Google-Verwirrung: Web-Nutzer halten Blog für ihren Internetprovider

Es ist manchmal schon schwierig, mit diesem Internet. Wenn man zum Beispiel bei Google nach seinem Internetprovider sucht, muss man doch auf dessen Seiten landen, egal was man anklickt - oder? Nach dieser Devise jedenfalls schicken verirrte Nutzer ihre Anschlusskündigungen an ein Ruhrpott-Blog.

Pottblog: Diesen Beitrag verwechseln manche Nutzer mit ihrem Internet-Anbieter Zur Großansicht

Pottblog: Diesen Beitrag verwechseln manche Nutzer mit ihrem Internet-Anbieter

Flüchtige Besucher seines Blogs haben Jens Matheuszik schon für alles Mögliche gehalten: Ex-Kanzler Gerhard Schröder, den Küchenhersteller Astroh oder den Internetprovider Cityweb. Dabei ist Matheuszik nur der Autor des Pottblogs.

Er schreibt das private Regionalblog seit 2005 regelmäßig, entsprechend gut sind einige Artikel aus dem regelmäßig aktualisierten Angebot im Index der Suchmaschine Google bewertet. Sie tauchen bei Suchanfragen auf der ersten Trefferseite auf. Und da kommt es seit Jahren zum Google-Effekt: Die Menschen klicken auf einen der ersten Treffer in den Suchergebnissen und erwarten genau dort zu landen, wo sie hinwollen.

Zum Beispiel zum Internetprovider Cityweb. Im September 2006 schrieb Matheuszik einen kleinen Beitrag mit dem Titel " WEST EINS heißt die neue Internetfirma der WAZ". Im Januar 2007 schrieb ein Nutzer diesen Kommentar: "Kündigung meines Kontos bei Ihnen" und hängte seine Kundennummer an.

Es folgten so viele Kündigungen und E-Mais, dass Matheuszik eine deutliche Botschaft an den Anfang des Artikels stellte: "Wichtiger Hinweis an alle Nutzer des Internetzugangs von Cityweb bzw. der WEST EINS GmbH & Co. KG: Anfragen zu den Internetzugängen, etwaige Kündigungen oder Ähnliches sind nicht an mich (Jens Matheuszik), als Betreiber des Pottblogs, zu richten."

Bislang hat Matheuszik 50 Kündigungen erhalten - die meisten per E-Mail, einige per Einschreiben mit Bestallungsurkunden für geschäftsunfähig Betreute, deren Zugänge gekündigt werden sollten. Seit der Hinweistext in dem Beitrag steht, kommen weniger Cityweb-Kündigungen. Das könnte aber auch daran liegen, dass der Beitrag bei Google nicht mehr ganz so prominent in den entsprechenden Suchbegriffen auftaucht.

Derselbe Effekt machte Mitte Februar dem US-Blog ReadWriteWeb zu schaffen: Hunderte Nutzer verwechselten das Angebot mit Facebook - weil es in den Suchmaschinentreffern für "Facebook login" weit oben auftauchte. Erboste Kommentare waren die Folge.

Pottblogger Matheuszik hat diesen Google-Effekt schon oft erlebt: "Auch zu anderen Themen erhalte ich entsprechende Reaktionen. Sei es zu Firmen wie Arena, Astroh Küchen oder Premiere, aber auch zu Personen. So wurde ich rund fünfmal für Bundeskanzler Gerhard Schröder gehalten und um Autogramme gebeten. Zuletzt wurde ich öfter für CenterTV Ruhrgebiet gehalten - man teilte mir Termine mit und bat um Berücksichtigung im laufenden Programm."

Inzwischen ignoriert Matheuszik die Verwechslungen.

lis

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insgesamt 19 Beiträge
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1. Keinen Schimmer...
oktolyt 16.02.2010
Das Internet ist wie kein zweiter Ort ein Tummelplatz für Leute die nicht den Hauch einer Ahnung haben, diese Tatsache aber in der eigenen Wahrnehmung grotesk ins Gegenteil verkehren. Und sowas kommt dann dabei raus.
2. Internetservice
dr.stiller 16.02.2010
Zitat von sysopEs ist manchmal schon schwierig, mit diesem Internet. Wenn man zum Beispiel bei Google nach seinem Internet-Provider sucht, muss man doch auf dessen Seiten landen, egal was man anklickt - oder? Nach dieser Devise jedenfalls schicken verirrte Nutzer ihre Anschluss-Kündigungen an ein Ruhrpott-Blog. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,677892,00.html
Sehr geehrte Damen und Herren, hiermit kündige ich meinen Anschluss bei ihrem Unternehmen. Meine Kundennummer ist 12 345 678. Mit freundlichen Grüßen Dr, Stiller
3. Dummheit
cmprima 16.02.2010
Gegen Dummheit ist kein Kraut gewachsen. Das gilt nicht nur für's Internet. Nur konzentriert sich das Problem dort. Man kann keinen Webauftritt DaU-sicher gestalten. Ich erlebe ein ähnliches Problem täglich im Telefonnetz. Viele Leute sind zu dumm einfache Nummernfolgen auseinanderzuhalten. Statt 999911 wählen sie 999111. Blöd für den Inhaber der zweiten Nummer wenn die erste Rufnummer einige hundert Mal täglich angerufen wird. Beim ersten Mal wird einfach aufgelegt, beim zweiten Versuch wird eine Entschuldigung gestammelt, beim dritten Mal wird nachgefragt und beim fünften, sechsten und siebten Mal wird einfach wieder aufgelegt. Die Krönung war eine junge Dame (die mir bekannt ist), die unter der Nummer ihren Ehemann erreichen wollte und mich sechs Mal hintereinander anrief und beschimpfte, ich solle aus der Leitung gehen und was mir denn einfiele die Nummer ihres Mannes, des Herrn Doktor XY zu benutzen. Auch der mehrfache Hinweis, daß sie eine falsche Ziffer gewählt hätte und ich DIESE Nummer seit 20 Jahren besässe, konnte sie nicht umstimmen.
4. Unglaublich, aber wahr
johndoe2 16.02.2010
Ich kenne jemanden, der betreibt eine Website für seine Familie unter einer Domain, die an den Namen einer Bonuskundenkarten-Firma erinnert. Die Website sieht wirklich nicht nach einem professionellen Auftritt für eine doch recht bekannte Firma aus. Mit Paint erstellte Icons, eine fragwürdige Farbwahl und Familienfotos direkt auf der Startseite. Trotzdem bekommt der Arme doch tatsächlich immer wieder Serviceanfragen, wie Kündigungen oder Punktestandsabfragen, zum Teil sogar mit Kontoverbindung. Manche Sachen machen einen einfach sprachlos.
5. Tja
Safado 16.02.2010
Wer Panik schiebt wenn sein "Internet" nicht geht weil Google mal hängt oder bei Google.de nach Google.de sucht hat [ ] verstanden wie das Internet funktioniert Ob solch ein Verhalten der Dummheit oder der schlichten Überforderung geschuldet ist mag und will ich nicht beurteilen.
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