist Google. Das liegt vor allem an den Browsern, zeigen internationale Zahlen. Denn viele Deutsche verschmähen den Internet Explorer und bevorzugen Alternativen wie Firefox. Erst dadurch wird Googles Vormacht zum Monopol. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,820707,00.html
Es gibt ernsthaft noch Menschen, die den IE nicht nur benutzen um Firefox oder Chrome nach dem formatieren wieder runterzuladen?
3. Wenn wir grad beim Thema sind...
Zorpheus 13.03.2012
Schon mal versucht, den Internet Explorer auf Google umzustellen? Ich sag mal das ist ziemlich versteckt ... Für mich sieht das wieder mal danach aus, dass Microsoft seine Dominanz im Betriebssystem-Markt missbraucht, um einen anderen Markt zu erobern. Mal sehen ob es da wieder eine Verurteilung gibt.
4. Vielleicht
felisconcolor 13.03.2012
Zitat von sysopDie einzig relevante Suchmaschine in der Bundesrepublik ist Google. Das liegt vor allem an den Browsern, zeigen internationale Zahlen. Denn viele Deutsche verschmähen den Internet Explorer und bevorzugen Alternativen wie Firefox. Erst dadurch wird Googles Vormacht zum Monopol. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,820707,00.html
wäre es mal interessant zu wissen wie die Trefferquoten der einzelnen Suchmaschinen ausfallen. Weiterhin wurden MS Produkte ja auch jahrzehntelang als das Böse schlechthin angeprangert. Also Bing = MS = Böse Ask? who the fu** is Ask? Google hat sich den Anteil durch gute Recherchemöglichkeiten erarbeitet. Das Google mittlerweile den Bogen überspannt ist allgemein bekannt. Aber welche "bekannten" und genauso guten Alternativen gibt es denn? Die Supersuchmaschine Wolfram Alpha kommt irgendwie nicht aus dem Knick. Ankündigungen über Ankündigungen aber nix genaues weiß man nicht. Andere Metasearcher bedienen sich auch nur der Hilfe der Großen also auch nix gewonnen. Und ein Neuling würde wahrscheinlich unter der Last der ersten Patentklagen zusammenbrechen. Also googeln wir weiter. Und verdammt, der googlelose Google browser IRON ist nun mal verdammt schnell.
5. Monopol
Europas 13.03.2012
Zitat von sysopDie einzig relevante Suchmaschine in der Bundesrepublik ist Google. Das liegt vor allem an den Browsern, zeigen internationale Zahlen. Denn viele Deutsche verschmähen den Internet Explorer und bevorzugen Alternativen wie Firefox. Erst dadurch wird Googles Vormacht zum Monopol. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,820707,00.html
96% Marktanteil sind nicht "sehr nahe am Monopol", da Monopol nichts mit Marktanteil zu tun hat. Selbst 100% Marktanteil sind kein Monopol. Und das von den Leuten, die sich über Politiker lustig machen, die das Wort "Browser" nicht kannten...
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Web
RSS
alles zum Thema Suchmaschinen
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 138 Kommentare


Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.A.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon kaufen.