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Google und Datenschutz: Desktopsuche sorgt wieder für Streit

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Neuer Streit zwischen Google und Datenschützern: In der neuen Version von Googles Desktopsuche können User nicht nur auf ihrem Privatcomputer suchen, sondern zum Beispiel auch auf Firmenrechnern. Die Informationen werden auf Google-Servern gespeichert - ein Unding, wie Datenschützer finden.

Die Beziehung zwischen Google und den Datenschützern war nie allzu innig: Extrem langlebige Cookies, durchforstete Elektropost bei "Google Mail" und automatisch übertragene Informationen zum Surfverhalten bei "Google Desktop"- so heißen nur einige Reizworte, die in der Vergangenheit immer wieder für böses Blut sorgten. US-Datenschützer Chris Hoofnagle vom "Electronic Privacy Information Center" (EPIC) beklagte im vergangenen Sommer sogar, der Suchmaschinenriese sei inzwischen "eines der größten Datenschutzrisiken im Internet".

Googles Desktop-Suche: Streit um Datenschutz
DDP

Googles Desktop-Suche: Streit um Datenschutz

Das Unternehmen selbst hat Vorwürfe dieser Art naturgemäß immer weit von sich gewiesen: "Der Datenschutz und die Privatsphäre unserer Nutzer sind das höchste Gut", so lautet das Mantra von Google-Sprecher Stefan Keuchel. Schließlich habe man detaillierte Datenschutzrichtlinien in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen integriert. Diese Richtlinien regeln, was Google mit den gewonnenen Daten alles anstellen darf - und was nicht.

Nun gibt es ein neues Kapitel im Streit zwischen Google und den Datenschützern. Es ist die neue Version von Googles Desktopsuche. Bisher arbeitete der Schreibtisch-Schnüffler nach folgendem Prinzip: Einmal installiert, durchwühlte er die lokalen Festplatten Verzeichnis um Verzeichnis und merkte sich in einem Suchindex alles, was er dabei so fand: Texte, Fotos, E-Mails, Musikstücke etc. War das einmal geschafft, durchsuchte "Google Desktop" nur noch in Windeseile diesen Index - und nicht mehr die ganze Festplatte.

In der neuen Version des Programms gibt es nun aber eine weitere Funktion. Sie erlaubt es, auch andere Rechner zu durchsuchen, für die der User einen Zugang hat. Das könnten zum Beispiel Firmenrechner sein. Alle Computer, auf denen der Nutzer die Desktopsuche installiert hat, können nun gleichzeitig durchsucht werden. Was beim ersten Hinhören ungemein praktisch klingt, hat allerdings einen gewaltigen Haken: Die Index-Dateien werden auf Google-Servern zwischengespeichert, damit man auch auf sie zugreifen kann, wenn die Rechner ausgeschaltet sind.

Für Datenschützer ist das ein Unding: "Was ich bis jetzt da sehen konnte, ist höchst bedenklich", sagt Sven Borchert vom Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein in einer ersten Reaktion auf eine Anfrage von SPIEGEL ONLINE. In den USA schlägt vor allem die "Electronic Frontier Foundation"(EFF) Alarm. "Außer wenn Sie Google Desktop sehr sorgfältig konfigurieren - und sehr wenige Menschen werden das tun -, hat Google Zugriff auf Kopien Ihrer Steuerabrechnungen, Liebesbriefe, Geschäftsunterlagen, Finanz- und Krankenakten und alle anderen Textdokumente, die von der Desktop-Software indiziert werden können", warnt EFF-Mitarbeiter Kevin Bankston.

Er befürchtet, dass US-Regierungsstellen bei Bedarf allzu leicht Zugriff auf die Unterlagen haben. Das liege daran, dass E-Mails und andere elektronische Unterlagen auf Grund des sogenannten "Electronic Communication Privacy Acts" nur eingeschränkt geschützt sind - wenn sie auf den Rechnern eines Online Service Providers liegen, wie es bei Google der Fall ist. Dateien auf dem eigenen Computer wären hingegen besser geschützt. Deswegen sollten die User besser die Finger von der neuen Suchfunktion lassen.

Doch trotz der harschen Kritik, will sich die EFF Google auch nicht vollständig zum Feind machen - und ruft das Unternehmen stattdessen zum gemeinsamen Kampf für bessere Datenschutzgesetze auf. Das liegt an einem anderen Rechtsstreit: Google ringt gerade mit dem US-Justizministerium, das von dem Suchmaschinenanbieter umfangreiche Daten über Suchanfragen verlangt. Und bei aller Kritik kämpfen Datenschützer und Suchmaschine in diesem Fall an derselben Front.

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