Nach Datenschützer-Protesten Google weitet Recht auf Vergessen aus

Bislang ließ sich das Recht auf Vergessen leicht aushebeln: Nutzer mussten nur Google.com ansteuern, schon waren bei Google.de fehlende Ergebnisse auffindbar. Jetzt wird es zumindest ein wenig komplizierter.

Google-Logo am Hauptsitz der Firma in Kalifornien: Rückschlüsse anhand von IP-Adressen
AFP

Google-Logo am Hauptsitz der Firma in Kalifornien: Rückschlüsse anhand von IP-Adressen


Google weitet nach Druck von Datenschutzbehörden das sogenannte Recht auf Vergessen für Nutzer in Europa weiter aus. Demnächst sollen angeprangerte Suchergebnisse im Land des Antragstellers auch auf nichteuropäischen Google-Websites herausgefiltert werden, bestätigte ein Google-Sprecher am Mittwoch. FAZ.net berichtet, die Entscheidung sei Ende Januar zunächst nur den europäischen Datenschutzbehörden mitgeteilt worden.

Wenn ein Antrag auf Löschung eines Links erfolgreich war, werden Ergebnisse bislang nur in lokalen Versionen der Suchmaschine in Europa weggelassen, etwa auf Google.de, Google.fr und Google.es. Von der neuen Regelung wäre zum Beispiel auch Google.com betroffen - allerdings nur bei einem Aufruf der Seite aus dem Heimatland der Person, die erfolgreich eine Löschung eines bestimmten Links beantragt hat.

Google will anhand der IP-Adresse Rückschlüsse darauf ziehen, aus welchem Land jemand auf die Suchmaschine zugreift. Der Mechanismus dürfte sich mit technischen Hilfsmitteln austricksen lassen, VPN-Verbindungen etwa, die einen anderen Heimatort vorgaukeln. Aufwendiger als bislang wäre das Ganze allerdings schon.

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hatte im Mai 2014 entschieden, dass Suchmaschinen wie Google Links zu bestimmten Inhalten aus ihren Ergebnisseiten löschen müssen, wenn sich ein Nutzer in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt sieht. Nach dem Urteil des EuGH blieben aber viele Detailfragen offen.

Datenschützer forderten schon seit Monaten, die Sperrung der Treffer auf alle Google-Seiten auszuweiten. Streit in dieser Sache hatte Google zum Beispiel mit der französischen Datenschutzbehörde CNIL. Journalisten-Organisationen kritisieren die Sperrungen als Zensurmaßnahme. Sie stehen dem Recht auf Vergessen größtenteils kritisch gegenüber.

mbö/dpa



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