Google Wallet: Google zwingt Entwicklern hauseigenen Bezahldienst auf
Google will die Konkurrenz anderer Bezahlsysteme nicht dulden. Entwickler von Apps werden aufgefordert, nur noch den Dienst Google Wallet zur Zahlungsabwicklung zu nutzen. Doch ist dieser Schritt wirklich neu?
Programmierer, die an mobilen Anwendungen und Spielen für Googles Android-Betriebssystem werkeln, sollen Verkäufe und Zahlungen einzig über den hauseigenen Bezahldienst Google Wallet abwickeln dürfen. Seit einigen Monaten weise Google Entwickler darauf hin, ihre Apps und Games würden aus dem Android Market / Google Play verschwinden, wenn sie ihre Transaktionen weiterhin über andere Dienste wie PayPal oder Zong erledigten, berichtet Reuters.
Für Google mag darin ein Gewinn liegen, denn auf diese Weise erhoffen sich die Konzernverantwortlichen eine Vereinfachung der Zahlungsvorgänge und damit deren Zunahme. Für die Entwickler sieht die Sache allerdings ein wenig zwiespältiger aus, immer seien die Gebühren, die für die Wallet-Nutzung anfielen, höher als bei anderen Anbietern. Manche Dienstleister äußern jedoch Verständnis, wenn etwa Appsperse-Chef Hugo Troche erklärt: "Auch wenn dieser Schritt Googles willkürlich wirkt, vereinfacht er doch die Anschaffung von Apps und macht damit die Nutzer (für Google) wertvoller." Google selbst wollte die Reuters-Meldung nicht kommentieren.
"Wir müssen uns an die Regeln halten"
Klar ist, dass dieses Vorgehen auch dazu führen dürfte, dass Wallet sich stärker und schneller verbreitet - was sehr in Googles Interesse ist, weil der Konzern mit dem Dienst künftig auch zum Zahlungsdienstleister in der Offline-Welt werden will, über Handys mit sogenannten NFC-Chips, die an der Supermarktkasse zum berührungslosen Zahlen eingesetzt werden können. In den USA ist das bereits angelaufen.
Zur Illustration der Vorgänge verwies Reuters unter anderem auf eine der Agentur vorliegende E-Mail, in der Google einem Entwickler bereits Ende August letzten Jahres mitteilte, er habe sich binnen 30 Tagen den Konzernvorgaben anzupassen oder seine Apps würden für den Android Market gesperrt. Si Shen, die Chefin des Social Gaming Netzwerks Papaya, gab resigniert diese Einschätzung ab: "Sie haben erklärt, mit der Nutzung anderer Bezahldienste würden die Leute die AGB verletzen. Wahr oder nicht, wir müssen uns an die Regeln halten."
Damit aber, so merkt der Fachdienst "Cnet" an, sei das eigentliche Stichwort genannt. Die Aufforderung zur Wallet-Nutzung sei nichts Neues. Google habe Entwickler schon immer dazu aufgefordert, seinen Bezahldienst zu nutzen, auch wenn manche versucht hätten, sich dem zu entziehen. Immerhin heiße es in den "Regeln des Android-Market-Entwicklerprogramms" beim Punkt "Bezahl- und Gratis-Apps" zum Thema: "Entwickler, die für Applikationen und Downloads vom Android Market Kosten berechnen, müssen dabei einen autorisierten Bezahldienst verwenden."
Auch wenn an dieser Stelle Google Wallet nicht explizit genannt wird, könnten Entwickler von dieser Vorgabe ausgehen. Ein Google-Sprecher erklärte gegenüber "Cnet": "Unsere Richtlinien haben sich nicht geändert."
meu
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
- Freitag, 09.03.2012 – 09:45 Uhr
- Drucken Versenden
- Nutzungsrechte Feedback
- Kommentieren | 16 Kommentare
- Richard Meusers sitzt im Garten und sieht seinen Blumen beim Wachsen zu. Ansonsten hat er ein Auge auf Digitales und Mediales.

Über diesen Account erreichen Sie das Ressort und verpassen keinen Artikel.
MEHR AUS DEM RESSORT NETZWELT
-
Best of Web
Netz-Fundstücke: Was Sie im Internet unbedingt sehen müssen -
Silberscheiben
Das lohnt sich: Die besten CD- und DVD-Schnäppchen -
Bilderwelten
Bessere Fotos: So holen Sie ganz einfach mehr aus Ihren Bildern raus -
Angefasst
Gadget-Check: Handys und anderes Spielzeug in Matthias Kremps Praxistest -
Angespielt
Game-Tipps: Spiele für Computer und Konsole im SPIEGEL-ONLINE-Test
